Die Weihnachtszeit

Ich muss sagen, ich habe ein sehr zwiegespaltenes Verhältnis zur Weihnachtszeit. Für kitschige Gedanken über eine gewisse Dankbarkeit dafür, wen und was man in seinem Leben hat, bin ich sehr empfänglich. Auch die Idee sich zurückzulehnen, Zeit mit den wichtigen Menschen in seinem Leben zu verbringen und vllt. denen, die man liebt, eine kleine Freude mit etwas machen zu können, das ihnen ein Lächeln auf die Lippen zaubert, gefällt mir sehr. Wenn sich dann noch der Geruch von Glühwein, heißer Schokolade und Weihnachtsgebäck unter meiner Nase ausbreitet, fange ich vermutlich vor Rührseligkeit an zu flennen und halte mich für den glücklichsten Menschen auf der Welt. Einfach weil ich an Weihnachten nicht allein sein muss.

Nun bin ich neuerdings mit einem absoluten Weihnachtshasser zusammen und wenn man meine letzten Zeilen gelesen hat, fragt man sich vllt. wie ich das dann aushalte, so als Weihnachtsliebhaber. Ganz einfach: die Gründe, warum ihm das Fest so zuwider ist, kann ich absolut verstehen und ich teile sie! Fürs viel zu viele Menschen ist Weihnachten inzwischen nur noch absolut gehetzt durch die Gegend eilen, die Wohnung für den lieben Gott und den hohen Besuch super sauber putzen, ein Fünfgänge Menü zaubern und jede Menge Geschenke abzuliefern, um allen Wünschen ausreichend nachkommen zu können.

Und der Spaß fängt ja schon viel früher an: kurz vor Weihnachten gehen offensichtlich zweidrittel der Menschen innerhalb der EU davon aus, dass die Lebensmittelversorgung auf unserem Planeten am letztmöglichen Einkaufstag vor den Feiertagen für immer endet. Es wird eingekauft, als obs kein Morgen gäbe und wer am Ende nicht mindestens eindrittel wegwerfen muss, hat was falsch gemacht. Ebenso bei den Geschenken: hab ich jemanden lieb? Dann muss ich ein teures Geschenk kaufen und zwar davon reichlich. Hab ich ein Kind lieb? Dann gilt das gerade Gesagte, mit der Maßgabe, dass der Geschenkeberg größer sein muss, als letztes Jahr, sonst riskiert man einen wütenden Schreikrampf des verzogenen Rotzbengels,weil nicht alles nach seinen Vorstellungen gelaufen ist. Ich kann garnicht sagen, wie traurig ich eine solche Entwicklung finde, da sie absolut nichts mehr mit den Gedanken von Weihnachten, mit dem Fest selbst, zu tun haben. Ich bin überzeugte Atheistin, also lasse ich mich an dieser Stelle gerne von den Katholiken belehren, sollte ich falsch liegen. Aber soweit ich weiß, soll Weihnachten das Fest der Dankbarkeit, der Liebe, der Besinnlichkeit sein. Es soll absolut nicht das Schenken von materiellen Dingen im Vordergrund stehen, sondern es geht wirklich darum, sich glücklich zu schätzen, für die immateriellen Schätzen, die man hat. Und deshalb liebe ich meinen Freund vermutlich noch ein klein wenig mejr, als vorher, dafür, dass er Weihnachten hasst, dafür dass er aus Prinzip nichts schenkt und nichts geschenkt bekommen will. Denn seine Gedanken gehen in die richtige Richtung. Ich werde es mir nicht nehmen lassen, ihm ein kleines Spaßgeschenk zu schenken und meiner Tochter, sowie meiner Familie mit Kleinigkeiten eine hoffentlich große Freude zu machen. Ich werde es mir nicht nehmen lassen, mit meiner Mama ein Essen zu kochen, das viel zu spät erst fertig ist (15 Uhr oder später) und bei dem sicher Schweinefilet serviert werden muss, weil mein Vater dafür töten würde. Während also der Großteil der Familie langsam den Hungertod stirbt und sich wie jedes Jahr fragt, ob das noch was wird mit dem Essen, während meine Mutter und ich in der Küche kichernd Sekt schlürfen und mein Onkel die neuste wii installiert und ausprobiert, werde ich es mir nicht nehmen lassen, das zu genießen und mich zu freuen. Denn meine Familie macht das garnicht so falsch. Bei uns stehen Geschenke sicher nicht im Vordergrund und auch das perfekt geputzte Haus nicht. Aber wir genießen es, Zeit zusammen zu verbringen und zu faulenzen. Ich weiß nicht, wie viele Weihnachten mir mit meiner Familie in dieser Konstellation noch geschenkt werden, da meine Großeltern schon älter sind und man nie weiß, wie viel Zeit man noch hat. Aber ich werde es genießen. Und ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, meinen Freund davon zu überzeugen das auch zu tun. Und jeden Anderen auf der Welt auch. Scheißt auf den Kommerz. Wenn eure Kinder hier bereits den Schwerpunkt setzen, wirds ohnehin Zeit. Tut stattdessen was Gutes. Lasst die Liebe ins Haus, schreibt jedem eine schöne Weihnachtskarte am besten abends vorm Schlafengehen und seid dankbar. 🙂 Eine schöne besinnliche Weihnachtszeit!

Autor: thejupiable

Verliebt, verlobt, gescheitert... Und außerdem 33 Jahre alt, vollzeitarbeitend und in einer neuen Beziehung. Mit vierjährigem Kind im Wechselmodell lebend.

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