Die selbsternannte Therapeutin, leider keine Gute. ;)

Kennt ihr das? Ihr wollt der ganzen Welt helfen? Ihr bildet euch ein, gut darin zu sein? Ihr wollt nur das Beste für die Menschen, die ihr liebt? Ihr glaubt, ihr könnt Dinge fixen, Streitigkeiten zwischen Anderen schlichten, die Dinge von außen kontrollieren, sodass es am Ende allen besser geht? Ihr glaubt, ihr habt die Kontrolle, die Zügel in der Hand? Das Problem ist, ihr habt garnicht gefragt. Ob man eure Hilfe will. Und ihr habt euch auch nicht gefragt, ob ihr in eurer selbsternannten Passion so spitze seid, wie ihr denkt. Bis man es euch vor Augen führt. Denn auf das Leben ist verlass. Das Leben hält sicherlich viele Überraschungen und Gründe zur Freude bereit. Doch manchmal bietet es auch Raum für Schmerz und Enttäuschung. Manchmal haut es euch euer Helfersyndrom auch einfach nur um die Ohren, hält euch den Spiegel des Versagens vor die Nase und zeigt euch, dass ihr nichts gut und richtig, dafür aber nahezu alles falsch gemacht habt. Manchmal meint man es wirklich nur gut und wird dann von denen angegangen, denen man den Rücken stärken wollte. Plötzlich ist man der Böse in der Geschichte, für Vieles verantwortlich, wofür man nicht verantwortlich gemacht werden sollte und ein Stück Loyalität, von dem man glaubte, dass man sich dieser Loyalität sicher sein kann, bricht weg und macht Platz für Spott und Beschimpfungen desjenigen Menschen, um den sich das eigene Universum vielleicht etwas mehr gedreht hat, als es sich hätte drehen sollen? Kommt euch das bekannt vor? Wie sehr ist euch denn die Baustelle, die ihr versucht zu fixen, für eure Versuche dankbar? Sagt sie danke, oder ist sie doch eher euer schärfster Kritiker? Hat man vielleicht Andere, denen gegenüber man schon rechtlich und auch emotional verantwortlich ist, dafür vernachlässigt? Man hätte sich einsetzen sollen und müssen, beschützen sollen und müssen. Stattdessen wollte man denen gefallen, die einen, wie man lernen musste, sowieso nicht mögen und sich höchstens noch lustig machen, denen man am Ende des Tages aber bestenfalls gleichgültig ist und die einfach das tun, was sie tun wollen, weil sie wissen, dass die Person, die andere Vorstellungen hat, am Ende nur Durchgangsverkehr sein wird und keine einschneidene Bedeutung für alle Beteiligten haben wird. Am Ende des Tages hat man weder besonders viel Selbstwertgefühl, noch ist man glücklich. Vor allem ist man traurig und schämt sich. Man hat alles falsch gemacht und es ist einem sehr peinlich. Man hätte ohne Rücksicht auf Verluste das tun sollen, was die eigene Pflicht gewesen wäre, stattdessen wollte man die Welt der Menschen retten, die nur ihre Ruhe haben wollen. Aus der Gefühlswelt von Menschen verbannt zu werden, die einem nah stehen, oder nahe standen, ist nicht nur verstörend, sondern auch traumatisierend und verletzend. Denn man kann dabei nur versagen. Und dann hat ja jeder so seine ganz eigene Realität, wie sich gewisse Dinge abgespielt haben. Wer weiß schon, wie es „wirklich“ war. Ich für mich hoffe meine Lösung zu finden und meine Lehren daraus zu ziehen. Man kann niemandem helfen, der mit dem Kopf woanders ist und andere Prioritäten, Realitäten und Ideale hat, als man selbst. Man kann niemandem helfen, der die Schuld immer bei der Person sucht, die alles für einen tut und nur das Beste will. Die Frage ist, warum sucht man sich überhaupt solche Personen? Warum will man verlorene Seelen retten, die garnicht gerettet werden wollen? Warum will man so sehr jedem helfen? Und wenn man denn am Ende mehr Belastung, als Hilfe für den Anderen war, so gehört dennoch nochmal besonders viel passive Aggression auf der Gegenseite dazu, denjenigen auch noch zu verspotten und zu beschimpfen für die schief gelaufene Hilfsaktion, für die Dummheit, für Schwierigkeiten, die man in den Augen des Anderen macht. Wie ist das bei euren Kandidaten so? Sind die dankbar? Sehen sie, was ihr alles tut, oder nicht tut, um Probleme zu vermeiden, den Frieden zu wahren? Wie ihr Termine, Ausflüge und Treffen organisiert? Geschenke besorgt, nette Sprüche foemuliert, um Bindungen aufrecht zu erhalten, weil ihr glaubt, es ist euer Part? Habt ihr mal überlegt, dass ihr nicht Teil der Bindung seid, dass ihr nicht dazu gehört? Dass es euch nichts angeht? „Niemand hat dich um deine Hilfe gebeten!“ Das tur weh, aber ist vermutlich wahr. Wenigstens die Intention des Anderen, dass er nur Gutes für einen selbst wollte, könnte man honorieren. Tun aber gerade solche Menschen häufig nicht. Ich für meinen Teil habe mir vorgenommen, mein Helfersyndrom in den Griff zu bekommen. Denn Fazit ist, man kann die Liebe und Zuneigung, das Gefühl einen guten Job getan zu haben, nicht von jemandem geschenkt bekommen, der nicht kommunizieren kann, was er will und braucht (vermutlich weil er es selbst nicht weiß), der viele Kämpfe mit sich selbst auszufechten hat und der mit sich selbst nicht zufrieden ist. Widmet euch den Menschen, die euere Intention und eure Liebe sehen und spüren, die euch mit liebenden Augen sehen und einfach nur wissen, dass ihr nur das Beste für sie wollt. Passt auf euch auf und befreit euch von eurem Helfersyndrom. Es wird euch ohnehin niemand danken! Aber es gibt sie, die Menschen, die euch wirklich lieben und schon ungeduldig und geduldig darauf warten, bis ihr neben all eurer Beschäftigungen mal wieder Zeit habt für sie. Nimmt euch die Zeit. 🙂 Alles Liebe!

Autor: thejupiable

Verliebt, verlobt, gescheitert... Und außerdem 33 Jahre alt, vollzeitarbeitend und in einer neuen Beziehung. Mit vierjährigem Kind im Wechselmodell lebend.

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