Auf der Suche nach dem Glück…

Draußen auf der Reise des Lebens findet man viele Gefährten. Manche sind leise, andere sind laut und machen wie wild auf sich aufmerksam. Doch alle sind sie auf der Suche, jeder auf seine Art. Wir sind alle auf der Suche nach dem Glück. Die Welt ist laut geworden und gleichzeitig still, sie ist manchmal emotionslos. Es braucht Wärmequellen für das Herz. Haben wir Luxusprobleme, frag ich mich? Kein Krieg, kein Hunger, zumindest nicht in unseren Gefilden. Dennoch so viele Leute so unglücklich, depressiv und negativ. Es gibt viele Niederlagen in Leben, es passieren Dinge, die wir unendlich traurig finden, Schmerz, den wir verarbeiten müssen. Auch und gerade der Tod haut uns arrogante Geschöpfe voll aus den Socken, entreißt uns den Boden, denn wir glauben ja über alles herrschen zu können und alles kontrollieren zu können. Aber eben nicht unser Leben, nur bedingt unsere Gesundheit. Jeder von uns hat eine Uhr. Und unser zivilisiertes Leben, unsere Sauberkeit sorgt dafür, dass die Uhr von vielen von uns recht lange tickt. Schaut man sich aber um, so sieht man schnell, dass die Gesichter der Menschen nicht fröhlich sind. Ich habe mich, als ich noch jünger war, immer sowas von fasziniert gezeigt, gerade auch bei meiner chronisch gestressten Mutter, wenn ich „die Erwachsenen“ gesehen habe, die immer so gehetzt von a nach b gesprungen sind. Ich habe mich immer gefragt, warum sie sowas tun, warum sie sich nicht mal setzen können und sich einfach entspannen können. Jetzt bin ich inzwischen selbst die Königin der Gestresstheit. Ich weiß nicht, ob es Genetik ist, Schicksal, oder eine Mischung aus beidem. Ich rede mir ein, dass es am Alleinerziehendendasein liegt, am Vollzeitarbeiten, an zu vielen Hobbies und zu wenig Zeit. Und dann muss man sich ja auch viel Zeit für die kleine Tochter nehmen, denn sie ist ja auch nur einmal klein. Ich glaube ich mache das ganz gut, für meine Tochter bekomme ich es zumindest manchmal hin, nicht gestresst zu sein. Auf dem Nachhauseweg vom Kindergarten darf sie jedes Mal noch kurz an nem Spielplatz anhalten und wir handeln aus, dass sie „noch drei Dinge machen darf.“ Meistens sind dann 2 Hüpftiere a 10 Minuten „erst die erste Sache“ und wir diskutiern und hängen dort unendlich lange rum. Es ist häufig nach 18 Uhr, wenn wir überhaupt erstmal nach Hause kommen. Aber immerhin machen wir was zusammen. Dennoch bekommt auch sie mit, dass immer die Uhr tickt für und bei Mama. Ich habe auch bei mir selbst festgestellt, dass es eine Art davon laufen ist. Wenn ich super super viel zu tun habe und alles mögliche noch eben mal tun will, so habe ich keine Zeit nachzudenken, so kann ich nicht über all das grübeln, was in den letzten 2 Jahren so passiert ist (und das war ne Menge). Das Problem ist, dass man es so auch nicht verarbeiten kann. Mein Selbstbild ist alles andere als positiv und da ich weiß, dass ich momentan „recht schwierig“ sein kann, erlaube ich mir umgekehrt keine Empfindung mehr als „gerechtfertigt“. Man kann mich relativ schnell damit überzeugen, „dass ich mich über nichts aufrege“, oder „wegen nichts ein Problem habe“, weil ich ja selbst garnicht weiß, wann ich „mich normal benehme“ und wann ich „zu Unrecht verletzt bin“. Ich sitze also hier und denke nach. Darüber, ob ich nicht einfach empfinden darf, was ich empfinde, herausfinden sollte, warum ich es empfinde, meine Konsequenzen ziehen dürfen sollte und sogar ziehen MUSS und dann einfach mal innehalten sollte. Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern innehalten. Das Gefühl, egal ob positiv, oder negativ, festhalten und es aussitzen und verarbeiten. Egal, ob es sich anfühlt, als ob man verprügelt wird und egal, ob es unangenehme Konsequenzen nach sich zieht. Aber das tue ich nicht. Ich für meinen Teil kann nur davon sprechen, dass ich immer super busy bin. Sehr beschäftigt auf der Arbeit, lange beschäftigt vor allem an Dienstagen und Donnerstagen, an welchen meine Tochter sich bei ihrem Vater befindet. Am Abend bin ich dann zu Hause und dennoch hab ich dann häufig so ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend, weil sie nicht da ist. Schnell noch ein Möbelstück restaurieren (grundieren, oder was auch immer, noch ne Runde streichen, versiegeln) und duschen und ohje, schon so spät, schnell ins Bett. Meistens bin ich dann so müde, dass ich das Gefühl des Unzufriedenseins, oder des Traurigseins nicht lange spüren muss, bevor ich einschlafe. Aber jetzt, wo ich mutiger bin, frage ich mich schon, warum es mir so geht. Und wenn ich mir die gestressten Gesichter in meiner Umgebung so ansehe, dann frage ich mich auch, warum es so vielen Leuten so geht. Alle hetzen und stressen sich, aber wovor laufen wir denn alle eigentlich weg? Haben wir Luxusprobleme? Dürfen und können uns ständig selbst erfinden, haben die freie Wahl zu tun und zu lassen, was wir wollen. Die Profis in sozialen Netzwerken scheinen nur so aus dem Boden zu wachsen, „life Coaches“ oder weiß Gott, wie sie alle heißen. Sie führen uns aus schlimmen Identitätskrisen, die Frage ist nur, warum haben wir die denn alle? Kneifen wir die Arschbacken nicht mehr genug zusammen, sind wir nicht mehr genug dankbar für das, was wir haben? Ist uns langweilig, weil zu wenig schlimmes passiert in unserer wohlprivilegierten Ecke der Welt? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich ein wenig noch auf der Suche bin. Auf der Suche nach dem Glück. Die Anzahl der Möglichkeiten, was ich alles tun und lassen kann, überfordert mich. Denn ich darf quasi alles. Es gibt kaum noch Regeln in unserer Gesellschaft. Ich kann Überlebenskünstlerin werden, ne Weltreise machen (ich reise doch so gern!), oder im Bett rumliegen und tagelang durchheulen. Dann diagnostiziert irgendein Schlaumeier sicher burnout bei mir, oder ne tiefe Depression, oder sonst was und ich bin arbeitsunfähig und das Geld kommt vom Staat. Wir haben Narrenfreiheit ein Stück weit. Vielleicht macht uns das so wuschig und wir haben zu viel Zeit um zu suchen. Nach uns selbst, nach dem was wir tun wollen und nach dem, was wir werden wollen. Eben auf der Suche nach dem Glück…

Autor: thejupiable

Verliebt, verlobt, gescheitert... Und außerdem 33 Jahre alt, vollzeitarbeitend und in einer neuen Beziehung. Mit vierjährigem Kind im Wechselmodell lebend.

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