Ich bin zurück

Ich fange sie ein, diese Augenblicke.

Ich präge sie mir ein, ich versuche zu verinnerlichen, niemals zu vergessen.

Denn sie sind Nahrung für die anderen Zeiten, welche zahlreich vorhanden sind.

Ich liebe es, sie zu sehen, diese kleinen Grübchen um meine Wangen, wenn ich lache, oder wenn ich lächle.

Während ich früher stets darauf bedacht war, nicht ungünstig dabei auszusehen, so will ich es heute einfach nur sehen: mein Lachen, mein Lächeln, mein Glücklichsein.

Ich liebe es.

Ich will eskalieren vor Glück, wieder verrückt sein, andere mit meiner Lebensfreude anstecken.

Ohne jeglichen Zwang, aus dem Moment heraus, will ich lachen wie verrückt, will ich mich wieder öfter lächeln sehen, wenn ich in den Spiegel schaue.

Ich vermisse mich.

Ich will sie endlich für immer verschließen, diese Tür zu diesem Raum in meinem Bewusstsein.

Ich will ihn vergessen, diesen Raum, diesen Ort, diese Zeit.

Die Worte, die Taten und die Fehler.

Er soll verschwinden, der Autopilot meiner Gedanken, hinfort in die Nacht, dort wo er hingehört und weit weg von mir.

Ich will wieder selbst ans Steuer, die Kontrolle über mich wieder erlangen, mich in den Arm nehmen und sagen:

„Alles ist wieder gut, ich bin zurück.“

Die Realität ist verzerrt, hör endlich auf zu denken!

Ich habe lange überlegt, ob ich es mit euch teilen soll. Ich bin, gemessen an dem was mir in den letzten 2 Jahren passiert ist, ein stabiler und wie ich finde, starker Mensch. Ich glaube mir ist das auch wichtig, dieses Bild von mir zu haben. Ich bin so erzogen worden („Stell dich nicht so an…“) und ich mag es so. Powerfrau sein. Vollzeitarbeitend. Geschieden. Kacke, aber ist nunmal so. Get over it. Mama eines kleinen Mädchens. Doch manche Dinge sind nicht einfach so an mir vorüber gegangen und ich habe immer noch mit depressiven Phasen zu kämpfen. In unserer Gesellschaft ist das ein Tabu Thema, obwohl es das nicht sein sollte. Ich weiß, depressive Leute können anstrengend sein. Aber ich glaube ebenso wichtig ist es, für euch gesunde und fröhliche Menschen, vielleicht mal zu verstehen, was in einem vorgeht, wenn man gerade depressiv ist und wie es sich anfühlt. Hier ein Versuch der Beschreibung meiner eher schlechten Tage, von denen ich zuversichtlich bin, dass sie bald wieder verschwunden sind:

Deine Realität ist verzerrt. Hör endlich auf. Glaub nichts von dem, was du fühlst. Nicht heute. Denn heute bist du selbst dein größter Feind und ein einziger Fehler.

Dein Kopf, deine Gedanken, sie sind dein eigener Untergang.

Auf Autopilot geschaltet, beobachtest du dich selbst. Unfähig etwas zu tun, unfähig etwas zu tun, oh wärst du doch nicht so verdammt schwach. Ich hasse dich. Versagerin.

Gestern noch so stark, so taff. So magst du dich. So siehst du dich. So willst du dich. Aber wer bist du schon? Ein schwacher, dummer Depp.

Und wen interessiert, was du fühlst?

Sicher nicht deinen größten Feind. Dich selbst!

Du wachst auf, weil der Wecker klingelt und er ist wieder da. Du hast schon gehofft, er ist weg, doch die Erfahrung lehrt dich inzwischen, es eigentlich besser zu wissen. Wie ein Kind freust du dich, über die sonnigen Phasen, mit derselben kindlichen Naivität glaubst du tatsächlich jedes Mal, jetzt geht’s bergauf?! Wie peinlich. Du lächerliche, dumme Loserin.

Mit Angst im Kopf versuchst du aufzustehen, doch du bist unfähig dich zu bewegen, die Beine sind schwer, du hast einfach keine Power, fühlst dich krank, dir ist übel. Als ob du seit mindestens einer Woche nicht mehr geschlafen hast. Dabei achtest du doch immer brav auf Sport, Schlaf und zumindest halbwegs gesunde Ernährung. So willst du die Kontrolle zurückbekommen, wieder gesund werden. Klappt super, du dämliche Kuh, oder?! Wie peinlich du bist.

Bleiernde Müdigkeit, Kopfschmerzen, absolute Unfähigkeit dich zu bewegen, Verzweiflung. Alles ist egal. Und wenn du nie wieder aufsteht, nie wieder duschst. Nie wieder zur Arbeit gehst. Es ist egal. Augen zu. Und schlafen, endlich Stille. Du willst diese Stimme in deinem Kopf nicht mehr hören, die dir selbst immer so verdammt weh tut. Einfach nur schlafen.

Doch jetzt hast du es geschafft, du machst dich fertig, gehst nach draußen in die kalte, weite Welt, willst dir selbst beweisen, dass es halb so schlimm ist. Aber du hast Angst, denn du wirst sicher scheitern.

Gestern noch, da war sie warm, die Welt. Die Sonne hat geschienen. Die Blumen waren bunt, die Menschen waren laut, aber ok. Du magst es doch so. Eigentlich.

Die Welt, sie sieht gleich aus, doch auf ihr ist heute alles anders, weil in dir heute alles so anders ist.

Denn heute tut dir alles weh. Die Seele, der Kopf, das Herz.

Die Menschen, sie starren dich an. Es kann keine Einbildung sein. Sie wissen es. Wer du bist. Ein Niemand. Was du bist. Ein Loser. Nicht liebenswert, an dir ist nichts liebenswert. Versagerin.

Auf der Arbeit, da musst du stark sein. Reiß dich zusammen, du verdammter schwacher Mensch, wie kannst du nur? Ich hasse dich, wie sehr ich dich hasse. Warum kannst du nicht einfach normal sein? Du bist verrückt, krank, bescheuert. Eine Schande.

Kein nettes Wort, nichts Nettes hast du für dich übrig. Du wünschtest du könntest dich wieder mögen, vielleicht sogar lieben. Wie sich das wohl anfühlt? Tja. Dich kann man nicht lieben. Niemand tut das. Wieso auch?

Du fühlst dich nicht wohl, du willst dich verstecken. Jeder Blick, jedes Wort, du verstehst alles als Angriff, versuchst zu lächeln, zu schauspielern, redest extra lauter, als du es möchtest, all die Tricks um autark zu wirken. Du kennst sie alle. Kein Platz für Schwäche.

Damit die Stimme nicht zittert, brüllst du fast.

Damit du keine Tränen in die Augen bekommst, einfach so, zwingst du dich zu lächeln, einfach so.

Anstrengend, alles so anstrengend.
Oh hoffentlich merkt niemand,wie traurig, wie verzweifelt du bist. Wie klein. Wie verletzt. Wie unbedeutend.

Die Realität ist verzerrt, hör endlich auf, du weißt es doch. Nichts davon ist real, niemand hat was gegen dich. Reiß dich zusammen. Morgen wirds besser.

Nichts ist real, glaub dir selber nicht, du bist es die spinnt, halte dich bedeckt und glaube dir kein Wort, höre dir nicht zu und arbeite. Lenke dich ab und arbeite. Es ist alles gut. Alles ist gut. Es kommen wieder bessere Tage, ganz sicher.

Denn die Realität ist verzerrt und du bist das Problem.

Ganz sicher? Vielleicht weißt du nur selbst am Besten, dass du nichts weiter bist, als wertlos und schwach. Und alle anderen wissen es längst auch. Du wirst nie etwas anderes fühlen, als das. Denn das ist die Wahrheit, das bist du.

Oh bitte, hör doch endlich auf. Reiß dich zusammen und lenk dich ab. Ich hasse dich. Du verdammte Versagerin.

Ich will nicht mehr. Wieso konnte das mit mir passieren?

Wenn ich doch nur wüsste, was ich tun soll, damit es endlich wieder gut wird.

Distanz.

Distanziere dich. Von allem. Von jedem. Und alles wird gut. Sie werden sowieso alle verschwinden, weil du gestört bist. Alle außer deine Tochter. Die musst du lieben, das klappt, das kriegst du hin, darin bist du irgendwie gut.

Und da ist sie. Die Emotionslosigkeit fast jedem gegenüber. Resignation. Alles andere tut zu weh.

Es kommen wieder bessere Tage. Tage an denen ich meine Gedanken steuere und nicht sie mich. Tage an denen meine Gedanken mich nicht an einen Ort bringen, an dem niemand sein will. Ich werde mich wieder kontrollieren. Alles wird gut. Ich weiß es. Ich werde wieder stark sein. So ist es immer.

Denn meine Realität ist verzerrt, nichts davon ist wahr.

So glaube ich zumindest.

Wenn ich doch nur wüsste, was schlimmer ist. Dass es wahr ist und ich mir selbst nicht trauen darf, oder dass ich recht habe und mich wirklich niemand mag? Wieso kann es nicht endlich wieder ruhig werden in meinem Kopf?

Es kommen wieder bessere Tage, ich weiß es.

Schattentänze

Lichter der Schatten, so warm und so klar.

Geborgen im schimmernden Glanze der Sonne.

Ihr tanzet euch frei, ihr tanzet euch glücklich. Ihr tanzet, wie ihr niemals wart, wie ihr immer sein wolltet.

Lichter der Schatten, so kühl und so düster.

Verloren im nebligen Dunste der Nacht.

Ihr schleppet euch langsam, ihr schleppet euch müde. Ihr schleppet euch wie ihr es stets tut, wie es euch seit jeher vertraut ist.

Lichter der Schatten, oh meine geliebten Begleiter.

Ich bewundere euch ehrfürchtig, ich bedaure euch zutiefst.

Ich mit euch, ihr mit mir und wir uns gegenseitig. Fortlaufend.

Ihr, die ihr meine engsten Vertrauten geworden seid.

Lichter der Schatten. Auf dass ihr niemals still steht.

In Liebe.

Wollt ihr eigentlich eure Kinder frittieren?!

Ich frage mich das öfter und würde es gerne hinaus in die Welt und an den Kopf vieler junger Mütter schreien. Doch ich lasse es natürlich. Denn es wäre frech, vorlaut und übergriffig. Und so halte ich brav meine Klappe, auch wenn ich manchmal fast platze. Wenn ich zum Beispiel an einem heißen Sommertag in einer vollen Fußgängerzone herumlaufe und die kleinen Neugeborenen schreien sehe wie aus Leibeskräften. Die zumeist völlig ratlosen Mütter legen dann die dicke Wolldecke noch etwas entschiedener auf die schwitzenden, natürlich bei 30 Grad und mehr mit Mütze und Socken bekleideten neugeborenen Babys, deren Verzweiflung und Entsetzen mich fertig macht. Man steht als Außenstehender völlig fassungslos daneben und glotzt die Mama an. Es tut weh, wenn das Baby so schreit und versucht zu kommunizieren, denn Hitze kann schnell mal gefährlich werden. Besonders weil sie sich im Kinderwagen gerne mal staut. Wann hat man aufgehört das Hirn als junge Mama einzuschalten, aufgehört auf den eigenen Instinkt zu hören? Während zu kalt angezogen im Hochsommer vielleicht eine nervige Erkältung nach sich ziehen kann, kann zu warm angezogen bei einem so kleinen Menschen im worst case mal Kreislaufversagen oder Schlimmeres bedeuten. Also wovor habt ihr Angst? Ich weiß man bekommt im Krankenhaus, oder von Omi gerne mal erzählt, dass diese Neugeborenen am Besten immer ne Mütze auf dem Kopf haben sollten, wegen der Zugluft und überhaupt. Aber die erzählen einem alle viel, wenn der Tag lang ist. Ich kann nur sagen meine Tochter hat erst ab 3 Jahren angefangen Mützen auf dem Kopf überhaupt zu dulden, selbst im dicksten Winter hat sie vorher immer lautstark protestiert und erstaunlich früh gelernt sich das Ding wieder auszuziehen (was mich zugegebenermaßen negativ überrascht und dann total überfordert hat, da ich viel draußen unterwegs war :-D) und sie lebt erstaunlicherweise immer noch. Damals hätte ich das vermutlich kaum für möglich gehalten. Ich nehme diese Situation mal zum Anlass, euch etwas Allgemeines mit auf den Weg zu geben: 

Kümmert euch einen feuchten Mist darum, was Andere sagen. Ich weiß, das ist gerade beim ersten Kind schwierig. Aber ich sage euch aus Erfahrung, dass ihr als Mama dieses konkreten Winzlings mit dem besten und wertvollsten Instrument ausgerüstet seid, das keine Erfahrung ersetzen kann und das niemand toppen kann: mit eurem mütterlichen Urinstinkt. Lasst ihn euch nicht nehmen. Nicht von Klaus Hipp, nicht von Nestle, nicht von Oma und nicht vom Krankenhaus. Wenn euer Kind im Hochsommer schreit, wie bescheuert, versucht es mal aus-, statt anzuziehen. Wenn ihr versuchen wollt, zu stillen, dann lasst euch nicht sagen „ihr habt keine Milch“ und gebt sofort auf, sondern versucht es erstmal weiter. Wenn man euch erzählt (selbst bescheuerte Ärzte tun das zeitweise), dass euer Kind in der ersten Woche verhungert, weil ihr stillt, dann nehmt es gelassen und beobachtet euer Kind einfach aufmerksam (in der Regel wird nichts passieren). Wenn ihr nicht stillen wollt, weil ihrs einfach bescheuert findet, dann lasst es und versucht möglichst gute Kunstmilchnahrung zu besorgen. Wenn ihr schwanger seid und fett, dann macht kein Yoga, wenn ihr kein Bock drauf habt, weil ihr euch wie ein scheiß Elefant fühlt. Ihr werdet euer Kind auch ohne Yoga und Summübungen (eventuell stattdessen dann mit lautstarkem Gebrüll und Wutausbrüchen, jeder wie er mag!) auf die Welt bringen, weil wenn es soweit ist, dann könnt ihr das, weil ihrs können müsst und zwar auf die Art, wie es zu euch und eurem Kind passt. Und genauso läuft es auch, wenn es da ist. Ihr seid die Spezialisten für euer Kind. Sonst niemand. Also macht, was euch spontan in den Sinn kommt und freut euch!

Auf der Suche nach dem Glück…

Draußen auf der Reise des Lebens findet man viele Gefährten. Manche sind leise, andere sind laut und machen wie wild auf sich aufmerksam. Doch alle sind sie auf der Suche, jeder auf seine Art. Wir sind alle auf der Suche nach dem Glück. Die Welt ist laut geworden und gleichzeitig still, sie ist manchmal emotionslos. Es braucht Wärmequellen für das Herz. Haben wir Luxusprobleme, frag ich mich? Kein Krieg, kein Hunger, zumindest nicht in unseren Gefilden. Dennoch so viele Leute so unglücklich, depressiv und negativ. Es gibt viele Niederlagen in Leben, es passieren Dinge, die wir unendlich traurig finden, Schmerz, den wir verarbeiten müssen. Auch und gerade der Tod haut uns arrogante Geschöpfe voll aus den Socken, entreißt uns den Boden, denn wir glauben ja über alles herrschen zu können und alles kontrollieren zu können. Aber eben nicht unser Leben, nur bedingt unsere Gesundheit. Jeder von uns hat eine Uhr. Und unser zivilisiertes Leben, unsere Sauberkeit sorgt dafür, dass die Uhr von vielen von uns recht lange tickt. Schaut man sich aber um, so sieht man schnell, dass die Gesichter der Menschen nicht fröhlich sind. Ich habe mich, als ich noch jünger war, immer sowas von fasziniert gezeigt, gerade auch bei meiner chronisch gestressten Mutter, wenn ich „die Erwachsenen“ gesehen habe, die immer so gehetzt von a nach b gesprungen sind. Ich habe mich immer gefragt, warum sie sowas tun, warum sie sich nicht mal setzen können und sich einfach entspannen können. Jetzt bin ich inzwischen selbst die Königin der Gestresstheit. Ich weiß nicht, ob es Genetik ist, Schicksal, oder eine Mischung aus beidem. Ich rede mir ein, dass es am Alleinerziehendendasein liegt, am Vollzeitarbeiten, an zu vielen Hobbies und zu wenig Zeit. Und dann muss man sich ja auch viel Zeit für die kleine Tochter nehmen, denn sie ist ja auch nur einmal klein. Ich glaube ich mache das ganz gut, für meine Tochter bekomme ich es zumindest manchmal hin, nicht gestresst zu sein. Auf dem Nachhauseweg vom Kindergarten darf sie jedes Mal noch kurz an nem Spielplatz anhalten und wir handeln aus, dass sie „noch drei Dinge machen darf.“ Meistens sind dann 2 Hüpftiere a 10 Minuten „erst die erste Sache“ und wir diskutiern und hängen dort unendlich lange rum. Es ist häufig nach 18 Uhr, wenn wir überhaupt erstmal nach Hause kommen. Aber immerhin machen wir was zusammen. Dennoch bekommt auch sie mit, dass immer die Uhr tickt für und bei Mama. Ich habe auch bei mir selbst festgestellt, dass es eine Art davon laufen ist. Wenn ich super super viel zu tun habe und alles mögliche noch eben mal tun will, so habe ich keine Zeit nachzudenken, so kann ich nicht über all das grübeln, was in den letzten 2 Jahren so passiert ist (und das war ne Menge). Das Problem ist, dass man es so auch nicht verarbeiten kann. Mein Selbstbild ist alles andere als positiv und da ich weiß, dass ich momentan „recht schwierig“ sein kann, erlaube ich mir umgekehrt keine Empfindung mehr als „gerechtfertigt“. Man kann mich relativ schnell damit überzeugen, „dass ich mich über nichts aufrege“, oder „wegen nichts ein Problem habe“, weil ich ja selbst garnicht weiß, wann ich „mich normal benehme“ und wann ich „zu Unrecht verletzt bin“. Ich sitze also hier und denke nach. Darüber, ob ich nicht einfach empfinden darf, was ich empfinde, herausfinden sollte, warum ich es empfinde, meine Konsequenzen ziehen dürfen sollte und sogar ziehen MUSS und dann einfach mal innehalten sollte. Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern innehalten. Das Gefühl, egal ob positiv, oder negativ, festhalten und es aussitzen und verarbeiten. Egal, ob es sich anfühlt, als ob man verprügelt wird und egal, ob es unangenehme Konsequenzen nach sich zieht. Aber das tue ich nicht. Ich für meinen Teil kann nur davon sprechen, dass ich immer super busy bin. Sehr beschäftigt auf der Arbeit, lange beschäftigt vor allem an Dienstagen und Donnerstagen, an welchen meine Tochter sich bei ihrem Vater befindet. Am Abend bin ich dann zu Hause und dennoch hab ich dann häufig so ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend, weil sie nicht da ist. Schnell noch ein Möbelstück restaurieren (grundieren, oder was auch immer, noch ne Runde streichen, versiegeln) und duschen und ohje, schon so spät, schnell ins Bett. Meistens bin ich dann so müde, dass ich das Gefühl des Unzufriedenseins, oder des Traurigseins nicht lange spüren muss, bevor ich einschlafe. Aber jetzt, wo ich mutiger bin, frage ich mich schon, warum es mir so geht. Und wenn ich mir die gestressten Gesichter in meiner Umgebung so ansehe, dann frage ich mich auch, warum es so vielen Leuten so geht. Alle hetzen und stressen sich, aber wovor laufen wir denn alle eigentlich weg? Haben wir Luxusprobleme? Dürfen und können uns ständig selbst erfinden, haben die freie Wahl zu tun und zu lassen, was wir wollen. Die Profis in sozialen Netzwerken scheinen nur so aus dem Boden zu wachsen, „life Coaches“ oder weiß Gott, wie sie alle heißen. Sie führen uns aus schlimmen Identitätskrisen, die Frage ist nur, warum haben wir die denn alle? Kneifen wir die Arschbacken nicht mehr genug zusammen, sind wir nicht mehr genug dankbar für das, was wir haben? Ist uns langweilig, weil zu wenig schlimmes passiert in unserer wohlprivilegierten Ecke der Welt? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich ein wenig noch auf der Suche bin. Auf der Suche nach dem Glück. Die Anzahl der Möglichkeiten, was ich alles tun und lassen kann, überfordert mich. Denn ich darf quasi alles. Es gibt kaum noch Regeln in unserer Gesellschaft. Ich kann Überlebenskünstlerin werden, ne Weltreise machen (ich reise doch so gern!), oder im Bett rumliegen und tagelang durchheulen. Dann diagnostiziert irgendein Schlaumeier sicher burnout bei mir, oder ne tiefe Depression, oder sonst was und ich bin arbeitsunfähig und das Geld kommt vom Staat. Wir haben Narrenfreiheit ein Stück weit. Vielleicht macht uns das so wuschig und wir haben zu viel Zeit um zu suchen. Nach uns selbst, nach dem was wir tun wollen und nach dem, was wir werden wollen. Eben auf der Suche nach dem Glück…

Guten Morgen, facebook. Oder besser gesagt: Heute Lust dein Leben zu verändern? Denn zufällig haben alle gerade noch einen Platz frei und warten nur auf Dich!

Cool so gebraucht und geliebt zu werden, oder? Kennt ihr das auch?

Und dank der Smartphonesucht und einem ausgeprägten Selbstdarstellungsproblem, gepaart mit kindlicher Neugierde, ertappe zumindest ich mich dabei, morgens zum Wachwerden als allererstes nicht unbedingt das Bad aufzusuchen, sondern ich greife erstmal zum Handy, wie der Deutsche es liebevoll nennt. Denn das Smartphone ist tatsächlich immer „handy“ (übersetzt heißt das ungefähr „griffbereit“), wo wir alle doch ein ausgeprägt wichtiges virtuelles Leben führen und auf keinem Fall viel verpassen wollen. In meinem Fall greife ich also morgens rechts neben mich und es liegt bereits erwartungsvoll blinkend (ich drehe es nachts immer um) dort und wartet nur auf mich.

Ich öffne Facebook. Ein paar Menschen haben sich beleidigt, dann wieder versöhnt, einer feiert sich selbst und ein paar Andere haben Weltschmerz, während der nächste die Welt zu retten versucht. Mamis schimpfen ihre Ernährung als die einzig Richtige und eine beschimpft die Andere, das ihr Baby autistisch werden wird, weil es geimpft wurde. So weit alles im grünen Bereich, ein normaler Facebook-Morgen.

Ein paar Freundschaftsanfragen zuviel, vermutlich, weil man mal eine zu unachtsam angenommen hat, ja ich oute mich:

Irgendwann ist mir wohl mal einer durchgerutscht. Sah vielleicht nett aus, klang spannend und ich dachte mir „Na komm…passt.“ Inzwischen hab ich es aber wieder im Griff, viele bereits wieder aussortiert und jetzt schau ich mir jeden ganz genau an. Will ich mich mit dem oder der vernetzen? Bietet er oder sie mir etwas, das mir bei meinen eigenen Plänen nutzen könnte? Wenn ja, dann okay. Wenn nein, dann nein danke.

Steht auf dem Profil „ich bin Motivationstrainer, Coach, Mentor“, die Leute fliegen schneller, als man gucken kann. Warum?

Diese Menschen sind wie jener, der mir einst mal durchgerutscht ist und für diese Freundschaftsanfragenflut verantwortlich war. Ich bilde mir nicht ein, besonders spannend zu sein und kam daher schnell dahinter, dass da eigene Ziele verfolgt werden, die wenig mit mir als Person zu tun haben. Dieser Mensch war gut mit anderen Menschen vernetzt, die nur genau DARAUF warten, auf einen Fehltritt einer Person, ein zu schneller Klick und dann geht’s los mit den zahlreichen Anfragen. Es ist wie die Pest. Und sie lauern überall: die…Trommelwirbel…

 

!!!!!NETWORKER!!!!!

 

Böses, ganz böses Unwort, das mich nervös auf den Fingernägeln kauen lässt. Warum bin ich so traumatisiert?

Ganz einfach: weil es mir reicht! Das Maß ist voll. Denn ich bin nicht fett, habe keine Pickel und auch keine Problemzonen, jedenfalls keine, die ich mit wildfremden Menschen im virtuellen Facebook teilen will und auch sonst hab ich kein Bock mehr.

Und sorry, es ist erschreckend, wie viele Leute sich hier einbilden, die Welt verändern zu können. Es tut mir leid Leute, aber es NERVT. Ihr seid gerade mal paar Jahre volljährig und wollt Motivationscoach für Andere sein? Oder selbst in der midlifecrisis? Super Ausgangspunkt, macht euch wahnsinnig kompetent.

Wohnt noch bei Mami unterm Dach und wollt Leuten erzählen, wie man Fitness im Alltag unterbringt, während eure Mami noch eure Wäsche wäscht und eure Brote in Plastikboxen packt, die die EU verbieten würde, wäre sie nicht so verdammt mit dem super sinnvollen Verbieten von Strohhalmen beschäftigt.

Ihr Frauen seid im besten Alter, Anfang/Mitte 20, keine Falten, schön schlank und wollt erwachsenen und gestandenen Frauen beibringen, wie sie ihre „Weiblichkeit“ entfesseln, wo ihr selbst noch halbe Kinder seid? Wow. Wir können uns vor Faszination kaum noch auf dem Stuhl halten. Echt jetzt. Was habt ihr im Leben schon erlebt? Es nervt. Punkt. Aus. Ende. Ich hab kein Bock mehr.

Denn jeder gottverdammte Morgen, an dem ich mein Facebook öffne, um in Ruhe wachzuwerden, beginnt inzwischen in etwa so:

Ich öffne eine Privatnachricht, noch nicht mal 8 Uhr, noch keinen Kaffee intus und lese:
„Hi du, schön von dir zu hören, wie geht’s dir? Wir kennen uns zwar noch nicht persönlich, aber ich fand dein Profil so sympathisch. Daher wollte ich dich mal fragen, ob du dir vorstellen könntest, etwas an deinem Lebensstil zu ändern? Ich bin immer auf der Suche nach motivierten Frauen, die abnehmen, einen besser definierten Body bekommen, oder schönere Haut haben wollen. Zu diesem Zweck habe ich noch einige exklusive Probeplätze zu vergeben und dabei an dich gedacht. Wäre das von Interesse für dich?“

Es geht um bunte Pflanzenpillen, Fitness, um was auch immer. Und was ist meine Reaktion?

BÄM. Volle Breitseite. Es ist nicht mal 8 Uhr morgens und ich will mich schon in die Ecke stellen und weinen, dabei Chips und Schokolade in mich reinstopfen, mich selbst verfluchen und gleichzeitig aufgeben. Denn übersetzt heißt das wohl für fast jede Frau auf der Welt Folgendes: „Hallo unbekannte Hässlichkeit. Ich mache Menschen dünner, hübscher und pickelfreier und es scheint, als ob du all das dringend nötig hast. Du siehst so scheiße aus, dass ich dich daher anschreibe, aus purem Mitleid, auch wenn ich dich nicht kenne. Also ergreife die Chance und ändere etwas an deinem positiv hässlichen Dasein.“

Dummheit und Dreistheit macht mich grundsätzlich wütend und diese Wut droht mich jetzt, schätzungsweise 8:10 Uhr, zu überrennen. Aber ich reiße mich brav zusammen, um nichts Freches zu antworten, denn ich bin ein scheiß entspanntes Gänseblümchen auf einer super grünen Wiese und die Tatsache, dass dieser „Verkaufsversuch“ (denn letzten Endes ist es ja nichts Anderes) nicht nur der dümmste, sondern auch noch der schlechteste Versuch ist, den ich je erlebt habe, sollte an mir abperlen, wie das Wasser am Gefieder einer scheiß entspannten Ente. Es ist ja nichts Neues mehr, immer schön locker bleiben.

Also gut, ich atme tief ein und aus und tue…nichts.

Und wie dankt ihr es einem? Paar Tage, oder Wochen später:

„Hi du, ich wollte nur mal nachhören, ob meine Nachricht vielleicht im Alltagsstress bei dir untergegangen ist?“

Im bitte WAS?! Was will so ein kleiner Depp wie du denn schon von Alltagsstress wissen? Noch keine Kinder, erst seit gestern Haare am Sack und dann von Alltagsstress reden? Als Mami noch meine Socken gewaschen hat, hatte ich auch mehr Zeit für ein ausgeklügeltes Fitnessprogramm. Jetzt bedeutet Fitness für mich die Socken meines eigenen Kindes zu waschen und die des Riesenbabys, das sich mein Lebenspartner nennt. Fitness ist für mich heute, meiner Tochter durch die Wohnung hinterher zu jagen, während sie gerade dabei ist, meine Unterwäsche in den Vorgarten auf einen Haufen zu werfen, der seitlich an den Garten grenzt, in welchem der Nachbar gerade Unkraut rupft und verwirrt guckt, weil ich ihr vorher gedankenlos gesagt habe „Ich muss mal meine Wäsche ausmisten!“

Eine Woche zuvor habe ich ihr erklärt, was Stallmist ist, weil auf dem Samen der Möhrenpackung für unser Gemüsebeet stand „Nicht mit Stallmist düngen.“

Mama hat den Fehler gemacht zu sagen: „Man sammelt alte Abfälle, die niemand mehr braucht auf einem großen Haufen IM GARTEN.“

Sie hat also verdammt nochmal nur das Richtige tun wollen.

Jetzt mal ernsthaft. Wer hat euch beigebracht, wie man Menschen dazu bringt, eure Produkte zu kaufen? Euer schlimmster Feind? Es ist wirklich extrem nervig, wenig zielführend, wenn jeder von euch selbst ernannten Deppen hier die Menschheit belästigt. Denn die, die wirklich was drauf haben, die gehen in der Masse von euch unter. Also macht den Weg frei und tut was Sinnvolles mit eurer (Lebens-)Zeit. Arbeiten vielleicht, also so richtig. 😉

So, das war der Tag der Abrechnung. 😉

 

 

 

 

 

Die selbsternannte Therapeutin, leider keine Gute. ;)

Kennt ihr das? Ihr wollt der ganzen Welt helfen? Ihr bildet euch ein, gut darin zu sein? Ihr wollt nur das Beste für die Menschen, die ihr liebt? Ihr glaubt, ihr könnt Dinge fixen, Streitigkeiten zwischen Anderen schlichten, die Dinge von außen kontrollieren, sodass es am Ende allen besser geht? Ihr glaubt, ihr habt die Kontrolle, die Zügel in der Hand? Das Problem ist, ihr habt garnicht gefragt. Ob man eure Hilfe will. Und ihr habt euch auch nicht gefragt, ob ihr in eurer selbsternannten Passion so spitze seid, wie ihr denkt. Bis man es euch vor Augen führt. Denn auf das Leben ist verlass. Das Leben hält sicherlich viele Überraschungen und Gründe zur Freude bereit. Doch manchmal bietet es auch Raum für Schmerz und Enttäuschung. Manchmal haut es euch euer Helfersyndrom auch einfach nur um die Ohren, hält euch den Spiegel des Versagens vor die Nase und zeigt euch, dass ihr nichts gut und richtig, dafür aber nahezu alles falsch gemacht habt. Manchmal meint man es wirklich nur gut und wird dann von denen angegangen, denen man den Rücken stärken wollte. Plötzlich ist man der Böse in der Geschichte, für Vieles verantwortlich, wofür man nicht verantwortlich gemacht werden sollte und ein Stück Loyalität, von dem man glaubte, dass man sich dieser Loyalität sicher sein kann, bricht weg und macht Platz für Spott und Beschimpfungen desjenigen Menschen, um den sich das eigene Universum vielleicht etwas mehr gedreht hat, als es sich hätte drehen sollen? Kommt euch das bekannt vor? Wie sehr ist euch denn die Baustelle, die ihr versucht zu fixen, für eure Versuche dankbar? Sagt sie danke, oder ist sie doch eher euer schärfster Kritiker? Hat man vielleicht Andere, denen gegenüber man schon rechtlich und auch emotional verantwortlich ist, dafür vernachlässigt? Man hätte sich einsetzen sollen und müssen, beschützen sollen und müssen. Stattdessen wollte man denen gefallen, die einen, wie man lernen musste, sowieso nicht mögen und sich höchstens noch lustig machen, denen man am Ende des Tages aber bestenfalls gleichgültig ist und die einfach das tun, was sie tun wollen, weil sie wissen, dass die Person, die andere Vorstellungen hat, am Ende nur Durchgangsverkehr sein wird und keine einschneidene Bedeutung für alle Beteiligten haben wird. Am Ende des Tages hat man weder besonders viel Selbstwertgefühl, noch ist man glücklich. Vor allem ist man traurig und schämt sich. Man hat alles falsch gemacht und es ist einem sehr peinlich. Man hätte ohne Rücksicht auf Verluste das tun sollen, was die eigene Pflicht gewesen wäre, stattdessen wollte man die Welt der Menschen retten, die nur ihre Ruhe haben wollen. Aus der Gefühlswelt von Menschen verbannt zu werden, die einem nah stehen, oder nahe standen, ist nicht nur verstörend, sondern auch traumatisierend und verletzend. Denn man kann dabei nur versagen. Und dann hat ja jeder so seine ganz eigene Realität, wie sich gewisse Dinge abgespielt haben. Wer weiß schon, wie es „wirklich“ war. Ich für mich hoffe meine Lösung zu finden und meine Lehren daraus zu ziehen. Man kann niemandem helfen, der mit dem Kopf woanders ist und andere Prioritäten, Realitäten und Ideale hat, als man selbst. Man kann niemandem helfen, der die Schuld immer bei der Person sucht, die alles für einen tut und nur das Beste will. Die Frage ist, warum sucht man sich überhaupt solche Personen? Warum will man verlorene Seelen retten, die garnicht gerettet werden wollen? Warum will man so sehr jedem helfen? Und wenn man denn am Ende mehr Belastung, als Hilfe für den Anderen war, so gehört dennoch nochmal besonders viel passive Aggression auf der Gegenseite dazu, denjenigen auch noch zu verspotten und zu beschimpfen für die schief gelaufene Hilfsaktion, für die Dummheit, für Schwierigkeiten, die man in den Augen des Anderen macht. Wie ist das bei euren Kandidaten so? Sind die dankbar? Sehen sie, was ihr alles tut, oder nicht tut, um Probleme zu vermeiden, den Frieden zu wahren? Wie ihr Termine, Ausflüge und Treffen organisiert? Geschenke besorgt, nette Sprüche foemuliert, um Bindungen aufrecht zu erhalten, weil ihr glaubt, es ist euer Part? Habt ihr mal überlegt, dass ihr nicht Teil der Bindung seid, dass ihr nicht dazu gehört? Dass es euch nichts angeht? „Niemand hat dich um deine Hilfe gebeten!“ Das tur weh, aber ist vermutlich wahr. Wenigstens die Intention des Anderen, dass er nur Gutes für einen selbst wollte, könnte man honorieren. Tun aber gerade solche Menschen häufig nicht. Ich für meinen Teil habe mir vorgenommen, mein Helfersyndrom in den Griff zu bekommen. Denn Fazit ist, man kann die Liebe und Zuneigung, das Gefühl einen guten Job getan zu haben, nicht von jemandem geschenkt bekommen, der nicht kommunizieren kann, was er will und braucht (vermutlich weil er es selbst nicht weiß), der viele Kämpfe mit sich selbst auszufechten hat und der mit sich selbst nicht zufrieden ist. Widmet euch den Menschen, die euere Intention und eure Liebe sehen und spüren, die euch mit liebenden Augen sehen und einfach nur wissen, dass ihr nur das Beste für sie wollt. Passt auf euch auf und befreit euch von eurem Helfersyndrom. Es wird euch ohnehin niemand danken! Aber es gibt sie, die Menschen, die euch wirklich lieben und schon ungeduldig und geduldig darauf warten, bis ihr neben all eurer Beschäftigungen mal wieder Zeit habt für sie. Nimmt euch die Zeit. 🙂 Alles Liebe!