Impfen ja oder nein?

Zum Sonntag komme ich euch mal mit einem etwas ernsteren Thema daher, nämlich mit der Frage: wie haltet ihr es eigentlich mit dem Impfen? Sowohl von euch selbst, als auch von euren Kindern? Alle Impfungen mitnehmen, die es gibt, oder alle ablehnen und in jeder eine Verschwörung der bösen Pharmaindustrie sehen? Ich selbst habe mich lange in der Mitte aufgehalten. Ich habe mich grob mit dem Thema beschäftigt, als meine Tochter auf die Welt gekommen ist. Ich hatte damals das Glück vor unserem Umzug in ein anderes Bundesland bei einem Kinderarzt unterzukommen, der offen für Alternativen war. Offen für Alternativen bedeutet einfach: er hat Fragen in Ruhe beantwortet, dem Thema, ob man alles impfen muss überhaupt mal etwas Raum gegeben, Empfehlungen ausgesprochen und signalisiert, dass er fast jeden Weg mitgeht, eine völlige Impfverweigerung aber nicht mitmacht. Was man von der Meinung des Arztes hält, ist die eine Sache. Ich glaube aber das Verhalten sollte in der Medizin Standard sein. Nämlich sich für den Dialog mit den Eltern ein Stück weit zu öffnen, bessere Aufklärungsarbeit zu leisten. Aber die Mediziner werden schon während ihres Studiums gerade was das Thema Impfen angeht, scheinbar gleichfalls einer Art Gehirnwäsche unterzogen. Ich war irgendwann mal bei einer Vertretung und dort hing in der Praxis ein Poster der Ärztekammer aus, das fett für alle Impfungen der Welt geworben hat, am Besten ab dem Zeitpunkt, an welchem die Kinder ihren ersten Atemzug machen. Sinngemäß stand dort Impfen ist super, hat keinerlei Risiken und keine Impfung ist gefährlich. Mit Sicherheit nicht so formuliert. Aber so ähnlich. Durch diese Verneinung jeglicher Impfnebenwirkungen spielt man meiner Meinung nach den Impfkritikern in die Hände. Kommt man heute mit einem Kind an, das nach der Impfung ernsthafte Probleme hat, sagt einem doch jeder Kinderarzt „das kann nicht von der Impfung kommen.“ Damit kann man sich dann im sekundären Schritt leicht fragen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein potenzieller Impfschaden überhaupt je gemeldet wird. Und wenn er nicht gemeldet wird, kann er auch auf dem Blatt nicht existieren. Es gibt einen Beipackzettel zu jedem Impfstoff. Wie bei jedem verdammten Arzneimittel. Darauf stehen die harmlosen häufigen Nebenwirkungen, ebenso wie die sehr seltenen gravierenderen Nebenwirkungen aufgelistet. Ich persönlich glaube nicht, dass ein Mediziner diese Nebenwirkungen überhaupt kennt, oder kennen will. Und diese mangelnde Transparenz spielt der Angst von unwissenden Mamas regelmäßig in die Hände, die von Autismus aufgrund von Impfung einmal lesen und am Ende sogar anfangen, ernsthaft Impfungen wie Tetanus abzulehnen. Ich hatte mal eine Diskussion mit einer Mama, die mir mit „Wunde ausbluten“ kam. Klar kann man das machen. Klar macht man das anderswo. Aber WARUM sollte man das hier in einem gut entwickelten Land machen? Ihr fragt euch jetzt, welche Meinung ich zu dem Thema habe? Ich denke, dass es grundsätzlich immer verkehrt ist, Extreme zu vertreten. Egal in welcher Sache. So kann es weder richtig sein, dass Impfungen nicht nötig sind, noch dass sie nie schädlich sind. Würden die Mediziner hier für mehr Transparenz sorgen und sich selbst mal unvoreingenommen mit dem Thema befassen, so würde die Toleranz gegenüber Impfungen sicher wieder steigen. Denn es gibt schon alarmierende Statistiken in unserem Land. Dass die Masern wieder auf dem Vormarsch sind, sollte inzwischen fast jeder begriffen haben. Dass die Mamis, die mit ihren Stilltüchern und Biojutebeuteln ohne jede wirkliche Sachkompetenz einfach mal ganz grundsätzlich impfgegegnerisch unterwegs sind, keinerlei Schuldbewusstsein haben, wohl auch. Und dass Masern und andere Kinderkrankheiten in der Regel unproblematisch verlaufen, mag zwar stimmen, wird aber für die Eltern des kleinen Jungen, der in Deutschland an einer Hirnhautentzündung infolge einer Maserninfektion gestorben ist, nur ein schwacher Trost sein. Was war passiert? Weder die Eltern, noch der größere Bruder waren gegen Masern geimpft. Die Kleinsten unter uns sind aber genau auf einen solchen Schutz angewiesen, da eine Impfung zum Beispiel gegen Masern erst ab dem 13. Lebensmonat Sinn macht. Was zeigt uns dieses Beispiel? Meiner Meinung nach zeigt es uns, dass der Impfvorgang generell eine Daseinsberechtigung hat. Aber nicht unbedingt jede Impfung. Was schlage ich vor? Fragt euch im ersten Schritt, was passiert, wenn die Krankheit eintritt. Ist der Verlauf tödlich? Und wie lange gibt es die Impfung eigentlich bereits? Wie hoch ist der Impfschutz, wie ausführlich sind die Nebenwirkungen erforscht und welche Komplikationen gibt es überhaupt? Bei tödlichen Krankheiten wie Tetanus und Co. sollte die Entscheidung fürs Impfen dann schnell gefallen sein. Wer mir hier mit Wunde ausbluten, oder Globuli kommt, der ist für mich nicht mehr ernst zu nehmen, dem würde ich höchstens gerne das Jugendamt auf den Hals hetzen. Bei anderen Krankheiten muss man individuell entscheiden. Hier kann man sich leider kaum auf verlässliche Aussagen der Kinderärzte verlassen, da die allermeisten darauf schon rein tatsächlich keine Antworten haben (wollen) und so wenig kooperativ sind. Es heißt entweder „Entscheiden müssen Sie selbst.“, oder „Die Impfung ist sinnvoll und ungefährlich.“ Hier ist meiner Meinung nach dringend ein Umdenken bei den Ärzten notwendig. Falls sich jmd. nun fragt, wie ich es konkret gehalten habe: meine Tochter hat fast alle Standardimpfungen. Sie bekam allerdings damals im Alter von wenigen Wochen nicht die übliche 6-fach Impfung. Sondern eine 5-fach-Impfung ohne Hepatitis-B. Diese Imfung wird sie sicherlich noch nachholen vor ihrer Pubertät und ggf. spontan auch früher, sollte es notwendig werden. Sie wird also nicht weniger Impfschutz haben, als andere Kinder, die die 6-fach Impfung bekommen haben. Sie wird nur insgesamt etwas öfter gepiekst worden sein in ihrem Leben. Einfach weil ich damals viel über die 6-fach Impfung gelesen habe und fand, dass dieser Hammer so früh nicht sein muss. Sie ist NICHT gegen Pertussis geimpft, da hier zum Beispiel der Impfschutz nur bei knapp über 50 Prozent liegt und es mir dann diesen „Eingriff“ nicht wert war. Sie ist auch nicht gegen FSME geimpft. Aber im Großen und Ganzen hat sie die meisten Impfungen. Über eure Meinung zu dem Thema, sowohl bei euch selbst, als auch bei euren Kindern, freue ich mich. Einen schönen Sonntag!

The good enough mother

Ich möchte euch das wunderbare Märchen über die entspannte, glückliche „good enough mother“ erzählen. Als ich mich frisch getrennt hatte, war das eine harte Zeit. Ich hab wieder gearbeitet, meine Tochter plötzlich zur Hälfte verloren und war total ins Strudeln gekommen. Ich hatte meine Familie verloren und durfte nichtmal groß was sagen, denn ich war ja schließlich die gewesen, die am Ende aktiv, nach vielen Diskussionen und Versuchen, das Handtuch geschmissen hatte. Ich stürzte mich in eine neue Beziehung und es endete nicht gut. Ich beschloss in eine Therapie zu gehen und das war der erste gute Entschluss damals. In den Gesprächen kam meine Überforderung zu Tage. Das Gefühl alles perfekt machen zu müssen, weil ich a) mein Kind sowieso nur die Hälfte der Zeit bei mir hatte und b) weil es einfach der Job einer Mutter war, eine verdammt gute Mutter zu sein. Ich beschäftige mich viel mit der Frage, was denn eine verdammt gute Mutter ausmacht und stellte fest, dass ich mein eigenes Bild der Übermutter nicht erfüllen konnte. Zum einen weil es unrealistisch war,zum Anderen weil das nicht „ich“ war. Besonders mit Ersterem, aber eigentlich mit beidem, kämpfe ich bis heute. Niemand kann immer geduldig, immer gut gelaunt, immer verständnisvoll mit seinem Kind umgehen. Niemand schafft es immer alles perfekt zu machen. Gutes, vitaminreiches Essen für alle, genug Schlaf für das Kind, selbst noch gut dabei aussehen und sich auch noch gut dabei fühlen. Am besten erfolgreich im Job und erfolgreich als Mutter sein. Doch die Realität sieht meistens anders aus. Es gibt Infektzeiten bei Kleinkindern, die lassen einen die Kind krank Tage schneller aufbrauchen, als man gucken kann und einen quasi an allen wichtigen Terminen auf der Arbeit fehlen, ohne dass man groß die Wahl hat, während man zu Hause mit dem kranken Kind sitzt und sich als Rabenmutter fühlt, weil man an die sich stapelnde Arbeit denkt, statt pausenlos an sein krankes Kind. Ich habe in dieser Zeit viel über mich selbst gelernt. Die Idealmama, die ich mir vorstelle, oder die ich mir vorgestellt habe und langsam loslasse, die werde ich nie sein. Diese Mama geht darin auf, „nur“ (und das ist NICHT abwertend gemeint) Mama zu sein. Sie braucht und will nichts anderes. Sie lässt ihr Kind nicht den ganzen Tag im Kindergarten. Fakt ist aber ich liebe meine Arbeit. Fakt ist ich bin eine bessere Mama, wenn ich mein Kind jeden Abend um 17 Uhr aus dem Kindergarten abhole, als wenn wir den ganzen Tag zusammen sind. Denn ich liebe es, zu arbeiten, zu organisieren, mich zu verwirklichen. Das Jahr in Elternzeit hat mich ganz verrückt gemacht. Ich habe mich lange sehr schuldig deshalb gefühlt. Und dann habe ich die good enough mother (die Frau, die als Mutter gut genug ist) kennengelernt. Mir wurde damals ans Herz gelegt, dass es nicht so wichtig ist, dass das Kind immer Salatgurke, Naturjoghurt und Salzbretzel zum Abendessen isst. Dass es auch mal ok ist, wenn es ein paar Pommes mit Ketchup von unterwegs bekommt und ich dafür tiefenentspannt mit ihm zusammen sitze, während es sie isst. Es ist ok, dass das Kind mal mit ungekämmten Haaren zum Kindergarten geht, weil man lieber morgens noch zehn Minuten gekuschelt hat. Es ist sogar falsch, ihm stattdessen lieber zwei Zöpfe zu flechten, Spangen in die Haare zu machen und es dafür dann die letzten Minuten pausenlos anzuschreien, dass man spät dran ist und es sich jetzt endlich beeilen muss. Es ist ok, dass man es mal nicht geschafft hat zu putzen, wenn man dafür 10 Bücher am Wochenende zusammen gelesen hat und ne Stunde länger auf dem Spielplatz war. Es ist auch mal ok, dass man das Kind ne Stunde fernsehen lässt, weil man sich selbst kurz hinlegen muss. Ja. Man parkt das Kind vorm Fernseher, weil man kein Bock hat, sich mit ihm zu beschäftigen. Es ist ok, wenn das MAL passiert. Und es ist ok, wenn man gerne arbeiten geht und nur zu Hause mit seinem Kind fast durchdreht. Man liebt seine Kinder deshalb nicht weniger. Man braucht nur selbst noch etwas anderes, um glücklich zu sein. Man ist nicht weniger selbstlos am Ende, weniger liebenswert, man ist nur anders, als andere. Ich weiß nicht, wie es anderen Müttern geht, wenn sie das hier lesen. Vielleicht denken sie sich, dass die Alte spinnt und das ja wohl selbstverständlich ist. Aber ich selbst brauchte eine ganze Weile, bis ich diese Macken an mir akzeptieren konnte und es gibt Momente, in denen ich mich selbst und mein Kind immernoch stresse, weil ich perfekt sein will. Und ich glaube das geht nicht nur mir so. Wir haben eine Vielzahl von Übermüttern auf der Welt, die uns vordiktieren, ob in Gruppen, Zeitschriften, im Fernsehen, oder auch in der eigenen Familie, wie eine gute Mutter zu sein hat. Ob das Konzept zu uns als Mensch passt, fragen wir uns dann nicht mehr. Wir leben in einer Welt, in der wir dank modernster Medizin, dank Leistungsgesellschaft, dank Ellbogenmentalität, schon sehr früh sehr unter Druck stehen. Sowohl was unsere Qualifikation als Mama angeht, als auch was die Fähigkeiten unserer Kinder angeht. Neulich in der Bahn gab ich meinem Kind den dritten Traubenzucker, damit es auf dem Weg nach Hause nicht einpennt und hinter mir stieg eine Mutter mit einem ähnlich alten Jungen zu. Meine Tochter drehte sich um, strahlte ihren Traubenzucker lutschend, den Jungen an und die Mutter sagte „oh, du wirst heute Nacht nicht schlafen. Das ist ja eine Energiebombe.“ Kleintöchterlein meinte klarstellen zu müssen, dass bereits der dritte Traubenzucker ist. „Aha, schaffst du es denn dann noch etwas Gesundes zum Abendbrot zu essen?“ Während ich früher wütend geworden wäre, die Frau als Helikoptermutter beschimpft hätte und mich insgeheim für mein schlechtes Mutterdasein geschämt hätte, hab ich mich lächelnd umgedreht und gesagt:“ klar schafft sie es noch was zu essen später, heute gibts schließlich Pommes.“ 😂 Das Gesicht der Mutter war eigentlich ein Foto wert. Noch besser wurde es, als ihr Sohn plötzlich davon anfing, dass er einmal soviel Pommes und Gummibärchen gegessen hatte, dass er spucken musste und ob sie sich noch erinnere. Sie wurde laut, hat das entschieden verneint und sich schrecklich gerechtfertigt. Und daher denke ich: nein, ich bin nicht allein mit meinem Perfektionismus. Aber er solltr aussterben. Mütter dieser Welt, erhebt euch und entspannt euch. Lasst uns good enough Mütter sein. 😎 In diesem Sinne: gute Nacht.

Freundschaft

Ich schaue mir dieses Bild meiner Tochter und ihres besten Freundes immer wieder an. Ich habe, das Einverständnis der Mama des Sohnes vorausgesetzt, mich dazu entschieden, es zu teilen. Auch weil die Kleinen nur von hinten zu sehen sind. Ich liebe dieses Bild. Sie laufen so entschlossen drauf los, jeder für sich und dennoch halten sie die Hand des anderen, als ob sie ein altes Ehepaar wären. Als ob sie zusammen mutiger sind, als allein. Als ob sie wüssten, dass sie sich aufeinander verlassen können. Die beiden haben sich sehr gern, für Kleinkinder nicht unbedingt selbstverständlich und für die Erzieher des Kindergartens, sowie für uns Mamas sehr rührend. Ich denke mir überhaupt sooft, dass wir Erwachsenen von den Kindern mindestens ebenso viel lernen können, wie umgekehrt. In meinem Lieblingsbuch „der kleine Prinz“ heißt es, dass die Kinder mit den großen Leuten sehr geduldig sein müssen. Ich denke das stimmt. Die Kinder gehen mit soviel Phantasie durchs Leben, mit soviel Freude und Dankbarkeit. Sie staunen über den Herbst, begutachten jedes einzelne bunte Blatt. Häufig haben wir Erwachsenen dafür überhaupt kein Verständnis mehr. Wir hetzen meist durch die Welt. Das Einzige, was uns noch ins Staunen versetzen kann, ist ein Mehr an Gehalt, oder wenn wir es geschafft haben unsere elend lange to do Liste abzuarbeiten. Kinder haben eine ganz andere Sicht auf die Welt. Sie bewundern sie. Sie sind neugierig. Kreativ. Und vorurteilsfrei. Während die Erwachsenen garnicht mehr anders können, als in Schubladen zu denken, gibt es für Kinder solche erst garnicht. Sie betrachten alles erstmal neutral. Ein anders farbiges Kind ist beispielsweise interessant und so muss man es unbedingt kennenlernen. Während einige unter uns aus Angst vor fremden Kulturen zurückschrecken und hinter jedem Kopftuch, jeder Burka, scheinbar fast schon zwingend auch eine Sprengstoffweste vermuten, sind die Kinder verschiedener Kulturen erstmal neugierig aufeinander. Denn Kinder konzentrieren sich, im Unterschied zu Erwachsenen, nicht auf das, was sie unterscheidet, sondern auf das, was sie verbindet. Sie schätzen die wichtigen Dinge. Sie pflegen ihre Freundschaften. Wo wir häufig zu müde, zu ausgebrannt, zu selbstverliebt sind, um unser Gegenüber zu fragen, wie es ihm geht, um Bindungen den Raum und die Wichtigkeit zu geben, den sie zum Existieren und Wachsen brauchen, da ist es einzig und allein das Treffen zum Spielen, welches die Kinder interessiert. Spielen mit denen, die sie mögen. Jedes Kind, mag es auch mal schwierig, zickig, oder ungehorsam sein, möchte einfach nur Zeit und Aufmerksamkeit bekommen. Denn durch Spielen mit ihnen zeigen wir ihnen, dass wir sie lieben. Immer wenn ich mir dieses Bild anschaue, staune ich. Diese Vertrautheit,diese Leichtigkeit und diese Nähe. Ich denke an manche Freundschaften, Beziehungen insgesamt, egal welcher Art, die es nicht in der Form ins Hier und Jetzt geschafft haben. Häufig war es am Ende so, dass man sich „auseinander gelebt“ hat. Man hat sich entfremdet. Aber der Grund hierfür ist letzten Endes immer der Gleiche: man hat sich zu wenig Zeit genommen, um zuzuhören und zu reden. Lasst es uns also machen, wie die Kinder. Lasst uns von ihnen lernen und die wichtigen Dinge und Menschen auch entsprechend schätzen.

Dieser Moment, wenn ich meine Tochter schlafen lege…

Ich liebe diesen Moment. Manchmal freue ich mich den ganzen Tag darauf. Okay die Vorbereitung ist meistens eine Katastrophe. Vor allem weil ich immer noch die perfekte Mutter sein will, die vorzeigemäßig mit dem Kind mindestens eine Stunde am Abend gespielt hat, am besten nebenbei noch ein Dreigängemenü gekocht hat, das zu mindestens Zweidritteln aus Gemüse besteht und das man am Ende vom blitze blank polierten Fußboden essen könnte, wenn man denn wollte. Stattdessen präferiert man es, von dem ebenfalls verdammt sauberen Tisch zu essen, während die Familie sich herzlich lachend gegenseitig schöne Geschichten von ihrem Tag erzählt. Leider verträgt sich das selten mit der Realität. Sicher manchmal klappt es. Manchmal ist es so sehr Bilderbuch, dass einem selbst schon ganz schwindelig wird. Aber meistens läuft es anders. Der eine isst schnell in der Küche, während er Essen macht. Das ist meistens mein eigentlich verdammt perfekter Freund. Ich wusel wie von Sinnen schlecht organisiert durch die Wohnung und versuche alles gleichzeitig zu erledigen, während ich ständig alle anschreie, die nach meiner Vorstellung nicht in der Spur laufen, damit sie anschließend in der Spur laufen. Anschließend laufe ich ins Bad und entdecke einen Stresspickel. Ich bin angepisst und laufe entnervt wieder raus. Schimpfe mit meiner Tochter, dass sie ihre Knete wegräumen soll, weil sie sonst austrocknet. Ich rufe nochmal und nochmal und dann kommt ein „Was? Ich spiel gerad, Mama. Ich räume die Knete gleich weg. ICH LIEEEEBE DICH MAMI.“ Mami ist etwas stoned und vergisst seelig lächelnd, dass sie härter durchgreifen sollte. Ich handele stattdessen aus, dass sie in fünf Minuten in den Müll fliegt, wenn sie dann nicht weg ist und versuche diese fünf Minuten in Ruhe auf der Toilette zu verbringen. Währenddessen spazieren zwei von zwei Mitbewohnern mindestens einmal ins Bad und fragen mich, was ich denn gerade mache, weil scheinbar nichts spannender ist, als eine Mutter auf der Toilette. Nach diesen fünf Minuten bin ich (oh Wunder!) immer noch angepisst, renne ins Kinderzimmer, drohe damit die Knete nun zu entsorgen. Ich zähle langsam bis drei. Meine Tochter verzieht zunächst keine Miene. Dann bei zwei, eindreiviertel rennt sie plötzlich panisch schreiend ins Wohnzimmer und packt schnell ihre Knete ein. Ich muss kurz schmunzeln und brülle meinen Freund an, der vor dem PC sitzt, statt die Wäsche zu holen. Ich gehe ins Bad und entdecke den zweiten Stresspickel. Ich brülle meine beiden Mitbewohner an, dass der zweite Stresspickel allein auf deren Konto geht. Dann sage ich meiner Tochter, dass sie nun endlich Zähne putzen muss, weil es sonst zu spät wird. Die Hauptdiskussion des Abends beginnt. Denn nie möchte sie ins Bett. Immer Zeit schinden. Hier noch das passende Kuscheltier suchen, hier noch mal eine Runde die Schneidezähne schrubben. Noch einen extra Schluck Wasser. Die Ausreden sind jetzt nicht unbedingt in der richtigen Reihenfolge aufgezählt und erheben auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn sonst würde ich die ganze Nacht durchschreiben. Aber irgendwann ist es soweit. Irgendwann liegt dieser kleine, verdammt gut riechende, inzwischen viereinhalb Jahre alte laufende Meter in seinem Bettchen mit der Maus und Elefant Bettwäsche und macht seine riesigen blauen Augen zu. Und dann sagt er meistens etwas unfassbar Süßes, das einen für alles entschädigt. Für einen viel zu stressigen Tag auf der Arbeit. Für blöde Stresspickel, zu wenig Schlaf, oder eine Mischung aus beidem. Für einen zu leeren Kühlschrank, für die Tatsache, dass die geliebte Salatgurke für das Frühstücksbrot der Tochter vergessen wurde zu kaufen, oder für die zuvor vergossenen unzähligen Tränen, weil man kein viertes Mal mehr Memory spielen wollte. Manchmal ist es ein einfaches „Mama, ich liebe dich.“ Manchmal ist es ein „Ich bin froh, dass ich dich hab!“ Manchmal sagt sie auch garnichts und kuschelt sich nur an mich. Ich singe ihr immer zwei Lieder vor, immer die gleichen Lieder, immer in der gleichen Reihenfolge. Manchmal bin ich so müde, dass ich selbst fast mit einschlafe und merke, wie ich vor Müdigkeit beim Singen anfange zu nuscheln. So sehr, als ob ich 3 Promille hätte. Aber es läuft letzten Endes immer gleich ab.  Sie dreht sich zweimal hin und her, fängt an zu gähnen und dann höre ich sie langsam neben mir schnaufen. Immer regelmäßiger. Anfangs zucken ihre Arme und Beine und dann liegt sie da wie ein Backstein und würde selbst von einem Erdbeben nicht aufgeweckt werden. Und ich stecke meinen Kopf in ihre Haare und sie riecht so unfassbar gut, dass ich seelig lächeln muss und mir denke, dass sie das Beste ist, das mir je passiert ist und dass ich so verdammt glücklich bin, dass sie da ist. Und das ist jeden Tag ein Grund zur Freude. Ein Hoch aufs Mamadasein. 🙂

 

Gute Nacht!

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!

Hallo,

ich habe sicherlich viele nervige und schlechte Charaktereigenschaften. So bin ich rechthaberisch, ein Controlfreak, ich bin super sensibel (was auch nicht immer gut sein muss) und mich Chaot zu nennen, wäre noch reichlich untertrieben und eine Beleidigung für alle normalen Chaoten auf dieser Welt, die wenigstens manchmal noch den Überblick haben. Aber ich bin spontan und wenn ich etwas machen möchte, dann denke ich nicht lange nach, ich tue es einfach. Und so habe ich beschlossen zu bloggen, ohne zu wissen wie das geht, ohne zu wissen, ob es jemals jemand lesen wird, fuck, sogar ohne zu wissen, ob ich überhaupt die notwendigen Einstellungen gewählt habe, Freigaben erteilt habe, Vorkehrungen getroffen habe, DAMIT es jemand lesen kann! Aber ich habs getan. Ich blogge. Hoffentlich. Unwissend, ob es jemals jemand lesen wird. Denn was erdreiste ich mich, zu glauben etwas wichtiges mitzuteilen zu haben?

Keine Ahnung. Vielleicht befinde ich mich gerade in einer unerfreulichen Situation. Vielleicht bin ich ein wenig überfordert mit meiner Vollzeitarbeit, mit dem Mutterdasein, mit dem Schmerz über die Tatsache, dass es mit lebenslanger Familie, Liebe und Geborgenheit dann doch nichts geworden ist. Vielleicht hasse ich das Gefühl irgendwie gescheitert zu sein, Menschen weh getan zu haben, die das nicht verdient haben. Vielleicht hasse ich es abgestempelt zu werden, weil mein Kind im Wechselmodell lebt. Vielleicht hasse ich es, mir in ihrer Abwesenheit wieder so etwas wie ein Leben aufgebaut zu haben. Vielleicht hasse ich es noch mehr, dass ich das alles so sehr hasse, vielleicht möchte ich endlich wieder etwas genießen, es mir wert sein etwas genießen zu dürfen und mich selbst endlich wieder lieben, egal ob ich gescheitert bin, oder nicht. Und vielleicht geht es anderen Mamas, oder auch den Herren der Schöpfung ebenso. Fühlt euch also umarmt, ihr seid nicht allein. Ihr könnt still mitlesen, ihr könnt kommentieren. Vielleicht bringts ja irgendwem was. Idealerweise mir selbst zumindest. In diesem Sinne: eine gute Nacht und vielleicht bis bald.

thejupiable