Freundschaft

Ich schaue mir dieses Bild meiner Tochter und ihres besten Freundes immer wieder an. Ich habe, das Einverständnis der Mama des Sohnes vorausgesetzt, mich dazu entschieden, es zu teilen. Auch weil die Kleinen nur von hinten zu sehen sind. Ich liebe dieses Bild. Sie laufen so entschlossen drauf los, jeder für sich und dennoch halten sie die Hand des anderen, als ob sie ein altes Ehepaar wären. Als ob sie zusammen mutiger sind, als allein. Als ob sie wüssten, dass sie sich aufeinander verlassen können. Die beiden haben sich sehr gern, für Kleinkinder nicht unbedingt selbstverständlich und für die Erzieher des Kindergartens, sowie für uns Mamas sehr rührend. Ich denke mir überhaupt sooft, dass wir Erwachsenen von den Kindern mindestens ebenso viel lernen können, wie umgekehrt. In meinem Lieblingsbuch „der kleine Prinz“ heißt es, dass die Kinder mit den großen Leuten sehr geduldig sein müssen. Ich denke das stimmt. Die Kinder gehen mit soviel Phantasie durchs Leben, mit soviel Freude und Dankbarkeit. Sie staunen über den Herbst, begutachten jedes einzelne bunte Blatt. Häufig haben wir Erwachsenen dafür überhaupt kein Verständnis mehr. Wir hetzen meist durch die Welt. Das Einzige, was uns noch ins Staunen versetzen kann, ist ein Mehr an Gehalt, oder wenn wir es geschafft haben unsere elend lange to do Liste abzuarbeiten. Kinder haben eine ganz andere Sicht auf die Welt. Sie bewundern sie. Sie sind neugierig. Kreativ. Und vorurteilsfrei. Während die Erwachsenen garnicht mehr anders können, als in Schubladen zu denken, gibt es für Kinder solche erst garnicht. Sie betrachten alles erstmal neutral. Ein anders farbiges Kind ist beispielsweise interessant und so muss man es unbedingt kennenlernen. Während einige unter uns aus Angst vor fremden Kulturen zurückschrecken und hinter jedem Kopftuch, jeder Burka, scheinbar fast schon zwingend auch eine Sprengstoffweste vermuten, sind die Kinder verschiedener Kulturen erstmal neugierig aufeinander. Denn Kinder konzentrieren sich, im Unterschied zu Erwachsenen, nicht auf das, was sie unterscheidet, sondern auf das, was sie verbindet. Sie schätzen die wichtigen Dinge. Sie pflegen ihre Freundschaften. Wo wir häufig zu müde, zu ausgebrannt, zu selbstverliebt sind, um unser Gegenüber zu fragen, wie es ihm geht, um Bindungen den Raum und die Wichtigkeit zu geben, den sie zum Existieren und Wachsen brauchen, da ist es einzig und allein das Treffen zum Spielen, welches die Kinder interessiert. Spielen mit denen, die sie mögen. Jedes Kind, mag es auch mal schwierig, zickig, oder ungehorsam sein, möchte einfach nur Zeit und Aufmerksamkeit bekommen. Denn durch Spielen mit ihnen zeigen wir ihnen, dass wir sie lieben. Immer wenn ich mir dieses Bild anschaue, staune ich. Diese Vertrautheit,diese Leichtigkeit und diese Nähe. Ich denke an manche Freundschaften, Beziehungen insgesamt, egal welcher Art, die es nicht in der Form ins Hier und Jetzt geschafft haben. Häufig war es am Ende so, dass man sich „auseinander gelebt“ hat. Man hat sich entfremdet. Aber der Grund hierfür ist letzten Endes immer der Gleiche: man hat sich zu wenig Zeit genommen, um zuzuhören und zu reden. Lasst es uns also machen, wie die Kinder. Lasst uns von ihnen lernen und die wichtigen Dinge und Menschen auch entsprechend schätzen.

Autor: thejupiable

Verliebt, verlobt, gescheitert... Und außerdem 33 Jahre alt, vollzeitarbeitend und in einer neuen Beziehung. Mit vierjährigem Kind im Wechselmodell lebend.

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