Die Notwendigkeit von Ritualen in unser aller Leben…

Als ich heute früh zu einem ungünstigen Zeitpunkt wach geworden bin und nicht mehr einschlafen konnte (mein Wecker klingelt um 6 Uhr, wach wurde ich um 4:52 Uhr und JA, das hat sich heute im Laufe des Tages bemerkbar gemacht), war mein Bett und vor allem meine „Bärendecke“ aufeinmal so verdammt gemütlich, dass ich nichts anderes tun konnte, als vor Freude fröhlich zu quietschen. Sehr zum Leidwesen meines Freundes, der mich kleinlaut darauf aufmerksam machte, dass es noch früh ist und andere versuchen zu schlafen. Ich muss zugeben, ich war ein wenig gekränkt, denn ich hatte mich doch nur über die Existenz meiner Bärendecke gefreut. Die Bärendecke ist eine schöne, schwere, warme, braune Flauschdecke, die in der Tat das Gefühl in einem erweckt, von einem Braunbär herzlich umarmt zu werden. Von einem netten, gut gelaunten Braunbär natürlich, der einem positiv gegenüber eingestellt ist. Die Bärendecke wurde mir von meiner Arbeitskollegin damals anlässlich meiner Trennung gespendet, wie viele andere Dinge von ihr und anderen wundervollen Arbeitskollegen und alles hat inzwischen seinen festen Platz. Die Bärendecke wurde irgendwann fester Bestandteil an kalten Wintertagen und gehört nun dazu, zum Zuhause. Jeder kennt sie, jeder nimmt sie sich, wenn er kalt hat. Denn es gibt nichts, was die Bärendecke nicht wieder hinbekäme. Soweit die Theorie. Was ist mit der Bärendecke? Wieso macht sie, wieso machen Rituale so glücklich? Als ich noch ein Kind war, da hab ich es immer geliebt mit meinen Eltern am Wochenende zu frühstücken. Unter der Woche war viel los und es ging uns damals auch nicht so gut wie heute. Am Wochenende morgens und besonders auch abends haben wir uns Mühe gegeben. Es gab Brötchen, Wurst und Käse haben wir schön angerichtet und wir haben lange zusammen gesessen. Ich hab mich manchmal schon Tage vorher darauf gefreut. Jeder von uns hat solche Rituale und sie alle werden von uns so geliebt, weil sie uns zeigen wo wir hin gehören. Sie geben uns Sicherheit. Ob wir nun erwachsen sind, oder noch Kinder. Meine Tochter möchte immer die gleichen Einschlaflieder, zwei an der Zahl, vorgesungen bekommen. Egal wo wir sind, das gehört dazu. Und sie fühlt sich wohl und sicher. Meine tolle Bärendecke hält mich warm und ich weiß ich bin zu Hause. Und ich glaube abgesehen von der Sicherheit, die uns unsere Rituale geben, in einer großen weiten Welt, abgesehen davon, dass sie uns zeigen wer wir sind, so zeigen sie uns auch wer die Anderen sind. Mein Vater hat sich immer gefreut, wenn draußen der Wind weht und der Regen tobt und wir haben zu Hause im Trockenen und Warmen unter Decken gesessen. Er is schier durchgedreht vor Freude und ich hab mir vor allem das gemerkt. Meine ehemalige Chefin hat mal erzählt, dass sie sich immer daran erinnert, dass sie als Kind geföhnt wurde von ihrer Mutter, schon im Bett liegend und es geliebt hat, dann lecker duftend einzuschlafen. Ich hab vieles über meine damalige Chefin vergessen. Aber das hab ich mir gemerkt. Denn es ist auch eine Art seinem Gegenüber wirklich näher zu kommen. Es wirklich kennenzulernen, jenseits der Maske, die jeder von uns mehr oder weniger freiwillig wie automatisch aufsetzt, wenn er das Haus verlässt. Als ich noch klein war, hat es mich manchmal fertig gemacht, wie sehr die Menschen sich aneinander reiben, wie sehr sie gegeneinander kämpfen und wie sehr man sich darauf konzentriert, was einen unterscheidet, statt darauf was einen verbindet. Ich hab davon geträumt, dass man sich innerhalb von wenigen Sekunden wirklich kennenlernen kann. Der Gedanke war sich gegenseitig die Hände zu reichen und die Augen zu schließen. In den folgenden wenigen Minuten wäre dann in meiner kindlichen Vorstellung vor dem geistigen Auge des jeweils Anderen einenArt Kurzfilm abgelaufen. Mit allen prägenden traurigen und schönen Schlüsselmomenten des bisherigen Lebens, die einen zu dem gemacht haben, was man ist. Mit der Besonderheit dass das Gegenüber auch die Gefühle und Gedanken in dem Moment so empfunden hätte, als ob es die eigenen gewesen wären. Auf diese Art, so war meine Idee, hätte man innerhalb von kürzester Zeit jemanden komplett kennenlernen können. Man hätte gewusst, warum jmd. gerade genervt ist, warum jmd. kühl wirkt, oder gemein ist. Mit der Zeit musste ich lernen, dass das Kennenlernen von Menschen schwieriger ist. Und meine Vorstellung wohl immer ein Traum bleiben wird. Aber vllt können wir uns von unseren Ritualen erzählen? Oder uns still an unsere Kindheitserlebnisse erinnern? Vllt. können wir etwas offener und liebevoller auf neue Menschen zugehen? Nur so ein Gedanke während ich unter der Bärendecke liege und schreibe, statt zu schlafen. Damit höre ich aber jetzt auf. 🙂 Gute Nacht

Ich brauche euch…

Liebe Mama, lieber Papa,

wenn ich morgens spielen will, oder mir sehr viel Zeit lasse mit allem, obwohl wir uns anziehen müssen, um zum Kindergarten zu gehen, dann ist das ein Zeichen, dass ich gerne mit dir zu Hause bleiben möchte. Auch wenn ich den Kindergarten liebe, dich liebe ich einfach mehr. Auch wenn es mich freut, wenn wir dort ankommen, weil ich meine Freunde sehe und dann garnicht mehr weiß, warum ich morgens nicht ganz schnell los gelaufen bin, die Vorstellung, dass es so lange dauert, bis du mich wieder abholst, die macht mir manchmal einfach kurz Angst. Ist es nicht schön und richtig, dass ich es zu Hause mit euch am Schönsten finde?

Wenn wir auf dem Wege zum Auto, oder in ein Geschäft, oder sonstwohin sind und du hast es eilig, weil du dir so viel vorgenommen hast, das du erledigen willst, dann stresst du mich damit sehr und du machst mich wütend. Denn ich sehe die Welt anders, als du. Ich entdecke sie noch. Ich sehe noch überall kleine Wunder. Jedes Blatt, jeder Stein ist ein Geheimnis für mich, das ich untersuchen muss. Wenn du mir dafür die Zeit nimmst, fühle ich mich unverstanden und unwichtig. Du lässt mich nicht Kind sein und verlangst von mir Dinge, die ich nicht leisten kann und ich fühle mich damit wie ein Versager. Das ist, wie wenn man dir sagen würde: „Los, flieg jetzt einfach.“ So ist es, wenn du sinngemäß sagst: „Los, funktionier jetzt einfach, wie ein erwachsener Mensch.“

Ich bin ein Kind, kein kleiner Erwachsener. Wenn ich unbedingt mein Lieblingskuscheltier überall hin mitnehmen will, dann weil mein Zuhause mein sicherer Hafen ist und das Kuscheltier, das mit wandert ist ein Stück zu Hause, das immer bei mir ist. Jede Trennung von euch, egal wie aufregend die Dinge sind, die ich in eurer Abwesenheit erlebe, ist auch irgendwie anstrengend für mich.

Ich brauche keine tausend Kuscheltiere, zwanzig Puppen und soviel Spielzeug, dass ich mich über nichts mehr richtig freuen kann, weil ich lerne, dass alles ersetzbar ist. Ich brauch mein einzigartiges Kuscheltier, meine Lieblingspuppe. Ich brauche keine Kinderschminke und kein Kinderhandy. Das Schönste und Beste, das Einzige, das ich am Ende wirklich brauche, ist Zeit von euch. Zeit, die ihr mir spendet. In der ihr mit mir spielt, mit mir bastelt, mit mir malt. In der ihr mit mir kuschelt. In der ihr mit mir lacht und mit mir Witze macht. Denn dann bin ich glücklich, dann bin ich Kind. Ich brauche nicht mehr und erst recht nicht zuviel davon. Ich brauche euch und eure Aufmerksamkeit.

Euer Kind

Ich ließ mich dazu hinreißen…

Ich ließ mich dazu hinreißen, zu versuchen dich zu verstehen.

Ich wollte viel zu lange auf keinem Fall weggehen.

Ich versuchte viel zu sehr, dir endlich zu gefallen.

Dass du mir vertraust, doch du hattest deine Krallen.

Du hast mich sehr verletzt, nicht gut von mir gedacht.

Es hat mich sehr entsetzt, viele Zweifel in mir selbst entfacht.

Hätte ich nur auf mein Herz gehört, stattdessen hattest du mich komplett zerstört.

Doch daraus hatte ich viel gelernt und von meinem damaligen Ich bin ich nun weit entfernt.

Niemals mehr würde ich mich so verbiegen, das nächste Mal würde ich einfach nur lieben.

Lieben ohne Angst, das war mein großes Ziel, doch musste ich schnell lernen, es war kein Kinderspiel.

Denn zu tief waren die zahlreichen Wunden, obwohl ich nur kurz war an dich gebunden.

Dein Stachel saß tief, ließ mich lange sehr leiden, den Kontakt zu sämtlichen Männern meiden.

Doch dann traf ich den einen Mann, der mich tatsächlich wieder heilen kann.

Den einen, der zunächst als Freund bei mir blieb, geduldig war und fast immer lieb.

Den einen, der meine Launen stets ertrug, mir Zeit und Abstand stets gab genug, so lange bis ich wusste ganz klar:

Die Liebe, sie war endlich wieder da.

Ich ließ mich dazu hinreißen, wieder zu lieben und diesmal ist das Glück auch mit mir geblieben.

Ich ließ mich dazu hinreißen, es nochmal zu leben und der Mann an meiner Seite hat alles dafür gegeben.

Ich danke ihm von Herzen und er sollte wissen, ich möchte ihn niemals im Leben mehr missen.

Danke! 🙂

Die Weihnachtszeit

Ich muss sagen, ich habe ein sehr zwiegespaltenes Verhältnis zur Weihnachtszeit. Für kitschige Gedanken über eine gewisse Dankbarkeit dafür, wen und was man in seinem Leben hat, bin ich sehr empfänglich. Auch die Idee sich zurückzulehnen, Zeit mit den wichtigen Menschen in seinem Leben zu verbringen und vllt. denen, die man liebt, eine kleine Freude mit etwas machen zu können, das ihnen ein Lächeln auf die Lippen zaubert, gefällt mir sehr. Wenn sich dann noch der Geruch von Glühwein, heißer Schokolade und Weihnachtsgebäck unter meiner Nase ausbreitet, fange ich vermutlich vor Rührseligkeit an zu flennen und halte mich für den glücklichsten Menschen auf der Welt. Einfach weil ich an Weihnachten nicht allein sein muss.

Nun bin ich neuerdings mit einem absoluten Weihnachtshasser zusammen und wenn man meine letzten Zeilen gelesen hat, fragt man sich vllt. wie ich das dann aushalte, so als Weihnachtsliebhaber. Ganz einfach: die Gründe, warum ihm das Fest so zuwider ist, kann ich absolut verstehen und ich teile sie! Fürs viel zu viele Menschen ist Weihnachten inzwischen nur noch absolut gehetzt durch die Gegend eilen, die Wohnung für den lieben Gott und den hohen Besuch super sauber putzen, ein Fünfgänge Menü zaubern und jede Menge Geschenke abzuliefern, um allen Wünschen ausreichend nachkommen zu können.

Und der Spaß fängt ja schon viel früher an: kurz vor Weihnachten gehen offensichtlich zweidrittel der Menschen innerhalb der EU davon aus, dass die Lebensmittelversorgung auf unserem Planeten am letztmöglichen Einkaufstag vor den Feiertagen für immer endet. Es wird eingekauft, als obs kein Morgen gäbe und wer am Ende nicht mindestens eindrittel wegwerfen muss, hat was falsch gemacht. Ebenso bei den Geschenken: hab ich jemanden lieb? Dann muss ich ein teures Geschenk kaufen und zwar davon reichlich. Hab ich ein Kind lieb? Dann gilt das gerade Gesagte, mit der Maßgabe, dass der Geschenkeberg größer sein muss, als letztes Jahr, sonst riskiert man einen wütenden Schreikrampf des verzogenen Rotzbengels,weil nicht alles nach seinen Vorstellungen gelaufen ist. Ich kann garnicht sagen, wie traurig ich eine solche Entwicklung finde, da sie absolut nichts mehr mit den Gedanken von Weihnachten, mit dem Fest selbst, zu tun haben. Ich bin überzeugte Atheistin, also lasse ich mich an dieser Stelle gerne von den Katholiken belehren, sollte ich falsch liegen. Aber soweit ich weiß, soll Weihnachten das Fest der Dankbarkeit, der Liebe, der Besinnlichkeit sein. Es soll absolut nicht das Schenken von materiellen Dingen im Vordergrund stehen, sondern es geht wirklich darum, sich glücklich zu schätzen, für die immateriellen Schätzen, die man hat. Und deshalb liebe ich meinen Freund vermutlich noch ein klein wenig mejr, als vorher, dafür, dass er Weihnachten hasst, dafür dass er aus Prinzip nichts schenkt und nichts geschenkt bekommen will. Denn seine Gedanken gehen in die richtige Richtung. Ich werde es mir nicht nehmen lassen, ihm ein kleines Spaßgeschenk zu schenken und meiner Tochter, sowie meiner Familie mit Kleinigkeiten eine hoffentlich große Freude zu machen. Ich werde es mir nicht nehmen lassen, mit meiner Mama ein Essen zu kochen, das viel zu spät erst fertig ist (15 Uhr oder später) und bei dem sicher Schweinefilet serviert werden muss, weil mein Vater dafür töten würde. Während also der Großteil der Familie langsam den Hungertod stirbt und sich wie jedes Jahr fragt, ob das noch was wird mit dem Essen, während meine Mutter und ich in der Küche kichernd Sekt schlürfen und mein Onkel die neuste wii installiert und ausprobiert, werde ich es mir nicht nehmen lassen, das zu genießen und mich zu freuen. Denn meine Familie macht das garnicht so falsch. Bei uns stehen Geschenke sicher nicht im Vordergrund und auch das perfekt geputzte Haus nicht. Aber wir genießen es, Zeit zusammen zu verbringen und zu faulenzen. Ich weiß nicht, wie viele Weihnachten mir mit meiner Familie in dieser Konstellation noch geschenkt werden, da meine Großeltern schon älter sind und man nie weiß, wie viel Zeit man noch hat. Aber ich werde es genießen. Und ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, meinen Freund davon zu überzeugen das auch zu tun. Und jeden Anderen auf der Welt auch. Scheißt auf den Kommerz. Wenn eure Kinder hier bereits den Schwerpunkt setzen, wirds ohnehin Zeit. Tut stattdessen was Gutes. Lasst die Liebe ins Haus, schreibt jedem eine schöne Weihnachtskarte am besten abends vorm Schlafengehen und seid dankbar. 🙂 Eine schöne besinnliche Weihnachtszeit!

Die Selbstliebe

Heute habe ich mich aus gegebenem Anlass damit befasst, warum es so wichtig ist, sich selbst zu lieben. Jeder, der meinen blog einigermaßen aufmerksam gelesen hat, wird vllt. bemerkt haben, dass ich es momentan nicht so damit hab, mit der Selbstliebe. Im Detail will ich jetzt garnicht darauf eingehen, warum. Ich will auch nicht großartig jammern, oder mich in Selbstmitleid suhlen, oder gar die Zuversicht verlieren, dass das wieder wird. Ich glaube im Leben von uns allen passieren manchmal Dinge, die uns ein wenig aus der Bahn werfen, uns verletzen, uns enttäuschen und vor allem verunsichern. Aber ich bin mir sicher, man wächst daran und genauso sicher, man wird wieder. Es braucht eben nur seine Zeit. Ich wundere mich manchmal, wie sehr ich doch zeitweise noch verschreckt bin wie ein kleines Mädchen, weil ich nicht mehr mit meiner altgewohnten Familie unterwegs bin. All die Jahre, in denen ich den gleichen Mann an meiner Seite hatte, war doch ein gewisses Gefühl der Grundsicherheit entstanden. Und die Erwartung an ein solches Gefühl darf man natürlich nicht an neue Beziehungen haben. Sondern man muss ihnen die Chance geben, sich zu entwickeln. Ich hatte in meinem ersten Jahr der Trennung gelernt, dass eines sicher nicht geht: sich in eine Beziehung stürzen, um die Trauer über das Scheitern der anderen Beziehung zu vergessen. Man darf eine Beziehung nicht unbedingt brauchen, wenn sie etwas werden soll. Sie soll sich ergeben, in Ruhe wachsen, sie sollte alles dürfen, aber nichts müssen. Es gibt einen Spruch der lautet: „You are so obsessed to find someone who loves you, because you cannot love yourself.“ Ich durfte lernen, dass an diesem Satz (sinngemäß: man ist so besessen davon jmd. zu finden, der einen liebt, weil man es selbst nicht kann) viel Wahres dran ist. Ich bin eigentlich ein sehr stolzer Mensch, mochte immer sehr meine Unabhängigkeit und meinen Freiraum. Und ich mochte es, stark zu sein. In meinen Beziehungen habe ich nun in der Vergangenheit gelernt, dass ich aktuell manchmal aber schwach war und bin. Ich habe mich deshalb oft gehasst. Wenn mein Gegenüber dies dann noch bemerkt hat, oder ich nur geglaubt hab, dass es bemerkt, vielleicht sogar verspottet wird, dann hatte ich sooft ein Gefühl der unglaublichen Ohnmacht und mich so schrecklich klein gefühlt. Ich war so wütend auf mich selbst, dass ich nicht zu meiner alten Stärke zurückfinden konnte und so wütend auf mein Gegenüber, dass es mir dabei nicht helfen konnte, mich nicht trotzdem respektieren und lieben konnte. Ich wollte so stark geliebt werden, ohne es selbst zu können, um wieder „ganz“ zu werden. Fakt ist aber und das ist sehr wichtig, sodass ich es jedem mit auf den Weg geben möchte, der diese Zeilen liest: wenn ihr euch selbst nicht liebt, wird es auch niemand anderes für euch tun. Wenn ihr euch selbst unter Wert verkauft und an euch zweifelt, wird niemand diesen Preis für euch erhöhen, wird euch diese Zweifel niemand zerstreuen, sondern es euch gleichtun. Ihr seid alle etwas Besonderes und mit all unseren Schwächen und Stärken, die wir haben, mit all unseren Päckchen, die wir mit uns tragen müssen, je älter wir werden, sind wir liebenswert. Wir haben es verdient, uns an einem harten Tag selbst in den Arm zu nehmen und uns zu trösten. Wir sind nie allein, denn wir haben ja uns selbst. Lasst euch nicht kaputt machen, von der Welt da draußen. Werdet euch darüber im Klaren, was ihr wollt und was nicht. Ob euch dann jeder versteht, ist egal. Ihr habt es verdient. In diesm Sinne: Mut zur Selbstliebe. Alles wird gut.

Das Wechselmodell

Ich möchte euch heute das Wechselmodell vorstellen, mit all seinen Freuden und Leiden. Ich muss sagen, dass ich bis heute meinen Frieden damit noch NICHT wirklich gemacht habe und auch nicht erwarte, dass man uns als Eltern „dafür feiert“. Genauso dulde ich es aber auch nicht, unsachlich angegriffen zu werden, oder wenn mir vorgegaukelt wird, dass ich großartig die Wahl gehabt hätte, oder behauptet wird, dass wir unser Kind nicht lieben. Es ist erfahrungsgemäß fast unmöglich, wirklich ehrlich und sachlich mit ebenfalls getrennten Eltern über dieses Thema zu reden, da jeder hier sein Päckchen zu tragen hat und keiner mit sich selbst und der Situation bereits im Reinen ist, mich hier eingeschlossen. Das wirklich Schmerzhafte an meiner gescheiterten Ehe ist in der Tat (theatralisch gesprochen) das Leben, das meine Tochter nun führen muss. In meinem emotionalen, besorgten und von schlechtem Gewissen geplagten Mutterherz sehe ich sie vor mir, wie ständig von hier nach da springt und nirgends richtig ankommen kann. Ein Gedanke, der mich zerreißt. Die Realität ist aber offen gesagt glücklicherweise eine Andere. Wir haben als Eltern regelmäßig Gespräche mit dem Kindergarten und der Eindruck derer, die täglich viel Zeit mit unserem Kind verbringen, deckt sich glücklicherweise mit unserem eigenen Eindruck von unserer inzwischen viereinhalbjährigen Tochter: sie ist ein aufgewecktes, fröhliches Mädchen, das uns beiden mehr oder weniger offen erzählt, was es für Wünsche und Träume hat, dass es sich ärgert, dass Mama und Papa nicht mehr in einem Haus wohnen und es den jeweils anderen immer vermissen muss, wenn es bei einem Elternteil ist. Es erzählt uns, dass es will, dass Mama und Papa mit den jeweils neuen Lebenspartnern eine große Wohnung mit ihr zusammen beziehen. Das Positive hieran (auch laut Kindergarten): das Kind hat nicht das Gefühl, es kann nicht offen mit seinen Eltern über den anderen Elternteil reden. Es hat nicht das Gefühl, dass es nichts Gutes über den anderen Elternteil sagen darf, dass es sich auf eine Seite stellen muss, um Mama oder Papa zu gefallen. Meine Tochter sagt zum Beispiel offen zu mir, dass sie ihren Papa vermisst und gerade zu ihm will. Klar tut das weh. Aber ich tröste sie dann und sage ihr, sie sieht ihren Papa morgen wieder. Und dann ist gut. Das alles sind eigentlich gute Zeichen. Eigentlich. Sie hat natürlich auch ihre empfindlichen Eigenheiten, die jedes Trennungskind vermutlich hat. Sie reagiert extrem empfindlich, wenn man ihr sagt „nachher holt dich Papa wieder aus dem Kindergarten ab!“ und Papa erkrankt, oder umgekehrt Mama, und derselbe Elternteil steht um 17 Uhr wieder auf der Matte. Das hasst sie. Sie fühlt sich dann im Stich gelassen, von dem Elternteil, der nicht kam. Zu den Fakten: es gibt das sogenannte Residenzmodell. Hier liegt auch bei gemeinsamem Sorgerecht das sogenannte Aufenthaltsbestimmungsrecht (dort, wo das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat) faktisch gesehen bei einer Person, die andere hat ein regelmäßiges Umgangsrecht (meistens immer noch die Väter, die ihr Kind jedes zweite Wochenende dann abholen). In diesem Modell ist derjenige, bei dem das Kind nicht lebt kindesunterhaltspflichtig nach der sogenannten Düsseldorfer Tabelle. Dann gibt es noch das sogenannte Nestmodell, eine recht neue, meiner Meinung nach kaum umsetzbare Idee. Hier wird quasi eine dritte Wohnung angemietet, in welche sich die Elternteile immer abwechselnd mit dem Kind zurückziehen. Das Kind pendelt hier nicht, sondern die Eltern. Das Kind wird aber immer abwechselnd von den Eltern betreut, ebenso wie beim Wechselmodell. Die Idee kommt von der Fraktion, die der Meinung ist (verständlicherweise), dass ein Kind ein regelmäßiges Zuhause braucht und nicht pendeln sollte. Das Wechselmodell lässt umgekehrt das Kind pendeln. Die Eltern haben jeweils ein eingerichtetes Zuhause und betreuen ihr Kind beide. Die Vor-und Nachteile der einzelnen Modelle liegen auf der Hand: beim Residenzmodell ist der Elternteil mit dem Umgangsrecht aus dem Alltag des Kindes mehr oder minder raus. Mama (immer noch klassischerweise) ist Hauptbezugsperson, Papa ist Spassdaddy für jedes zweite Wochenende, oder noch seltener. Aus meiner beruflichen Erfahrung heraus (ich habe bis zur Geburt meiner Tochter als Rechtsanwältin im Familienrecht gearbeitet), haben die Väter zumeist einen riesen Druck, dass die Wochenenden, an denen sie ihr Kind sehen können und dürfen, ordentlich was geboten wird, haben das Gefühl, dass sie um die Liebe ihres Kindes kämpfen müssen, da sie es so selten sehen. Außerdem ensteht natürlich eine gewisse Entfremdung. Am Alltag nimmt der Elternteil mit Umgangsrecht nicht mehr Teil. Er baut sich naturgemäß außerdem auch sein eigenes Leben wieder auf. Manchmal passiert es leider auch, dass das Interesse sowohl vonseiten des Elternteils mit Umgangsrecht, als auch vonseiten des Kindes, was gemeinsame Treffen angeht, dann immer mehr schwindet. Die Bindung wird zunehmend schwächer. Der Vorteil bei diesem Modell ist: das Kind hat EIN festes Zuhause, eine Hauptbezugsperson und das wars. Viele Kinderpsychologen sind der Meinung, dass dies wichtig ist. Zum Nestmodell: auch hier hat das Kind ein Zuhause, dafür aber beide Eltern im Wechsel, die dort mit ihm leben. Das Kind erlebt die Situation hier eben einfach so, dass immer nur ein Elternteil anwesend ist, im Zuhause. Nachteile liegen auf der Hand: eine dritte Wohnung ist zu finanzieren, mitsamt Inventar. Ein extra Zuhause für das Kind muss bezahlt und bewirtschaftet werden, neben dem jeweiligen Zuhause der Eltern. Wers sich leisten kann…nun zum Wechselmodell: im wirklich klassischen Wechselmodell lebt das Kind jeweils im Haushalt der Eltern zu gleichen Teilen, aber auch bei einer geringeren Verteilung (60 zu 40 Prozent) geht man noch vom Wechselmodell aus. Die Kindesunterhaltsverpflichtung entfällt, da hier beide Elternteile das Kind aktiv im Haushalt leben haben. Nach neuerer Rechtsprechung besteht allerdings die Möglichkeit mithilfe einer Berechnungsmethode, die ein wenig an den Trennungsunterhalt erinnert, den stark mehr verdienenden Elternteil anteilig zur Kasse zu bitten. Aber wie gesagt nur anteilig. Das lohnt sich nur noch bei stark unterschiedlichem Verdienst. Umgekehrt müssen die Eltern sich die Kosten für Kleidung etc. natürlich immer fair aufteilen. Die Vorurteile gegenüber dem Wechselmodell sind lang. Klassischerweise hören auch wir, als Eltern, die dieses Modell praktizieren, häufiger Dinge wie „euer Kind muss ständig Koffer packen“, „ihr teilt euer Kind auf, wie einen Kuchen, ihr seid so egoistisch!“, „ihr habt beide kein Bock mehr auf euer Kind, deswegen macht ihr das!“.

Nun mal zu den Fakten:

Bei einem ernsthaft praktizierten Wechselmodell gibt es zwei komplett eingerichtete Haushalte, mit Kleidung, Spielzeug und einem eigenen Kinderzimmer. Das Kind pendelt zwar, aber es nimmt nichts, oder kaum etwas dabei mit, außer sich selbst. Unsere Tochter nimmt immer ein gewisses Kuscheltier mit von a nach b und ihre Lieblingstrinkflasche, die auch im Kindergarten nicht fehlen darf. Ab Schulalter wird ein wöchentlicher Wechsel vorgeschlagen. Sind die Kinder kleiner, so wie auch unsere Tochter, dann sollte der Wechsel kürzer ausfallen, da die Kinder es noch nicht schaffen, einen Elternteil so lange Zeit nicht zu sehen. Faktisch bedeutet das, dass jeder Elternteil erstmal etwas mehr in die Tasche greifen muss, als gewöhnlich. Denn auch die Wäsche pendelt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass viel Konfliktpotenzial da ist. Das Wechselmodell macht nur Sinn, wenn die Basis und die Bereitschaft für einen Austausch bezüglich der Entwicklung und dem persönlichen Eindruck, den jeder im Zusammensein mit seinem Kind gewinnt, besteht. Es kann Streit geben darüber, ob man wirklich eine zweite Winterjacke, oder ein zweites Paar Schuhe braucht, ob man hätte zum Arzt gehen sollen, oder nicht.

Wir praktizieren nun das Wechselmodell aktuell mit unserer vierjährigen Tochter so, dass sie unter der Woche Montag, Mittwoch und Freitag, sowie jedes zweite Wochenende bei mir, ihrer Mutter, lebt. Dienstags und Donnerstag, sowie jedes zweite Wochenende lebt sie bei ihrem Vater. Die Tochter nimmt das Modell sehr gut an und freut sich immer, den jeweils anderen wieder zu sehen. Die Bindung zum jeweiligen Elternteil ist anders, aber gleich stark. Dies war dem Kindesvater sehr wichtig. Als wir uns getrennt haben, war das Kind gerade knapp zwei Jahre alt und er hat mir verkündet, dass er „nicht nur Wochenenddaddy sein möchte.“ Ich konnte ihn schon damals verstehen, denn umgekehrt wäre das für mich auch nicht in Frage gekommen. Unsere Tochter hat auch eine sehr enge Bindung zu ihrem Vater. Ich war damals ratlos. Ich wusste, dass sie sehr darunter leiden würde, würde sie ihren Vater selten sehen und dachte mir damals, dass ich nicht das Recht als Mutter habe, ihr diese Zeit mit ihrem Vater zu nehmen, weil ich nicht auf sie verzichten möchte. Auch wusste ich aus eigener beruflicher Erfahrung, dass die Chancen dem Vater dieses Recht auf das Wechselmodell zu nehmen (denn ja ich hatte auch darüber nachgedacht), sehr gering wären. Er hatte einen guten Job als Vater gemacht, die Bindung zum Kind war eng. Wir leben in derselben Stadt. Es hätte kaum ein sachliches Argument dafür gegeben, dass das Kind im Alltag nur bei mir leben hätte dürfen und der Vater auf jedes zweite Wochenende vertröstet worden wäre. Für mich war das damals als Mama aber trotzdem sehr schwierig. Ich habe lange Zeit gebraucht, um mich daran zu gewöhnen von meinem Kind getrennt zu sein. Und bis heute fühlt sich die Situation manchmal so falsch an, ich habe ein so großes, schlechtes Gewissen, dass ich es kaum aushalte. Ich frage mich, wie das sein muss quasi täglich zu pendeln. Übereingekommen bin ich mit dem Kindesvater, dass wir uns einmal im Quartal zum Frühstück treffen. Es gibt Zeiten, so wie jetzt, in denen es schon holpert und wir viel streiten. Aber meistens können wir das in einem persönlichen Gespräch wieder bereinigen und das Austauschen über den Eindruck, den wir von unserer Tochter haben, wie sie das Pendeln verträgt, ist natürlich auch essentiell. Sicherlich werden wir jederzeit einlenken, wenn unsere Tochter aktiv auf uns zu kommt und sagt, dass sie das so nicht mehr will. Aber dann müsste sie wählen. Auch hiervor habe ich Angst. Was, wenn meine Tochter später mal zu ihrem Papa will? Der ist weniger streng, der ist immer geduldig. Das bin ich nicht. Ich schimpfe schon mal. Meine Tochter und ich sind uns sehr ähnlich. Wenn es ihr schlecht geht, will sie zu ihrer Mama. Aber bei uns fliegen auch mal die Fetzen, weil wir beide stur sind, wie Esel. Wir vertragen uns immer sofort wieder und drücken uns. Wir kuscheln jede Nacht. Aber wir zoffen auch. Schon jetzt habe ich also Angst vor später, Angst vor der Pubertät. Dass sie dann sagt: „Mensch Mama, ich hab kein Bock mehr auf unsere Zoffereien. Ich geh zum Papa, er ist entspannter.“ Was mich seit der Trennung ebenfalls massiv belastet ist das Gefühl zulasten der Tochter gescheitert zu sein. Weil man es selbst nicht ausgehalten hat, glücklich und respektvoll zusammen zu leben, muss das Kind nun solch einen Zirkus mitmachen. Dieses Gefühl steht der Selbstliebe sehr im Weg. Denn der Mensch, den man am meisten liebt auf der Welt, der hätte es besser haben können, hätte man selbst nicht so versagt. Die Tochter trägt jetzt die Konsequenzen. Etwas Positives über mich zu sagen, oder zu denken? Das ist schwierig für mich. Bis heute (zweieinhalb Jahre, fast drei Jahre später). Vom Kindergarten kommen dann immer tröstende Kommentare. Dass es schon richtig so war. Dass die Tochter ein fröhliches, aufgewecktes Kind sei. Dass sie aus ihrer pädagogischen Erfahrung heraus viele Kinder haben, die in zerrütteten Elternhäusern aufwachsen, mit viel Streit und wenig Zusammenhalt, in denen die Eltern sich aus den verschiedensten Gründen (fehlender Mut, der katholische Glaube, die finanzielle Seite usw.) nicht trennen. Dass diese Kinder weit aus mehr leiden, ein seltsames Familienbild, ein seltsames Bild darüber, was Liebe ist, bekommen. Dass es gut so für die Tochter war und dass sie das alles gut mitmacht, so glücklicher ist, als sie es sonst geworden wäre. Sachlich betrachtet weiß man, dass sie recht haben. Aber die Schuldgefühle, die bleiben. „Sie wäre glücklicher gewesen, hätte sie Mama und Papa in einer glücklichen Familie gehabt.“ sind die sich selbst anklagenden Gedanken, die man hat.

Das Dritte, was mir persönlich sehr zu schaffen macht, ist die Unfähigkeit mit irgendwem darüber wirklich sachlich zu reden. Jeder, der sich getrennt hat, hat so seine Zweifel, ob das für das Kind gewählte Modell das Richtige ist, so glaube ich. Insgeheim beneiden wir uns dann alle gegenseitig. Von wie vielen Müttern werde ich angegriffen, wenn ich sage, dass meine Tochter auch bei ihrem Vater lebt. Dass ich ja sicher glücklich bin, soviel Zeit für mich zu haben. Dass ich super egoistisch bin. Dass mein Kind arm ist, dass es nicht immer bei seiner Mama ist. Ich frage mich insgeheim, ob das nicht oft Mütter sind, bei welchen der Kindesvater gar nicht mehr als „Wochenenddaddy“ sein wollte. Mütter, die, völlig allein gelassen, sich an ihr Kind klammern und dennoch insgeheim neidisch sind. Neidisch darauf, dass ich Zeit für mich hab. Ob ich sie wollte, oder nicht. Zeit für Hobbies, für mein eigenes Leben, für eine neue Partnerschaft. Einen neuen Versuch, glücklich zu werden? Wie viele dieser Mütter haben sich gefragt, ob ich diese Zeit überhaupt wollte, ob ich sie mir so sehr in meinem grenzenlosen Egoismus erkämpft hab, wie sie denken? Ich kann sie förmlich sehen, die Schublade, in die ich während einer Unterhaltung sofort gesteckt werde. Zum Beispiel von Kinderärzten, wenn ich getrennte „Kind-Krank-Bescheinigungen“ verlange, weil natürlich auch der Papa das kranke Kind betreut. Wir arbeiten schließlich beide Vollzeit. Während der Tochter das in den allermeisten Fällen verdammt egal ist, sie sogar fragt, wann der andere Elternteil sie abholt, weil sie ihn vermisst, schimpfen alle entsetzt. „Was, ihr lasst das ARME KIND auch krank pendeln? Wie traurig ist das denn?!“ Doch die Tochter will nicht nur die Hühnerbrühe von Mama. Wenn die Zeit gekommen ist, für den Wechsel, an den sie sich so sehr gewöhnt hat, will sie eben auch die Nudeln mit ein ganz klein wenig Butter von Papa, wenn der Bauch weh tut. Sie will uns beide. Immer abwechselnd. Egal in welchem Zustand. Es ist faktisch nicht möglich mit jemandem darüber zu reden. Die Übermütter verurteilen die Wechselmütter auf Teufel komm raus. Die Väter, die „Wochenenddaddys“ sind, wehren sich ebenfalls sofort. „Ein Kind gehört zur Mutter. Ich hab aus Selbstlosigkeit auf meins verzichtet und sehe es nur am Wochenende!“ Das ist die eine Variante. War es Selbstlosigkeit? Oder war es auch Bequemlichkeit? Vielleicht ist man ja wegen einer anderen Frau gegangen. Oder um möglichst schnell eine kennen zulernen. Das geht ohne Kind an der Seite einfacher. Doch wer hält sich schon gern den Spiegel der Realität vor? Die anderen Väter sind die, die den Mut nicht hatten, den mein Exmann hatte. Auch die ärgern sich und schlagen um sich. Die Mütter und Väter, die noch im Familienverbund leben (vielleicht häufig unglücklicher, als sie es sein wollen), die schimpfen noch mehr über die Mütter und Väter, die getrennt sind und das Kind pendeln lassen. „Diese modernen Familien, die nichts mehr aushalten! Ein Kind braucht Mutter und Vater. Die jungen Leute heute hauen immer gleich ab, wenns zu Hause nicht mehr spannend ist. Als ob wir das damals gemacht haben!“ Tja. Warum hat Frau es damals nicht gemacht? Das frage ich mich heimlich. Sicher nicht immer, weil es so schön war zu Hause. Oft aus finanziellen Gründen vermutlich. Und sicher ist das heute bei vielen Familien auch noch so.

Was bedeutet das am Ende eigentlich alles? Für mich konkret bedeutet es gerade, dass ich mir immer noch das eigene Scheitern nicht verziehen habe. Dass ich das Wechselmodell schlecht wirklich überzeugend verteidigen kann, weil auch ich darüber nachdenke, ob es gut für meine Tochter ist. Dass ich sehr oft sehr frustriert, schlecht gelaunt, traurig und wütend bin, weil ich seit der Trennung noch keine gute Antwort auf die Frage gefunden habe, WAS nun für meine Tochter gut, oder besser gewesen wäre. Ich habe immer nur festgestellt, dass es viele, gleich beschissene Alternativen für sie gibt und ich hasse mich dafür, ihr keinen Ausweg liefern zu können. Ich werde schnell sehr aggressiv, wenn Kommentare, oder irgendwelche Vorurteile gegen mich laut werden. Ich schäme mich, dass ich es nach zwei Jahren an den Dienstagen und Donnerstagen geschafft habe, mir Hobbies, Beschäftigungen und andere Dinge zu suchen und diese manchmal genieße. Dass ich es tatsächlich genieße „freie Abende“ mit meinem neuen Lebenspartner zu haben, auch wenn dieser mein Kind natürlich zu 100 Prozent zu akzeptieren und zu lieben gelernt hat. Oft denke ich direkt im Anschluss an einen positiven Gedanken „So soll das alles nicht sein. So hätte das alles nie passieren dürfen.“ Ich hoffe sehr, dass sich das für mich irgendwann wieder ändert.

Und für die, die sich gerade trennen, oder frisch getrennt haben, ob Mama oder Papa: ihr habt das Recht auf ein Wechselmodell. Es kann für das Kind eine mögliche Alternative sein. Aber ihr müsst bereit sein, miteinander zu reden, nur dann macht es Sinn. Pausenlose Zofferei, weil ihr ständig zusammen Entscheidungen treffen können müsst, bringt niemandem was, am wenigsten dem Kind. Ihr müsst immer auf euer Kind achten, in engem Austausch mit Kindergärten und später Schulen stehen. Aktiv die Einrichtungen auf deren persönlichen Eindruck ansprechen, euch euer Kind anschauen. Dann KANN es eine Alternative, zu den anderen Alternativen sein. Lasst es euch nicht per se schlecht reden. Dieses schlecht reden kommt meistens von Leuten, die ihre eigenen Baustellen noch nicht verarbeitet haben, Die euch immer auch dafür verurteilen, weil sie mit ihrem eigenen Weg (unglückliche Ehe, Wochenendpapa, Vollzeitmama…), den sie gewählt haben, insgeheim nicht zufrieden waren, zufrieden sind und niemals zufrieden sein werden. In diesem Sinne…viel Glück!

Montagswut

Montag, du blöder fieser Tag,

wunderst dich echt, dass dich keiner mag?

Stehst am Anfang der Woche, ganz früh und laut,

hast jedem das lange Schlafen versaut.

Niemand hat Bock zur Arbeit zu gehen,

lieber Montag auch du musst das doch verstehen?!

Wir alle würden viel lieber ratzen,

auf unseren coolen und schönen Matratzen.

Doch zu früh jagst du uns hinaus in die Welt,

fragst nichtmal, ob uns das auch gefällt.

Und draußen ists ab heute noch kalt.

Montag, du bist doch voll durchgeknallt!!

So bleibt uns nix übrig als aufzustehn‘

und wie immer ganz brav zur Arbeit zu gehen.

Irgendwann kommen wir nach Hause zurück

und auch das ist nicht sicher, sondern ein großes Glück.

Lasst uns deshalb auch montags mal dankbar sein.

Und wenn der Tag zu scheiße wird, gibts abends halt Wein.

Guten Wochenstart! 😀