Die Notwendigkeit von Ritualen in unser aller Leben…

Als ich heute früh zu einem ungünstigen Zeitpunkt wach geworden bin und nicht mehr einschlafen konnte (mein Wecker klingelt um 6 Uhr, wach wurde ich um 4:52 Uhr und JA, das hat sich heute im Laufe des Tages bemerkbar gemacht), war mein Bett und vor allem meine „Bärendecke“ aufeinmal so verdammt gemütlich, dass ich nichts anderes tun konnte, als vor Freude fröhlich zu quietschen. Sehr zum Leidwesen meines Freundes, der mich kleinlaut darauf aufmerksam machte, dass es noch früh ist und andere versuchen zu schlafen. Ich muss zugeben, ich war ein wenig gekränkt, denn ich hatte mich doch nur über die Existenz meiner Bärendecke gefreut. Die Bärendecke ist eine schöne, schwere, warme, braune Flauschdecke, die in der Tat das Gefühl in einem erweckt, von einem Braunbär herzlich umarmt zu werden. Von einem netten, gut gelaunten Braunbär natürlich, der einem positiv gegenüber eingestellt ist. Die Bärendecke wurde mir von meiner Arbeitskollegin damals anlässlich meiner Trennung gespendet, wie viele andere Dinge von ihr und anderen wundervollen Arbeitskollegen und alles hat inzwischen seinen festen Platz. Die Bärendecke wurde irgendwann fester Bestandteil an kalten Wintertagen und gehört nun dazu, zum Zuhause. Jeder kennt sie, jeder nimmt sie sich, wenn er kalt hat. Denn es gibt nichts, was die Bärendecke nicht wieder hinbekäme. Soweit die Theorie. Was ist mit der Bärendecke? Wieso macht sie, wieso machen Rituale so glücklich? Als ich noch ein Kind war, da hab ich es immer geliebt mit meinen Eltern am Wochenende zu frühstücken. Unter der Woche war viel los und es ging uns damals auch nicht so gut wie heute. Am Wochenende morgens und besonders auch abends haben wir uns Mühe gegeben. Es gab Brötchen, Wurst und Käse haben wir schön angerichtet und wir haben lange zusammen gesessen. Ich hab mich manchmal schon Tage vorher darauf gefreut. Jeder von uns hat solche Rituale und sie alle werden von uns so geliebt, weil sie uns zeigen wo wir hin gehören. Sie geben uns Sicherheit. Ob wir nun erwachsen sind, oder noch Kinder. Meine Tochter möchte immer die gleichen Einschlaflieder, zwei an der Zahl, vorgesungen bekommen. Egal wo wir sind, das gehört dazu. Und sie fühlt sich wohl und sicher. Meine tolle Bärendecke hält mich warm und ich weiß ich bin zu Hause. Und ich glaube abgesehen von der Sicherheit, die uns unsere Rituale geben, in einer großen weiten Welt, abgesehen davon, dass sie uns zeigen wer wir sind, so zeigen sie uns auch wer die Anderen sind. Mein Vater hat sich immer gefreut, wenn draußen der Wind weht und der Regen tobt und wir haben zu Hause im Trockenen und Warmen unter Decken gesessen. Er is schier durchgedreht vor Freude und ich hab mir vor allem das gemerkt. Meine ehemalige Chefin hat mal erzählt, dass sie sich immer daran erinnert, dass sie als Kind geföhnt wurde von ihrer Mutter, schon im Bett liegend und es geliebt hat, dann lecker duftend einzuschlafen. Ich hab vieles über meine damalige Chefin vergessen. Aber das hab ich mir gemerkt. Denn es ist auch eine Art seinem Gegenüber wirklich näher zu kommen. Es wirklich kennenzulernen, jenseits der Maske, die jeder von uns mehr oder weniger freiwillig wie automatisch aufsetzt, wenn er das Haus verlässt. Als ich noch klein war, hat es mich manchmal fertig gemacht, wie sehr die Menschen sich aneinander reiben, wie sehr sie gegeneinander kämpfen und wie sehr man sich darauf konzentriert, was einen unterscheidet, statt darauf was einen verbindet. Ich hab davon geträumt, dass man sich innerhalb von wenigen Sekunden wirklich kennenlernen kann. Der Gedanke war sich gegenseitig die Hände zu reichen und die Augen zu schließen. In den folgenden wenigen Minuten wäre dann in meiner kindlichen Vorstellung vor dem geistigen Auge des jeweils Anderen einenArt Kurzfilm abgelaufen. Mit allen prägenden traurigen und schönen Schlüsselmomenten des bisherigen Lebens, die einen zu dem gemacht haben, was man ist. Mit der Besonderheit dass das Gegenüber auch die Gefühle und Gedanken in dem Moment so empfunden hätte, als ob es die eigenen gewesen wären. Auf diese Art, so war meine Idee, hätte man innerhalb von kürzester Zeit jemanden komplett kennenlernen können. Man hätte gewusst, warum jmd. gerade genervt ist, warum jmd. kühl wirkt, oder gemein ist. Mit der Zeit musste ich lernen, dass das Kennenlernen von Menschen schwieriger ist. Und meine Vorstellung wohl immer ein Traum bleiben wird. Aber vllt können wir uns von unseren Ritualen erzählen? Oder uns still an unsere Kindheitserlebnisse erinnern? Vllt. können wir etwas offener und liebevoller auf neue Menschen zugehen? Nur so ein Gedanke während ich unter der Bärendecke liege und schreibe, statt zu schlafen. Damit höre ich aber jetzt auf. 🙂 Gute Nacht

Autor: thejupiable

Verliebt, verlobt, gescheitert... Und außerdem 33 Jahre alt, vollzeitarbeitend und in einer neuen Beziehung. Mit vierjährigem Kind im Wechselmodell lebend.

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