Das Wechselmodell

Ich möchte euch heute das Wechselmodell vorstellen, mit all seinen Freuden und Leiden. Ich muss sagen, dass ich bis heute meinen Frieden damit noch NICHT wirklich gemacht habe und auch nicht erwarte, dass man uns als Eltern „dafür feiert“. Genauso dulde ich es aber auch nicht, unsachlich angegriffen zu werden, oder wenn mir vorgegaukelt wird, dass ich großartig die Wahl gehabt hätte, oder behauptet wird, dass wir unser Kind nicht lieben. Es ist erfahrungsgemäß fast unmöglich, wirklich ehrlich und sachlich mit ebenfalls getrennten Eltern über dieses Thema zu reden, da jeder hier sein Päckchen zu tragen hat und keiner mit sich selbst und der Situation bereits im Reinen ist, mich hier eingeschlossen. Das wirklich Schmerzhafte an meiner gescheiterten Ehe ist in der Tat (theatralisch gesprochen) das Leben, das meine Tochter nun führen muss. In meinem emotionalen, besorgten und von schlechtem Gewissen geplagten Mutterherz sehe ich sie vor mir, wie ständig von hier nach da springt und nirgends richtig ankommen kann. Ein Gedanke, der mich zerreißt. Die Realität ist aber offen gesagt glücklicherweise eine Andere. Wir haben als Eltern regelmäßig Gespräche mit dem Kindergarten und der Eindruck derer, die täglich viel Zeit mit unserem Kind verbringen, deckt sich glücklicherweise mit unserem eigenen Eindruck von unserer inzwischen viereinhalbjährigen Tochter: sie ist ein aufgewecktes, fröhliches Mädchen, das uns beiden mehr oder weniger offen erzählt, was es für Wünsche und Träume hat, dass es sich ärgert, dass Mama und Papa nicht mehr in einem Haus wohnen und es den jeweils anderen immer vermissen muss, wenn es bei einem Elternteil ist. Es erzählt uns, dass es will, dass Mama und Papa mit den jeweils neuen Lebenspartnern eine große Wohnung mit ihr zusammen beziehen. Das Positive hieran (auch laut Kindergarten): das Kind hat nicht das Gefühl, es kann nicht offen mit seinen Eltern über den anderen Elternteil reden. Es hat nicht das Gefühl, dass es nichts Gutes über den anderen Elternteil sagen darf, dass es sich auf eine Seite stellen muss, um Mama oder Papa zu gefallen. Meine Tochter sagt zum Beispiel offen zu mir, dass sie ihren Papa vermisst und gerade zu ihm will. Klar tut das weh. Aber ich tröste sie dann und sage ihr, sie sieht ihren Papa morgen wieder. Und dann ist gut. Das alles sind eigentlich gute Zeichen. Eigentlich. Sie hat natürlich auch ihre empfindlichen Eigenheiten, die jedes Trennungskind vermutlich hat. Sie reagiert extrem empfindlich, wenn man ihr sagt „nachher holt dich Papa wieder aus dem Kindergarten ab!“ und Papa erkrankt, oder umgekehrt Mama, und derselbe Elternteil steht um 17 Uhr wieder auf der Matte. Das hasst sie. Sie fühlt sich dann im Stich gelassen, von dem Elternteil, der nicht kam. Zu den Fakten: es gibt das sogenannte Residenzmodell. Hier liegt auch bei gemeinsamem Sorgerecht das sogenannte Aufenthaltsbestimmungsrecht (dort, wo das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat) faktisch gesehen bei einer Person, die andere hat ein regelmäßiges Umgangsrecht (meistens immer noch die Väter, die ihr Kind jedes zweite Wochenende dann abholen). In diesem Modell ist derjenige, bei dem das Kind nicht lebt kindesunterhaltspflichtig nach der sogenannten Düsseldorfer Tabelle. Dann gibt es noch das sogenannte Nestmodell, eine recht neue, meiner Meinung nach kaum umsetzbare Idee. Hier wird quasi eine dritte Wohnung angemietet, in welche sich die Elternteile immer abwechselnd mit dem Kind zurückziehen. Das Kind pendelt hier nicht, sondern die Eltern. Das Kind wird aber immer abwechselnd von den Eltern betreut, ebenso wie beim Wechselmodell. Die Idee kommt von der Fraktion, die der Meinung ist (verständlicherweise), dass ein Kind ein regelmäßiges Zuhause braucht und nicht pendeln sollte. Das Wechselmodell lässt umgekehrt das Kind pendeln. Die Eltern haben jeweils ein eingerichtetes Zuhause und betreuen ihr Kind beide. Die Vor-und Nachteile der einzelnen Modelle liegen auf der Hand: beim Residenzmodell ist der Elternteil mit dem Umgangsrecht aus dem Alltag des Kindes mehr oder minder raus. Mama (immer noch klassischerweise) ist Hauptbezugsperson, Papa ist Spassdaddy für jedes zweite Wochenende, oder noch seltener. Aus meiner beruflichen Erfahrung heraus (ich habe bis zur Geburt meiner Tochter als Rechtsanwältin im Familienrecht gearbeitet), haben die Väter zumeist einen riesen Druck, dass die Wochenenden, an denen sie ihr Kind sehen können und dürfen, ordentlich was geboten wird, haben das Gefühl, dass sie um die Liebe ihres Kindes kämpfen müssen, da sie es so selten sehen. Außerdem ensteht natürlich eine gewisse Entfremdung. Am Alltag nimmt der Elternteil mit Umgangsrecht nicht mehr Teil. Er baut sich naturgemäß außerdem auch sein eigenes Leben wieder auf. Manchmal passiert es leider auch, dass das Interesse sowohl vonseiten des Elternteils mit Umgangsrecht, als auch vonseiten des Kindes, was gemeinsame Treffen angeht, dann immer mehr schwindet. Die Bindung wird zunehmend schwächer. Der Vorteil bei diesem Modell ist: das Kind hat EIN festes Zuhause, eine Hauptbezugsperson und das wars. Viele Kinderpsychologen sind der Meinung, dass dies wichtig ist. Zum Nestmodell: auch hier hat das Kind ein Zuhause, dafür aber beide Eltern im Wechsel, die dort mit ihm leben. Das Kind erlebt die Situation hier eben einfach so, dass immer nur ein Elternteil anwesend ist, im Zuhause. Nachteile liegen auf der Hand: eine dritte Wohnung ist zu finanzieren, mitsamt Inventar. Ein extra Zuhause für das Kind muss bezahlt und bewirtschaftet werden, neben dem jeweiligen Zuhause der Eltern. Wers sich leisten kann…nun zum Wechselmodell: im wirklich klassischen Wechselmodell lebt das Kind jeweils im Haushalt der Eltern zu gleichen Teilen, aber auch bei einer geringeren Verteilung (60 zu 40 Prozent) geht man noch vom Wechselmodell aus. Die Kindesunterhaltsverpflichtung entfällt, da hier beide Elternteile das Kind aktiv im Haushalt leben haben. Nach neuerer Rechtsprechung besteht allerdings die Möglichkeit mithilfe einer Berechnungsmethode, die ein wenig an den Trennungsunterhalt erinnert, den stark mehr verdienenden Elternteil anteilig zur Kasse zu bitten. Aber wie gesagt nur anteilig. Das lohnt sich nur noch bei stark unterschiedlichem Verdienst. Umgekehrt müssen die Eltern sich die Kosten für Kleidung etc. natürlich immer fair aufteilen. Die Vorurteile gegenüber dem Wechselmodell sind lang. Klassischerweise hören auch wir, als Eltern, die dieses Modell praktizieren, häufiger Dinge wie „euer Kind muss ständig Koffer packen“, „ihr teilt euer Kind auf, wie einen Kuchen, ihr seid so egoistisch!“, „ihr habt beide kein Bock mehr auf euer Kind, deswegen macht ihr das!“.

Nun mal zu den Fakten:

Bei einem ernsthaft praktizierten Wechselmodell gibt es zwei komplett eingerichtete Haushalte, mit Kleidung, Spielzeug und einem eigenen Kinderzimmer. Das Kind pendelt zwar, aber es nimmt nichts, oder kaum etwas dabei mit, außer sich selbst. Unsere Tochter nimmt immer ein gewisses Kuscheltier mit von a nach b und ihre Lieblingstrinkflasche, die auch im Kindergarten nicht fehlen darf. Ab Schulalter wird ein wöchentlicher Wechsel vorgeschlagen. Sind die Kinder kleiner, so wie auch unsere Tochter, dann sollte der Wechsel kürzer ausfallen, da die Kinder es noch nicht schaffen, einen Elternteil so lange Zeit nicht zu sehen. Faktisch bedeutet das, dass jeder Elternteil erstmal etwas mehr in die Tasche greifen muss, als gewöhnlich. Denn auch die Wäsche pendelt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass viel Konfliktpotenzial da ist. Das Wechselmodell macht nur Sinn, wenn die Basis und die Bereitschaft für einen Austausch bezüglich der Entwicklung und dem persönlichen Eindruck, den jeder im Zusammensein mit seinem Kind gewinnt, besteht. Es kann Streit geben darüber, ob man wirklich eine zweite Winterjacke, oder ein zweites Paar Schuhe braucht, ob man hätte zum Arzt gehen sollen, oder nicht.

Wir praktizieren nun das Wechselmodell aktuell mit unserer vierjährigen Tochter so, dass sie unter der Woche Montag, Mittwoch und Freitag, sowie jedes zweite Wochenende bei mir, ihrer Mutter, lebt. Dienstags und Donnerstag, sowie jedes zweite Wochenende lebt sie bei ihrem Vater. Die Tochter nimmt das Modell sehr gut an und freut sich immer, den jeweils anderen wieder zu sehen. Die Bindung zum jeweiligen Elternteil ist anders, aber gleich stark. Dies war dem Kindesvater sehr wichtig. Als wir uns getrennt haben, war das Kind gerade knapp zwei Jahre alt und er hat mir verkündet, dass er „nicht nur Wochenenddaddy sein möchte.“ Ich konnte ihn schon damals verstehen, denn umgekehrt wäre das für mich auch nicht in Frage gekommen. Unsere Tochter hat auch eine sehr enge Bindung zu ihrem Vater. Ich war damals ratlos. Ich wusste, dass sie sehr darunter leiden würde, würde sie ihren Vater selten sehen und dachte mir damals, dass ich nicht das Recht als Mutter habe, ihr diese Zeit mit ihrem Vater zu nehmen, weil ich nicht auf sie verzichten möchte. Auch wusste ich aus eigener beruflicher Erfahrung, dass die Chancen dem Vater dieses Recht auf das Wechselmodell zu nehmen (denn ja ich hatte auch darüber nachgedacht), sehr gering wären. Er hatte einen guten Job als Vater gemacht, die Bindung zum Kind war eng. Wir leben in derselben Stadt. Es hätte kaum ein sachliches Argument dafür gegeben, dass das Kind im Alltag nur bei mir leben hätte dürfen und der Vater auf jedes zweite Wochenende vertröstet worden wäre. Für mich war das damals als Mama aber trotzdem sehr schwierig. Ich habe lange Zeit gebraucht, um mich daran zu gewöhnen von meinem Kind getrennt zu sein. Und bis heute fühlt sich die Situation manchmal so falsch an, ich habe ein so großes, schlechtes Gewissen, dass ich es kaum aushalte. Ich frage mich, wie das sein muss quasi täglich zu pendeln. Übereingekommen bin ich mit dem Kindesvater, dass wir uns einmal im Quartal zum Frühstück treffen. Es gibt Zeiten, so wie jetzt, in denen es schon holpert und wir viel streiten. Aber meistens können wir das in einem persönlichen Gespräch wieder bereinigen und das Austauschen über den Eindruck, den wir von unserer Tochter haben, wie sie das Pendeln verträgt, ist natürlich auch essentiell. Sicherlich werden wir jederzeit einlenken, wenn unsere Tochter aktiv auf uns zu kommt und sagt, dass sie das so nicht mehr will. Aber dann müsste sie wählen. Auch hiervor habe ich Angst. Was, wenn meine Tochter später mal zu ihrem Papa will? Der ist weniger streng, der ist immer geduldig. Das bin ich nicht. Ich schimpfe schon mal. Meine Tochter und ich sind uns sehr ähnlich. Wenn es ihr schlecht geht, will sie zu ihrer Mama. Aber bei uns fliegen auch mal die Fetzen, weil wir beide stur sind, wie Esel. Wir vertragen uns immer sofort wieder und drücken uns. Wir kuscheln jede Nacht. Aber wir zoffen auch. Schon jetzt habe ich also Angst vor später, Angst vor der Pubertät. Dass sie dann sagt: „Mensch Mama, ich hab kein Bock mehr auf unsere Zoffereien. Ich geh zum Papa, er ist entspannter.“ Was mich seit der Trennung ebenfalls massiv belastet ist das Gefühl zulasten der Tochter gescheitert zu sein. Weil man es selbst nicht ausgehalten hat, glücklich und respektvoll zusammen zu leben, muss das Kind nun solch einen Zirkus mitmachen. Dieses Gefühl steht der Selbstliebe sehr im Weg. Denn der Mensch, den man am meisten liebt auf der Welt, der hätte es besser haben können, hätte man selbst nicht so versagt. Die Tochter trägt jetzt die Konsequenzen. Etwas Positives über mich zu sagen, oder zu denken? Das ist schwierig für mich. Bis heute (zweieinhalb Jahre, fast drei Jahre später). Vom Kindergarten kommen dann immer tröstende Kommentare. Dass es schon richtig so war. Dass die Tochter ein fröhliches, aufgewecktes Kind sei. Dass sie aus ihrer pädagogischen Erfahrung heraus viele Kinder haben, die in zerrütteten Elternhäusern aufwachsen, mit viel Streit und wenig Zusammenhalt, in denen die Eltern sich aus den verschiedensten Gründen (fehlender Mut, der katholische Glaube, die finanzielle Seite usw.) nicht trennen. Dass diese Kinder weit aus mehr leiden, ein seltsames Familienbild, ein seltsames Bild darüber, was Liebe ist, bekommen. Dass es gut so für die Tochter war und dass sie das alles gut mitmacht, so glücklicher ist, als sie es sonst geworden wäre. Sachlich betrachtet weiß man, dass sie recht haben. Aber die Schuldgefühle, die bleiben. „Sie wäre glücklicher gewesen, hätte sie Mama und Papa in einer glücklichen Familie gehabt.“ sind die sich selbst anklagenden Gedanken, die man hat.

Das Dritte, was mir persönlich sehr zu schaffen macht, ist die Unfähigkeit mit irgendwem darüber wirklich sachlich zu reden. Jeder, der sich getrennt hat, hat so seine Zweifel, ob das für das Kind gewählte Modell das Richtige ist, so glaube ich. Insgeheim beneiden wir uns dann alle gegenseitig. Von wie vielen Müttern werde ich angegriffen, wenn ich sage, dass meine Tochter auch bei ihrem Vater lebt. Dass ich ja sicher glücklich bin, soviel Zeit für mich zu haben. Dass ich super egoistisch bin. Dass mein Kind arm ist, dass es nicht immer bei seiner Mama ist. Ich frage mich insgeheim, ob das nicht oft Mütter sind, bei welchen der Kindesvater gar nicht mehr als „Wochenenddaddy“ sein wollte. Mütter, die, völlig allein gelassen, sich an ihr Kind klammern und dennoch insgeheim neidisch sind. Neidisch darauf, dass ich Zeit für mich hab. Ob ich sie wollte, oder nicht. Zeit für Hobbies, für mein eigenes Leben, für eine neue Partnerschaft. Einen neuen Versuch, glücklich zu werden? Wie viele dieser Mütter haben sich gefragt, ob ich diese Zeit überhaupt wollte, ob ich sie mir so sehr in meinem grenzenlosen Egoismus erkämpft hab, wie sie denken? Ich kann sie förmlich sehen, die Schublade, in die ich während einer Unterhaltung sofort gesteckt werde. Zum Beispiel von Kinderärzten, wenn ich getrennte „Kind-Krank-Bescheinigungen“ verlange, weil natürlich auch der Papa das kranke Kind betreut. Wir arbeiten schließlich beide Vollzeit. Während der Tochter das in den allermeisten Fällen verdammt egal ist, sie sogar fragt, wann der andere Elternteil sie abholt, weil sie ihn vermisst, schimpfen alle entsetzt. „Was, ihr lasst das ARME KIND auch krank pendeln? Wie traurig ist das denn?!“ Doch die Tochter will nicht nur die Hühnerbrühe von Mama. Wenn die Zeit gekommen ist, für den Wechsel, an den sie sich so sehr gewöhnt hat, will sie eben auch die Nudeln mit ein ganz klein wenig Butter von Papa, wenn der Bauch weh tut. Sie will uns beide. Immer abwechselnd. Egal in welchem Zustand. Es ist faktisch nicht möglich mit jemandem darüber zu reden. Die Übermütter verurteilen die Wechselmütter auf Teufel komm raus. Die Väter, die „Wochenenddaddys“ sind, wehren sich ebenfalls sofort. „Ein Kind gehört zur Mutter. Ich hab aus Selbstlosigkeit auf meins verzichtet und sehe es nur am Wochenende!“ Das ist die eine Variante. War es Selbstlosigkeit? Oder war es auch Bequemlichkeit? Vielleicht ist man ja wegen einer anderen Frau gegangen. Oder um möglichst schnell eine kennen zulernen. Das geht ohne Kind an der Seite einfacher. Doch wer hält sich schon gern den Spiegel der Realität vor? Die anderen Väter sind die, die den Mut nicht hatten, den mein Exmann hatte. Auch die ärgern sich und schlagen um sich. Die Mütter und Väter, die noch im Familienverbund leben (vielleicht häufig unglücklicher, als sie es sein wollen), die schimpfen noch mehr über die Mütter und Väter, die getrennt sind und das Kind pendeln lassen. „Diese modernen Familien, die nichts mehr aushalten! Ein Kind braucht Mutter und Vater. Die jungen Leute heute hauen immer gleich ab, wenns zu Hause nicht mehr spannend ist. Als ob wir das damals gemacht haben!“ Tja. Warum hat Frau es damals nicht gemacht? Das frage ich mich heimlich. Sicher nicht immer, weil es so schön war zu Hause. Oft aus finanziellen Gründen vermutlich. Und sicher ist das heute bei vielen Familien auch noch so.

Was bedeutet das am Ende eigentlich alles? Für mich konkret bedeutet es gerade, dass ich mir immer noch das eigene Scheitern nicht verziehen habe. Dass ich das Wechselmodell schlecht wirklich überzeugend verteidigen kann, weil auch ich darüber nachdenke, ob es gut für meine Tochter ist. Dass ich sehr oft sehr frustriert, schlecht gelaunt, traurig und wütend bin, weil ich seit der Trennung noch keine gute Antwort auf die Frage gefunden habe, WAS nun für meine Tochter gut, oder besser gewesen wäre. Ich habe immer nur festgestellt, dass es viele, gleich beschissene Alternativen für sie gibt und ich hasse mich dafür, ihr keinen Ausweg liefern zu können. Ich werde schnell sehr aggressiv, wenn Kommentare, oder irgendwelche Vorurteile gegen mich laut werden. Ich schäme mich, dass ich es nach zwei Jahren an den Dienstagen und Donnerstagen geschafft habe, mir Hobbies, Beschäftigungen und andere Dinge zu suchen und diese manchmal genieße. Dass ich es tatsächlich genieße „freie Abende“ mit meinem neuen Lebenspartner zu haben, auch wenn dieser mein Kind natürlich zu 100 Prozent zu akzeptieren und zu lieben gelernt hat. Oft denke ich direkt im Anschluss an einen positiven Gedanken „So soll das alles nicht sein. So hätte das alles nie passieren dürfen.“ Ich hoffe sehr, dass sich das für mich irgendwann wieder ändert.

Und für die, die sich gerade trennen, oder frisch getrennt haben, ob Mama oder Papa: ihr habt das Recht auf ein Wechselmodell. Es kann für das Kind eine mögliche Alternative sein. Aber ihr müsst bereit sein, miteinander zu reden, nur dann macht es Sinn. Pausenlose Zofferei, weil ihr ständig zusammen Entscheidungen treffen können müsst, bringt niemandem was, am wenigsten dem Kind. Ihr müsst immer auf euer Kind achten, in engem Austausch mit Kindergärten und später Schulen stehen. Aktiv die Einrichtungen auf deren persönlichen Eindruck ansprechen, euch euer Kind anschauen. Dann KANN es eine Alternative, zu den anderen Alternativen sein. Lasst es euch nicht per se schlecht reden. Dieses schlecht reden kommt meistens von Leuten, die ihre eigenen Baustellen noch nicht verarbeitet haben, Die euch immer auch dafür verurteilen, weil sie mit ihrem eigenen Weg (unglückliche Ehe, Wochenendpapa, Vollzeitmama…), den sie gewählt haben, insgeheim nicht zufrieden waren, zufrieden sind und niemals zufrieden sein werden. In diesem Sinne…viel Glück!

Autor: thejupiable

Verliebt, verlobt, gescheitert... Und außerdem 33 Jahre alt, vollzeitarbeitend und in einer neuen Beziehung. Mit vierjährigem Kind im Wechselmodell lebend.

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