Dieser Moment, wenn ich meine Tochter schlafen lege…

Ich liebe diesen Moment. Manchmal freue ich mich den ganzen Tag darauf. Okay die Vorbereitung ist meistens eine Katastrophe. Vor allem weil ich immer noch die perfekte Mutter sein will, die vorzeigemäßig mit dem Kind mindestens eine Stunde am Abend gespielt hat, am besten nebenbei noch ein Dreigängemenü gekocht hat, das zu mindestens Zweidritteln aus Gemüse besteht und das man am Ende vom blitze blank polierten Fußboden essen könnte, wenn man denn wollte. Stattdessen präferiert man es, von dem ebenfalls verdammt sauberen Tisch zu essen, während die Familie sich herzlich lachend gegenseitig schöne Geschichten von ihrem Tag erzählt. Leider verträgt sich das selten mit der Realität. Sicher manchmal klappt es. Manchmal ist es so sehr Bilderbuch, dass einem selbst schon ganz schwindelig wird. Aber meistens läuft es anders. Der eine isst schnell in der Küche, während er Essen macht. Das ist meistens mein eigentlich verdammt perfekter Freund. Ich wusel wie von Sinnen schlecht organisiert durch die Wohnung und versuche alles gleichzeitig zu erledigen, während ich ständig alle anschreie, die nach meiner Vorstellung nicht in der Spur laufen, damit sie anschließend in der Spur laufen. Anschließend laufe ich ins Bad und entdecke einen Stresspickel. Ich bin angepisst und laufe entnervt wieder raus. Schimpfe mit meiner Tochter, dass sie ihre Knete wegräumen soll, weil sie sonst austrocknet. Ich rufe nochmal und nochmal und dann kommt ein „Was? Ich spiel gerad, Mama. Ich räume die Knete gleich weg. ICH LIEEEEBE DICH MAMI.“ Mami ist etwas stoned und vergisst seelig lächelnd, dass sie härter durchgreifen sollte. Ich handele stattdessen aus, dass sie in fünf Minuten in den Müll fliegt, wenn sie dann nicht weg ist und versuche diese fünf Minuten in Ruhe auf der Toilette zu verbringen. Währenddessen spazieren zwei von zwei Mitbewohnern mindestens einmal ins Bad und fragen mich, was ich denn gerade mache, weil scheinbar nichts spannender ist, als eine Mutter auf der Toilette. Nach diesen fünf Minuten bin ich (oh Wunder!) immer noch angepisst, renne ins Kinderzimmer, drohe damit die Knete nun zu entsorgen. Ich zähle langsam bis drei. Meine Tochter verzieht zunächst keine Miene. Dann bei zwei, eindreiviertel rennt sie plötzlich panisch schreiend ins Wohnzimmer und packt schnell ihre Knete ein. Ich muss kurz schmunzeln und brülle meinen Freund an, der vor dem PC sitzt, statt die Wäsche zu holen. Ich gehe ins Bad und entdecke den zweiten Stresspickel. Ich brülle meine beiden Mitbewohner an, dass der zweite Stresspickel allein auf deren Konto geht. Dann sage ich meiner Tochter, dass sie nun endlich Zähne putzen muss, weil es sonst zu spät wird. Die Hauptdiskussion des Abends beginnt. Denn nie möchte sie ins Bett. Immer Zeit schinden. Hier noch das passende Kuscheltier suchen, hier noch mal eine Runde die Schneidezähne schrubben. Noch einen extra Schluck Wasser. Die Ausreden sind jetzt nicht unbedingt in der richtigen Reihenfolge aufgezählt und erheben auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn sonst würde ich die ganze Nacht durchschreiben. Aber irgendwann ist es soweit. Irgendwann liegt dieser kleine, verdammt gut riechende, inzwischen viereinhalb Jahre alte laufende Meter in seinem Bettchen mit der Maus und Elefant Bettwäsche und macht seine riesigen blauen Augen zu. Und dann sagt er meistens etwas unfassbar Süßes, das einen für alles entschädigt. Für einen viel zu stressigen Tag auf der Arbeit. Für blöde Stresspickel, zu wenig Schlaf, oder eine Mischung aus beidem. Für einen zu leeren Kühlschrank, für die Tatsache, dass die geliebte Salatgurke für das Frühstücksbrot der Tochter vergessen wurde zu kaufen, oder für die zuvor vergossenen unzähligen Tränen, weil man kein viertes Mal mehr Memory spielen wollte. Manchmal ist es ein einfaches „Mama, ich liebe dich.“ Manchmal ist es ein „Ich bin froh, dass ich dich hab!“ Manchmal sagt sie auch garnichts und kuschelt sich nur an mich. Ich singe ihr immer zwei Lieder vor, immer die gleichen Lieder, immer in der gleichen Reihenfolge. Manchmal bin ich so müde, dass ich selbst fast mit einschlafe und merke, wie ich vor Müdigkeit beim Singen anfange zu nuscheln. So sehr, als ob ich 3 Promille hätte. Aber es läuft letzten Endes immer gleich ab.  Sie dreht sich zweimal hin und her, fängt an zu gähnen und dann höre ich sie langsam neben mir schnaufen. Immer regelmäßiger. Anfangs zucken ihre Arme und Beine und dann liegt sie da wie ein Backstein und würde selbst von einem Erdbeben nicht aufgeweckt werden. Und ich stecke meinen Kopf in ihre Haare und sie riecht so unfassbar gut, dass ich seelig lächeln muss und mir denke, dass sie das Beste ist, das mir je passiert ist und dass ich so verdammt glücklich bin, dass sie da ist. Und das ist jeden Tag ein Grund zur Freude. Ein Hoch aufs Mamadasein. 🙂

 

Gute Nacht!

Autor: thejupiable

Verliebt, verlobt, gescheitert... Und außerdem 33 Jahre alt, vollzeitarbeitend und in einer neuen Beziehung. Mit vierjährigem Kind im Wechselmodell lebend.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s