Über den Wolken…muss die Freiheit gar grenzenlos sein.

Ich sende jetzt mal einen Hilfeschrei hinaus in die virtuelle Welt und weiß nicht mal, was genau ich mir für mich selbst und für alle anderen da draußen wünsche. Dass ich kein feedback bekomme, oder dass es jemandem so geht, wie mir die letzten Tage. Heute ist es eskaliert. Im Auto habe ich meine Tochter so dermaßen zusammen geschrien und von der verbalen Entgleisung, dass ich sie am Straßenrand absetze und jmd. Anderes sie mitnehmen und großziehen darf, bis hin zu der Todsünde, dass ich sie bei ihrem Vater absetze und sie nie wieder zu mir zu kommen braucht, war alles dabei. Und sie hat geweint und zwar sehr. Und ich hab mich gehasst und zwar ebenfalls sehr. Die Woche ist die Hölle. Bin ich die Einzige, der es so geht? Meine Herren, habt ihr glückliche ausgeglichene Kinder zu Hause, spielt ihr den ganzen Tag Familienspiele und habt euch lieb? Ich liebe meine Tochter. Mehr als alles andere auf der Welt. Aber seit ca. 3 Tagen ist sie zum abgewöhnen, man kann es nicht beschönigend ausdrücken. Sie macht nicht mit, blockiert, ist vorlaut, unverschämt und frech. Ich erkenne mein Kind kaum noch und frage mich, was zum Teufel mit meiner Tochter los ist. Sie schreit rum, ist total übermütig und zappelig auf der einen Seite und träge und quengelig auf der anderen Seite. Es ist so nervig, es macht einfach keinen Spaß und diese dreisten, frechen Sprüche und das provokante Grinsen, wenn ich sie um was bitte und sie macht weiter und ignoriert mich, machen mich fertig und überfordern mich. Ich schimpfe, bin gereizt. Was ist mit meinem Kind, was ist mit uns passiert? Das sollte Urlaub werden, zusammen spielen, entspannen, glücklich sein. Stattdessen war sie direkt zu Anfang der Woche mal wieder richtig krank und den 01.01.2019 haben wir mit 41 Grad Fieber in der Kinderklinik verbracht. Bis auf heute konnten wir also kaum raus, fieberfrei ist sie seit gestern. Sie muss zu Hause sitzen, ohne ihre Kindergartenfreunde, hat im Gegensatz zu sonst extreme Probleme sich selbst zu beschäftigen. Klar, vielleicht ist sie einfach noch nicht richtig fit. Ich spiele natürlich mit ihr, aber die Art, wie extrem sie klammert und 24/7 Aufmerksamkeit und Zuwendung will, überfordert mich schlichtweg. Sie ist fies zu meinem Freund, die beiden haben die letzten beiden Tage kaum zusammen gespielt, da sie mit ihrer provokanten Art nur drauf aus ist, jeden zur Weißglut zu bringen. Wir können uns kaum unterhalten, sie kommt sofort angerannt, brüllt dazwischen.

Wird sie irgendwann angebrüllt, weint sie. Man soll Kinder lieben, wenn sie es am wenigsten verdienen, denn sind sie wütend und sauer, zickig und gemein, dann brauchen sie wie jeder Mensch auf der Welt die Liebe am meisten. Ich weiß das alles. Und doch gerate ich die letzten Tage an meine Grenzen. Das Wetter ist ein kalter Haufen Sch…und es ist ne Qual vor die Tür zu gehen. Nichts kann man machen. Ich selbst finde kaum Motivation mich zu beschäftigen. Wie konnte ich dann heute so streng zu meinem Kind sein? Ich hab mich natürlich entschuldigt, ihr erklärt, dass ich nicht weiß, warum sie so drauf ist und dass ich langsam Angst hab, dass mir demnächst irgendwann mal die Hand ausrutscht. Ob ihr der Kindergarten, der Turnraum fehlt? Ob sie Papa vermisst? Alles mit ja beantwortet. Warum sie nichts von dem tut, worum ich sie bitte. Warum sie anfängt zu lachen und sagt „nein, mach ich nicht.“ Schulterzucken. Sie mag es nicht, wenn ich schimpfe, dann ist sie traurig. Das hat sie nochmal betont. Einsicht hat sie aber nicht, oder Verständnis, dass ihr Verhalten eine solche Reaktion nach sich zieht. Und ich bin wirklich sehr enttäuscht. Ich hab mich auf diese Woche gefreut. Stattdessen freue ich mich fast schon wieder aufs Arbeiten. Und ich fühle mich wie die größte Rabenmutter der Welt. Nichts ist so wie es sein soll. Wir sind alle genervt voneinander und ich schäme mich fast für mein Kind, frage mich, ob ich sie schlecht erzogen hab und hab gleichzeitig Angst, dass sie jetzt irgendeine hyperaktive Störung entwickelt. Woher kommt dieses Verhalten? Ist was passiert, hab ich was übersehen? Zwischen Sorgen, Ängsten und Vorwürfen gefangen, sitze ich also hier und denke mir resignierend und müde: „Morgen is Sonntag. Nur noch zwei Tage…“ Wie traurig.

Autor: thejupiable

Verliebt, verlobt, gescheitert... Und außerdem 33 Jahre alt, vollzeitarbeitend und in einer neuen Beziehung. Mit vierjährigem Kind im Wechselmodell lebend.

5 Kommentare zu „Über den Wolken…muss die Freiheit gar grenzenlos sein.“

  1. Ich kann das verstehen. Ich war alleinerziehend. Mein Sohn ist längst erwachsen. Manchmal fallen mir Situationen ein, in denen ich völlig an meine Grenzen kam und total überfordert war. Aus dieser Überforderung heraus habe ich ihn schlecht behandelt. Gibt,s. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihr inneres Kind aufsuchen und es ganz innig in die Arme schließen können, weil Sie erlebt haben, wie nötig Sie es haben sich trotz Allem lieb zu haben. Alles Gute.

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  2. Ich habe keine Kinder, aber großen Respekt vor Jeder und Jedem, der sich traut, dieses Abenteuer anzugehen. Denn ein Abenteuer ist es – glaube ich – immer, speziell als Alleinerziehende. Schließlich steht einem da ein Mensch gegenüber, der nicht nur einen eigenen Willen hat, sondern auch gewillt ist, ihn durchzusetzen.
    Kein Wunder, dass du bisweilen an deine eigenen Grenzen geführt wirst.
    Gut, dass du im Schreiben einen Weg gefunden hast, dich mit der Situation und dir selbst auseinanderzusetzen.
    Und – es mag abgedroschen klingen, stimmt aber doch: allein schon die Tatsache, wie offen du über dich und die Ängste etwas falsch zu machen schreibst, zeigt, dass du eben keine „Rabenmutter“ bist, sondern einfach ein Mensch, dem es ab und zu schlicht zuviel wird.
    Nochmals: Großen Respekt vor deiner (Erziehungs-) Leistung und gut geschrieben ist es oben drein!

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