Die selbsternannte Therapeutin, leider keine Gute. ;)

Kennt ihr das? Ihr wollt der ganzen Welt helfen? Ihr bildet euch ein, gut darin zu sein? Ihr wollt nur das Beste für die Menschen, die ihr liebt? Ihr glaubt, ihr könnt Dinge fixen, Streitigkeiten zwischen Anderen schlichten, die Dinge von außen kontrollieren, sodass es am Ende allen besser geht? Ihr glaubt, ihr habt die Kontrolle, die Zügel in der Hand? Das Problem ist, ihr habt garnicht gefragt. Ob man eure Hilfe will. Und ihr habt euch auch nicht gefragt, ob ihr in eurer selbsternannten Passion so spitze seid, wie ihr denkt. Bis man es euch vor Augen führt. Denn auf das Leben ist verlass. Das Leben hält sicherlich viele Überraschungen und Gründe zur Freude bereit. Doch manchmal bietet es auch Raum für Schmerz und Enttäuschung. Manchmal haut es euch euer Helfersyndrom auch einfach nur um die Ohren, hält euch den Spiegel des Versagens vor die Nase und zeigt euch, dass ihr nichts gut und richtig, dafür aber nahezu alles falsch gemacht habt. Manchmal meint man es wirklich nur gut und wird dann von denen angegangen, denen man den Rücken stärken wollte. Plötzlich ist man der Böse in der Geschichte, für Vieles verantwortlich, wofür man nicht verantwortlich gemacht werden sollte und ein Stück Loyalität, von dem man glaubte, dass man sich dieser Loyalität sicher sein kann, bricht weg und macht Platz für Spott und Beschimpfungen desjenigen Menschen, um den sich das eigene Universum vielleicht etwas mehr gedreht hat, als es sich hätte drehen sollen? Kommt euch das bekannt vor? Wie sehr ist euch denn die Baustelle, die ihr versucht zu fixen, für eure Versuche dankbar? Sagt sie danke, oder ist sie doch eher euer schärfster Kritiker? Hat man vielleicht Andere, denen gegenüber man schon rechtlich und auch emotional verantwortlich ist, dafür vernachlässigt? Man hätte sich einsetzen sollen und müssen, beschützen sollen und müssen. Stattdessen wollte man denen gefallen, die einen, wie man lernen musste, sowieso nicht mögen und sich höchstens noch lustig machen, denen man am Ende des Tages aber bestenfalls gleichgültig ist und die einfach das tun, was sie tun wollen, weil sie wissen, dass die Person, die andere Vorstellungen hat, am Ende nur Durchgangsverkehr sein wird und keine einschneidene Bedeutung für alle Beteiligten haben wird. Am Ende des Tages hat man weder besonders viel Selbstwertgefühl, noch ist man glücklich. Vor allem ist man traurig und schämt sich. Man hat alles falsch gemacht und es ist einem sehr peinlich. Man hätte ohne Rücksicht auf Verluste das tun sollen, was die eigene Pflicht gewesen wäre, stattdessen wollte man die Welt der Menschen retten, die nur ihre Ruhe haben wollen. Aus der Gefühlswelt von Menschen verbannt zu werden, die einem nah stehen, oder nahe standen, ist nicht nur verstörend, sondern auch traumatisierend und verletzend. Denn man kann dabei nur versagen. Und dann hat ja jeder so seine ganz eigene Realität, wie sich gewisse Dinge abgespielt haben. Wer weiß schon, wie es „wirklich“ war. Ich für mich hoffe meine Lösung zu finden und meine Lehren daraus zu ziehen. Man kann niemandem helfen, der mit dem Kopf woanders ist und andere Prioritäten, Realitäten und Ideale hat, als man selbst. Man kann niemandem helfen, der die Schuld immer bei der Person sucht, die alles für einen tut und nur das Beste will. Die Frage ist, warum sucht man sich überhaupt solche Personen? Warum will man verlorene Seelen retten, die garnicht gerettet werden wollen? Warum will man so sehr jedem helfen? Und wenn man denn am Ende mehr Belastung, als Hilfe für den Anderen war, so gehört dennoch nochmal besonders viel passive Aggression auf der Gegenseite dazu, denjenigen auch noch zu verspotten und zu beschimpfen für die schief gelaufene Hilfsaktion, für die Dummheit, für Schwierigkeiten, die man in den Augen des Anderen macht. Wie ist das bei euren Kandidaten so? Sind die dankbar? Sehen sie, was ihr alles tut, oder nicht tut, um Probleme zu vermeiden, den Frieden zu wahren? Wie ihr Termine, Ausflüge und Treffen organisiert? Geschenke besorgt, nette Sprüche foemuliert, um Bindungen aufrecht zu erhalten, weil ihr glaubt, es ist euer Part? Habt ihr mal überlegt, dass ihr nicht Teil der Bindung seid, dass ihr nicht dazu gehört? Dass es euch nichts angeht? „Niemand hat dich um deine Hilfe gebeten!“ Das tur weh, aber ist vermutlich wahr. Wenigstens die Intention des Anderen, dass er nur Gutes für einen selbst wollte, könnte man honorieren. Tun aber gerade solche Menschen häufig nicht. Ich für meinen Teil habe mir vorgenommen, mein Helfersyndrom in den Griff zu bekommen. Denn Fazit ist, man kann die Liebe und Zuneigung, das Gefühl einen guten Job getan zu haben, nicht von jemandem geschenkt bekommen, der nicht kommunizieren kann, was er will und braucht (vermutlich weil er es selbst nicht weiß), der viele Kämpfe mit sich selbst auszufechten hat und der mit sich selbst nicht zufrieden ist. Widmet euch den Menschen, die euere Intention und eure Liebe sehen und spüren, die euch mit liebenden Augen sehen und einfach nur wissen, dass ihr nur das Beste für sie wollt. Passt auf euch auf und befreit euch von eurem Helfersyndrom. Es wird euch ohnehin niemand danken! Aber es gibt sie, die Menschen, die euch wirklich lieben und schon ungeduldig und geduldig darauf warten, bis ihr neben all eurer Beschäftigungen mal wieder Zeit habt für sie. Nimmt euch die Zeit. 🙂 Alles Liebe!

Das besondere Fenster (der Erkenntnis)

Kennt ihr das? Der Alltag hat euch eingeholt, es ist generell eine stressige Zeit und on top kommt noch die Tatsache, dass ihr wegen ein paar Dingen, die in den letzten zwei Jahren passiert sind, mit euch selbst noch nicht so im Reinen seid? Bei mir ist bzw. war das so. Ich bin zeitweise schon sowas von genervt von mir selbst, weil ich mich frage, wie lange man mit etwas bitte nicht klarkommen kann. Meine Scheidung findet kommenden Dienstag statt, räumlich getrennt bin ich seit etwas über zwei Jahren, innerhalb der Wohnung getrennt fast nochmal ein halbes Jahr länger. Und dennoch plagen mich die Schuldgefühle gegenüber der Tochter, dass es nicht geklappt hat mit Mama und Papa unter einem Dach. Immernoch. Und ich empfinde inzwischen vor mir selbst schon soviel Genervtheit deswegen, dass ich mich schon länger nicht mehr traue, mit jemandem darüber zu reden. Am vergangenen Donnerstag kam noch ein weiteres Gefühl hinzu, das ich vielleicht bisher versucht habe zu verdrängen. Ich habe mich auf eine Reise nach Porto mit meinem Lebensgefährten vorbereitet und gepackt. Ein verlängertes Wochenende bis einschließlich morgen. Mein Lebensgefährte war noch aus, der Tag auf der Arbeit war sehr anstrengend und ich hab mich irgendwie ziemlich alleine gefühlt. Ich hab sämtliche Wäsche gefaltet, die mal wieder in den Körber auf meinen Auftritt gewartet hat (ich hoffe das geht nicht nur mir so) und dabei das passende Zeug für Porto rausgesucht. Ich faltete ein Paar kleine Handschuhe von meiner Tochter. Und da überkam es mich. Ich hab geheult und geheult, die Handschuhe an mich gedrückt und sie, die Tochter, so sehr vermisst. Und mir ist mit einem Mal mit aller Deutlichkeit klargeworden, dass sich das nicht mehr ändern wird. Wie vielleicht einige bereits mitbekommen haben, lebt meine Tochter im sogenannten Wechselmodell. Sie wächst also im Haushalt des Vaters und der Mutter zu gleichen Teilen auf. Sie hat dort jeweils ein Kinderzimmer, ihr Spielzeug und ihre Rituale. Sie vermisst den fehlenden Elternteil zeitweise und sagt das auch offen, wenn sie getröstet werden will. Aber insgesamt ist sie eine recht glückliche Vierjährige. Nun war sie bei Papa. Und mit der Zeit haben sowohl Papa, als auch ich, gelernt, uns in der Zeit der Abwesenheit der Tochter abzulenken. Wir haben beide neue Lebenspartner. Also wird vielleicht ab und zu verreist, einfach relaxed, oder auch mal vieles erledigt. Doch so recht verstanden wie sehr mir das dann doch was ausmacht, dass ich meine einzige Tochter (und das wird sie auch bleiben, das weiß ich leider auch) nur die Hälfte der Zeit sehe, das habe ich erst letzten Donnerstag begriffen. Mich hats zerrissen, ich hab die ganze Wohnung unter Wasser gesetzt und die Tatsache, dass es aus diesem Alptraum kein Ende geben wird, dass ich sie also IMMER NUR 50 Prozent sehen werde und irgendwann kaum noch, wenn sie erwachsen ist, die hat mich fast hysterisch werden lassen. Mir gings also nicht gut. Der Freund hats abbekommen, als er nach Hause kam und wir haben gepackt und sind am nächsten Tag irgendwann los. Ich bin gesundheitlich leider nicht ganz fit und Stress führt dazu, dass sich die Beschwerden dann verschlimmern. Also hatte ich die ersten Tage Magenschmerzen und andere Reisebegleiter und musste die Pharmaindustrie reichlich bereichern. Und dann eines Abends kamen wir nach Hause, nachdem wir die Sehenswürdigkeiten der Stadt abgeklappert hatten, und ich sah es: dieses Fenster, das ich unten abgebildet hab. Das Apartement ist ein ganz Einfaches. So mögen wirs. Kein Schnickschnack. Kein Waschbecken für 10.000 Euro und dieses eine ganz besondere Geschirr von schieß mich tot für 2000 Euro und auch wie toll ist das denn, dass wir uns sowas gönnen? Sondern einfach nur einfach. Um runterzukommen. Porto ist ehemals eine Fischerstadt gewesen. Viele alte Steinbauten direkt am Fluss. So richtig beliebt geworden und zur regelrechten „in-Stadt“ wurde sie erst in den letzten Jahren. Verständlich, denn es steht ein tolles altes Haus neben dem anderen, die Stadt liegt am Fluss, traumhaftes Wetter und der Ozean auch nur eine 20 minütige Busfahrt entfernt. Wir haben ein Apartment mit Elektroheizungen und die Steinbauten wurden nur so viel wie nötig ausgebessert, dass es halbwegs dicht ist und nicht reinregnet. Sonst hat man dem alten Flair nichts genommen. Die alten Holzläden haben wir im Schlafzimmer offen gelassen, bevor wir losgezogen sind. Als wir zurückgekommen sind, hat plötzlich dieses schöne warme Licht der Leuchte aus der Gasse vorm Fenster in unser Zimmer geschienen und den ganzen Raum in ein total tolles, warmes Licht getaucht. Ich hab mich ins Bett gelümmelt, Tee getrunken und nach draußen geschaut. Ein wenig gedöst und wurde zum ersten Mal in den letzten Tagen wieder ruhig und zufrieden. Ich hab verstanden, dass alles so gekommen ist, wie es eben gekommen ist. Ich bin kein Freund von Schicksal und glaube auch nicht an Gott. Aber die Sache ist durch. Es ist über zwei Jahre her und eben passiert. Und ich werde als Mutter mein Kind immer vermissen und vermutlich auch immer traurig sein, sie „teilen“ zu müssen. Aber ich bin auch dankbar dafür, dass sie bei beiden groß werden darf, dass sie zu Papa und zu Mama gehen darf und, so wurde mir gesagt, dass es ein gutes Zeichen ist, dass sie sich traut uns zu sagen, wenn sie den jeweils anderen vermisst. Wir reden nie schlecht übereinander vor ihr und sie bekommt von unseren zeitweise stattfindenden Streitigkeiten über Geld, oder Erziehungsmethoden nichts mit. Wir treffen uns dann immer alleine zum Frühstück um einen Konsens zu finden, wenns anstrengend wird, fernab von der Tochter. Sie erzählt mir begeistert, wenn sie mit Papa jemanden besucht hat, oder zum klettern gegangen ist und ich freue mich mit ihr. Ich bastle auch mit ihr ein Geschenk für die neue Frau an Papas Seite und die neue Frau tut das ebenso. Insofern…es ist wie es ist und wir machen alle das Beste daraus. Ich kann entweder immer weinen, wenn meine Tochter weg ist, oder öfter solche Reisen zu besonderen Fenstern der Erkenntnis machen, in dieser Zeit. Ich glaube ich hab mich für Letzteres entschieden. 🙂 Tschüss Porto. 🙂

Über den Wolken…muss die Freiheit gar grenzenlos sein.

Ich sende jetzt mal einen Hilfeschrei hinaus in die virtuelle Welt und weiß nicht mal, was genau ich mir für mich selbst und für alle anderen da draußen wünsche. Dass ich kein feedback bekomme, oder dass es jemandem so geht, wie mir die letzten Tage. Heute ist es eskaliert. Im Auto habe ich meine Tochter so dermaßen zusammen geschrien und von der verbalen Entgleisung, dass ich sie am Straßenrand absetze und jmd. Anderes sie mitnehmen und großziehen darf, bis hin zu der Todsünde, dass ich sie bei ihrem Vater absetze und sie nie wieder zu mir zu kommen braucht, war alles dabei. Und sie hat geweint und zwar sehr. Und ich hab mich gehasst und zwar ebenfalls sehr. Die Woche ist die Hölle. Bin ich die Einzige, der es so geht? Meine Herren, habt ihr glückliche ausgeglichene Kinder zu Hause, spielt ihr den ganzen Tag Familienspiele und habt euch lieb? Ich liebe meine Tochter. Mehr als alles andere auf der Welt. Aber seit ca. 3 Tagen ist sie zum abgewöhnen, man kann es nicht beschönigend ausdrücken. Sie macht nicht mit, blockiert, ist vorlaut, unverschämt und frech. Ich erkenne mein Kind kaum noch und frage mich, was zum Teufel mit meiner Tochter los ist. Sie schreit rum, ist total übermütig und zappelig auf der einen Seite und träge und quengelig auf der anderen Seite. Es ist so nervig, es macht einfach keinen Spaß und diese dreisten, frechen Sprüche und das provokante Grinsen, wenn ich sie um was bitte und sie macht weiter und ignoriert mich, machen mich fertig und überfordern mich. Ich schimpfe, bin gereizt. Was ist mit meinem Kind, was ist mit uns passiert? Das sollte Urlaub werden, zusammen spielen, entspannen, glücklich sein. Stattdessen war sie direkt zu Anfang der Woche mal wieder richtig krank und den 01.01.2019 haben wir mit 41 Grad Fieber in der Kinderklinik verbracht. Bis auf heute konnten wir also kaum raus, fieberfrei ist sie seit gestern. Sie muss zu Hause sitzen, ohne ihre Kindergartenfreunde, hat im Gegensatz zu sonst extreme Probleme sich selbst zu beschäftigen. Klar, vielleicht ist sie einfach noch nicht richtig fit. Ich spiele natürlich mit ihr, aber die Art, wie extrem sie klammert und 24/7 Aufmerksamkeit und Zuwendung will, überfordert mich schlichtweg. Sie ist fies zu meinem Freund, die beiden haben die letzten beiden Tage kaum zusammen gespielt, da sie mit ihrer provokanten Art nur drauf aus ist, jeden zur Weißglut zu bringen. Wir können uns kaum unterhalten, sie kommt sofort angerannt, brüllt dazwischen.

Wird sie irgendwann angebrüllt, weint sie. Man soll Kinder lieben, wenn sie es am wenigsten verdienen, denn sind sie wütend und sauer, zickig und gemein, dann brauchen sie wie jeder Mensch auf der Welt die Liebe am meisten. Ich weiß das alles. Und doch gerate ich die letzten Tage an meine Grenzen. Das Wetter ist ein kalter Haufen Sch…und es ist ne Qual vor die Tür zu gehen. Nichts kann man machen. Ich selbst finde kaum Motivation mich zu beschäftigen. Wie konnte ich dann heute so streng zu meinem Kind sein? Ich hab mich natürlich entschuldigt, ihr erklärt, dass ich nicht weiß, warum sie so drauf ist und dass ich langsam Angst hab, dass mir demnächst irgendwann mal die Hand ausrutscht. Ob ihr der Kindergarten, der Turnraum fehlt? Ob sie Papa vermisst? Alles mit ja beantwortet. Warum sie nichts von dem tut, worum ich sie bitte. Warum sie anfängt zu lachen und sagt „nein, mach ich nicht.“ Schulterzucken. Sie mag es nicht, wenn ich schimpfe, dann ist sie traurig. Das hat sie nochmal betont. Einsicht hat sie aber nicht, oder Verständnis, dass ihr Verhalten eine solche Reaktion nach sich zieht. Und ich bin wirklich sehr enttäuscht. Ich hab mich auf diese Woche gefreut. Stattdessen freue ich mich fast schon wieder aufs Arbeiten. Und ich fühle mich wie die größte Rabenmutter der Welt. Nichts ist so wie es sein soll. Wir sind alle genervt voneinander und ich schäme mich fast für mein Kind, frage mich, ob ich sie schlecht erzogen hab und hab gleichzeitig Angst, dass sie jetzt irgendeine hyperaktive Störung entwickelt. Woher kommt dieses Verhalten? Ist was passiert, hab ich was übersehen? Zwischen Sorgen, Ängsten und Vorwürfen gefangen, sitze ich also hier und denke mir resignierend und müde: „Morgen is Sonntag. Nur noch zwei Tage…“ Wie traurig.

Wenn das eigene Kind krank ist…

Geht’s eigentlich nur mir so, dass ich so verdammt mit leide, wenn meine Tochter krank ist? Zumindest aktuell sollte ich mich langsam fast daran gewöhnt haben und dennoch habe ich mich heute Nacht vor Panik fast ohnmächtig am Boden liegend gesehen, während ich den Spuckeimer meiner Tochter ausspülen wollte. Warum? Weil ich mir einbildete, Blut im Erbrochenen gesehen zu haben. Oder vielleicht auch, weil wir seit 22 Uhr versucht haben zu schlafen und sie dank 41 Grad Fieber, das sich auch mit Medikamenten kaum runter kühlen ließ, halluziniert hatte und sich selbst und mich so immer wieder alle paar Minuten aus dem Schlaf gerissen hatte. Schreiend, brüllend und schimpfend und ich jedes Mal dem Herzinfarkt nahe. Die Zeit wollte einfach nicht voranschreiten, die Nacht nicht vorübergehen. Und ich war so verdammt müde und den Tränen der Verzweiflung nahe.

Warum kann man nicht sachlich bleiben? Hohes Fieber ist doof, ja. Aber so lange sie noch die Kraft hat so zu brüllen und brav trinkt, wird sie es aller Voraussicht nach überleben. Das wäre ein sachlicher Gedanke gewesen. Doch das eigene Mutterherz verhindert scheinbar zumindest bei mir, dass man so denkt. Immer wieder steigt Panik in einem auf. Das Kind redete von merkwürdigen bösen Autos mit großen Augen, die im Zimmer herumfahren und die auf Mamas Schulter sitzen würden. Um 3 Uhr nachts flehte ich meine Tochter dann trotz allem leicht genervt an:

„Bitte hör endlich auf ohne Unterbrechung zu reden, ich kann nicht mehr. Es ist mitten in der Nacht. Versuch doch wenigstens zur Ruhe zu kommen. Schließ einfach deine Augen und versuche dich zu erholen und zu beruhigen.“

„Ich kann nicht schlafen Mama, weil wenn ich meine Augen schließe kommen sofort diese verrückten schnellen Bilder von all den Sachen. Siehst du das denn nicht? Warum sind diese gruseligen Autos im Zimmer. Ich will hier nicht bleiben.“

„Oh mann, was redet das Kind? Das ist nicht gut…das ist nicht gut!“

Und da war sie wieder, die Panik. Selbst als endlich ein Zäpfchen angeschlagen hatte und plötzlich ein patschnasses Kind mit 37 Grad Körpertemperatur, sich unwohl fühlend wegen der ganzen Nässe, neben einem aufgewacht und dann nach der großen Putze- und Spuckerei endlich erschöpft eingeschlafen war, lag ich daneben noch wach und hab auf eine alberne Art und Weise Wache gehalten. Atmete die Tochter regelmäßig? Spuckte sie vielleicht gleich wieder?

„Um Himmels Willen, nachher werd´ ich noch angespuckt, wenn ich nicht vorbereitet bin.“

Das ist die leidvolle Erfahrung, die aus den eigenen Gedanken spricht. Schön, wenn´s anders wäre. Ist es aber nicht.

Haben die Väter das eigentlich auch, frag ich mich müde? Leiden die auch so mit? Oder nehmen die es doch irgendwie gelassener?

Ich hoffe jedenfalls wirklich, dass unsere DauerkrankwirnehmenallesmitwasgehtausdemKindergartenundüberhaupt-Phase jetzt nach einem harten Jahre 2018 bald mal endet. Denn meine Nerven sind so langsam echt am Ende.

Ich lausche nun einen Tag später alle paar Minuten ungläubig dem momentan still schlafenden Zwerg nebenan, der ohne Medikamente mit nur noch 38.5 Temperatur eingeschlafen ist. Zu einfach erscheint mir das. Wir werden sehen, was die Nacht bringt. Düstere Vorahnungen planen mich.

 

Still und heimlich…

Alles von Bedeutung passiert still und heimlich.

Nichts Wichtiges zerbricht schrill und laut.

Und ist einem der Lärm und der Streit auch peinlich,

erst wenns ruhig wird, ists wirklich versaut.

Schönes verschwindet lautlos,

Trauer ummantelt still,

Beziehungen zerbreche leise,

auch wenn es keiner will.

Menschen gehen nie plötzlich, aber irgendwann,

einfach weil vieles passiert und man nicht mehr kann.

Alles von Bedeutung passiert still und heimlich.

Die Frau im Spiegel

Die Frau im Spiegel war nicht dieselbe, die sie einmal war.

Die Frau im Spiegel sah die Dinge meist nicht mehr klar.

Die Frau im Spiegel sah alles durch den Schleier der Trauer.

Die Frau im Spiegel baute um sich herum eine Mauer. 

Die Frau im Spiegel war die, die Welt hatte verbannt,

da keiner auf der Welt sie mehr verstand.

Die Frau im Spiegel war die, die sich selbst so sehr hasste,

weil sie wusste, dass sie zu nichts und niemandem mehr passte.

Die Frau im Spiegel war die, die von den Männern gefunden worden war.

Und seitdem war die Frau, sie war gar nicht mehr da.

Die Männer waren gekommen und hatten sie zerstört.

Die Frau im Spiegel war gegangen und niemand hatte es gehört.

Die Männer waren groß gewesen, schwer und gemein,

und ihr Schrei damals, der ging sicher durch Mark und Bein.

Doch niemand war gekommen und hatte sie gerettet.

Die Nacht war dunkel gewesen, der Park in Nebel eingebettet.

Die rote Farbe auf dem weißen Schnee, 

die Erniedrigung war groß, die Wunden taten weh.

Die körperlichen Wunden, sie waren schnell verheilt,

doch die Seele war kaputt, das Herz, es war zerteilt.

Die Frau im Spiegel blickte müde hinaus in die Welt,

und betete ganz heimlich, dass der Schleier wieder fällt. 

Der Schleier des Grauens, der Angst und der Trauer,

die Hoffnung die zersplittern ließ die große, feste Mauer.

Die Frau im Spiegel murmelte sarkastisch:

„Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Der Rest war eh schon tot.

 

 

Du hast den Begriff Liebe neu definiert und ich danke dir auf ewig dafür!

Mein geliebtes Kind,

als ich den positiven Schwangerschaftstest in meinen Händen hielt, musste ich ein wenig erstaunt lachen, denn das war ja doch sehr schnell gegangen. Ich hatte keine Ahnung, was es bedeuten würde schwanger zu sein, mit dir. Und so hast du in weiser Voraussicht mir neun Monate Zeit gelassen, es zu verstehen und zu lernen, wie es ist, wie es sich anfühlt, wenn neues Leben in einem entsteht. Das erste Mal als ich dich plötzlich gespürt habe, habe ich mich erschrocken. Es war so verrückt, wie wenn ein durchgeknallter Schmetterling im Bauch wohnt und ich hatte kurz irgendwie Panik. Dann begann ich es lustig zu finden und je mehr du gewachsen bist und immer mehr zu einem Menschen wurdest, desto schöner war es, wenn du aufgewacht bist und dich bemerkbar gemacht hast. Es war schön nie mehr, nichtmal für eine Sekunde, alleine zu sein. Wenn ich mich erschrocken hab, hast du es auch getan und wild gezappelt, wenn ich mich gefreut hab, warst du die Erste, die sofort mit Luftsprünge gemacht hat. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und auch hier hast du mich perfekt auf die erste Zeit mit dir vorbereitet, in der ich auch kaum eine Sekunde allein sein konnte. Als du auf die Welt kamst, hast dir soviel Zeit gelassen, wie du wolltest und danach erstmal deinem Ärger lautstark Luft gemacht, wie heute auch noch. Ich werde nie vergessen, wie gut du gerochen hast. Nach den leckersten Gummibärchen der Welt. Du warst sofort hellwach und sehr aktiv. Du warst so aktiv, dass du die Wickelunterlage nach vier Monaten vor Freude kaputt gestrampelt hast, was mir niemand geglaubt hat. Ich habe heute noch immer das Gefühl, dass ich vor dir nur auf Sparflamme gelebt habe. Die Tiefe der Emotionen, die möglich ist, die habe ich erst durch dich gelernt. Du hast den Begriff Liebe neu definiert. Was ich vorher für Liebe gehalten habe, war nichts dagegen, was ich seit dir fühle. Wegen dir fühle ich alles echter und anders. Du bringst mich sooft zum lachen, egal ob ich gerade traurig, oder enttäuscht bin. Die Art wie du die Welt siehst, gibt mir in schwachen Momenten stets Hoffnung und deine Existenz immer die Kraft, die ich zum weitermachen brauche. Du hast alle Gefühle der Welt neu definiert und ich danke dir dafür auf ewig. Du bist meine große Liebe, mein Kind. Deine Mama