Bemerkenswert

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!

Hallo,

ich habe sicherlich viele nervige und schlechte Charaktereigenschaften. So bin ich rechthaberisch, ein Controlfreak, ich bin super sensibel (was auch nicht immer gut sein muss) und mich Chaot zu nennen, wäre noch reichlich untertrieben und eine Beleidigung für alle normalen Chaoten auf dieser Welt, die wenigstens manchmal noch den Überblick haben. Aber ich bin spontan und wenn ich etwas machen möchte, dann denke ich nicht lange nach, ich tue es einfach. Und so habe ich beschlossen zu bloggen, ohne zu wissen wie das geht, ohne zu wissen, ob es jemals jemand lesen wird, fuck, sogar ohne zu wissen, ob ich überhaupt die notwendigen Einstellungen gewählt habe, Freigaben erteilt habe, Vorkehrungen getroffen habe, DAMIT es jemand lesen kann! Aber ich habs getan. Ich blogge. Hoffentlich. Unwissend, ob es jemals jemand lesen wird. Denn was erdreiste ich mich, zu glauben etwas wichtiges mitzuteilen zu haben?

Keine Ahnung. Vielleicht befinde ich mich gerade in einer unerfreulichen Situation. Vielleicht bin ich ein wenig überfordert mit meiner Vollzeitarbeit, mit dem Mutterdasein, mit dem Schmerz über die Tatsache, dass es mit lebenslanger Familie, Liebe und Geborgenheit dann doch nichts geworden ist. Vielleicht hasse ich das Gefühl irgendwie gescheitert zu sein, Menschen weh getan zu haben, die das nicht verdient haben. Vielleicht hasse ich es abgestempelt zu werden, weil mein Kind im Wechselmodell lebt. Vielleicht hasse ich es, mir in ihrer Abwesenheit wieder so etwas wie ein Leben aufgebaut zu haben. Vielleicht hasse ich es noch mehr, dass ich das alles so sehr hasse, vielleicht möchte ich endlich wieder etwas genießen, es mir wert sein etwas genießen zu dürfen und mich selbst endlich wieder lieben, egal ob ich gescheitert bin, oder nicht. Und vielleicht geht es anderen Mamas, oder auch den Herren der Schöpfung ebenso. Fühlt euch also umarmt, ihr seid nicht allein. Ihr könnt still mitlesen, ihr könnt kommentieren. Vielleicht bringts ja irgendwem was. Idealerweise mir selbst zumindest. In diesem Sinne: eine gute Nacht und vielleicht bis bald.

thejupiable

Du hast den Begriff Liebe neu definiert und ich danke dir auf ewig dafür!

Mein geliebtes Kind,

als ich den positiven Schwangerschaftstest in meinen Händen hielt, musste ich ein wenig erstaunt lachen, denn das war ja doch sehr schnell gegangen. Ich hatte keine Ahnung, was es bedeuten würde schwanger zu sein, mit dir. Und so hast du in weiser Voraussicht mir neun Monate Zeit gelassen, es zu verstehen und zu lernen, wie es ist, wie es sich anfühlt, wenn neues Leben in einem entsteht. Das erste Mal als ich dich plötzlich gespürt habe, habe ich mich erschrocken. Es war so verrückt, wie wenn ein durchgeknallter Schmetterling im Bauch wohnt und ich hatte kurz irgendwie Panik. Dann begann ich es lustig zu finden und je mehr du gewachsen bist und immer mehr zu einem Menschen wurdest, desto schöner war es, wenn du aufgewacht bist und dich bemerkbar gemacht hast. Es war schön nie mehr, nichtmal für eine Sekunde, alleine zu sein. Wenn ich mich erschrocken hab, hast du es auch getan und wild gezappelt, wenn ich mich gefreut hab, warst du die Erste, die sofort mit Luftsprünge gemacht hat. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und auch hier hast du mich perfekt auf die erste Zeit mit dir vorbereitet, in der ich auch kaum eine Sekunde allein sein konnte. Als du auf die Welt kamst, hast dir soviel Zeit gelassen, wie du wolltest und danach erstmal deinem Ärger lautstark Luft gemacht, wie heute auch noch. Ich werde nie vergessen, wie gut du gerochen hast. Nach den leckersten Gummibärchen der Welt. Du warst sofort hellwach und sehr aktiv. Du warst so aktiv, dass du die Wickelunterlage nach vier Monaten vor Freude kaputt gestrampelt hast, was mir niemand geglaubt hat. Ich habe heute noch immer das Gefühl, dass ich vor dir nur auf Sparflamme gelebt habe. Die Tiefe der Emotionen, die möglich ist, die habe ich erst durch dich gelernt. Du hast den Begriff Liebe neu definiert. Was ich vorher für Liebe gehalten habe, war nichts dagegen, was ich seit dir fühle. Wegen dir fühle ich alles echter und anders. Du bringst mich sooft zum lachen, egal ob ich gerade traurig, oder enttäuscht bin. Die Art wie du die Welt siehst, gibt mir in schwachen Momenten stets Hoffnung und deine Existenz immer die Kraft, die ich zum weitermachen brauche. Du hast alle Gefühle der Welt neu definiert und ich danke dir dafür auf ewig. Du bist meine große Liebe, mein Kind. Deine Mama

Im Fitnessstudio

Meine Herren…Fitnessstudios sind anstrengend, oder? Für uns Frauen mit riesem Druck perfekt zu sein ohnehin. Kennt ihr das auch, dass ihr euch dann doch mal etwas mehr umschaut, als es nötig ist? Schnell mal abchecken,wer da ist, sich ärgern über die hübscheren Beine, obwohl man doch schon ne Weile trainiert und sich anschließend so richtig ärgern, dass man sich überhaupt ärgert. Was soll der Scheiß? Wie alt bin ich denn? Ich hab ein Kind. Meine Herren…Und dann gibts ja auch noch diese lustigen Situationen, die man immer wieder erlebt. Ganz seltsame Männer, die schlimmstenfalls so schreien, als ob sie gerade draufgehen und bestenfalls, als ob sie gerade bei was völlig anderem sind, als trainieren. Und jetzt fängts noch an mit den Selfies vorm Spiegel. Ich rolle genervt die Augen. Ein zweites Mal dann, wenn ich sehe, dass die 6 kg Hanteln alle in Benutzung sind. Mist. So ein Mist. Wer nutzt sie gerade? Ein Mädel, teilweise so stark geschminkt, dass ich mich spontan frage, was passiert wenn die schwitzt, läuft ihr dann das halbe Gesicht während des Trainings weg? Ich muss kurz lachen, weil ich mir vorstellen, wie sie auf dem Laufband schreiend versucht ihr Gesicht wieder einzufangen und schüttel über meinen Humor selbst den Kopf. Und dann gibts js auch noch die, die halb nackt im Studio rumlaufen. Mit Sport BH, ziemlich geilem Sixpack- Bauch und hautenger Hose. Aber halt schon ziemlich nackt. Schon wieder läuft so eine an mir vorbei. Ich ärger mich. Worüber eigentlich? Ich hab zwar nicht so ein Sixpack, aber sonst…kann sie außerdem doch machen, wie sie will. Okay weiter im Text…es nähert sich mir eine Frau, die komplett nackt aussieht. Ich schwöre. Und glotze. Vermutlich ziemlich doof, aber ich bin damit nicht allein. Sie kommt näher und ich merke, dass es eine Art hautfarbener Anzug ist. Ganz eng und nunja. Wie ne zweite Haut. Ich muss zugeben, dass ich etwas irritiert bin, aber versuche weiter meine Bizeps-Übungen zu machen. Sie spitzt ihre Lippen, nimmt sich ne 4 kg Hantel, die Beine breit gemacht und angestrengt stöhnend schiebt sie sich die Hantel immer wieder zwischen die Beine und weg. Ich hab mich fast am Isotonic-Drink verschluckt und die Kerle ließen fast ihre ohnehin viel zu schweren Gewichte fallen. Seltsam. Ich ertrage das nur, indem ich die Musik in den Ohren voll aufdrehe und den Blick abwende. Ich kann sowieso nur trainieren, wenn ich mir Musik in die Ohren stecke. Entweder faster harder scooter beim cardio. Oder chopin mariage d’amour beim Krafttraining. Beides in Endlosschleife.Ich weiß. Seltsame Songwahl. So blende ich die teilweise merkwürdigen Gegebenheiten in meiner Umgebung einfach komplett aus. Nachdem ich mich also nach der „ich machs mir im Ganzkörperanzug mit ner Hantel-Frau“ das ganze Training über gefragt hab, warum ich dort hingehe und mir das antue, bin ich später in der Kabine einer redseligen, ziemlich alten Frau begegnet. Sie hat mich zugetextet, ob ich nicht kalt habe, wenn ich meine Dehnübungen auf dem Boden mache und dass der Boden außerdem doch total schmutzig ist und ich wenigstens die von ihr mitgebrachte Frischhaltefolie unterlegen soll. Die benutzt sie für alles hier als Unterlage. „Na super. Noch so ne Irre.“ dacht ich mir und hab dankend abgelehnt. Sie hat mich weiter zugetextet. Dass sie seit 50 Jahren trainiert. Dass sie weiß, sie hat Falten, aber das is ok, sie hat keine Probleme mit ihrem Alter. Dass sie so einen Tick mit der Folie entwickelt hat, dass sie die außerhalb immer unterlegen muss, bevor sie sich setzt. Aber dass dass schon passt. Jeder hat ja seine Macken. „Klar. Völlig normal mit Frischhaltefolie durch die Gegend zu laufen“ dacht ich mir insgeheim, aber ich hab nur wortkarg vor mich hingebrummt und wollte nach Hause. „Wieso stresst mich meine Umgebung so?“ hab ich mich gefragt. Dass es ja cool ist, wie selbstverständlich ich mich gerad ausziehe. Manche machen einen riesen Terz damit niemand den völlig nackten Zustand sieht. Gut, dass sie keine Probleme mit ihrem Hintern und ihren Falten hat. „Dafür ne Menge anderer Probleme…!“ hab ich mir insgeheim gedacht und versucht das Gespräch völlig auszublenden. Hat eine Weile funktioniert. Als ich fast angezogen war und gerade den Schal um den Hals gemacht habe, schaute ich mal hoch. „Ich bin froh, dass wir uns getroffen haben. Heute war ein blöder Tag. Niemand Nettes dabei. Und noch so ne Komische, die im Hantelbereich masturbiert hat. (Ich musste laut lachen). Ich hab mir gedacht, dass es dann halt so is. Aber is schon schade, weil zu Hause is ja auch nicht lauter, ne? Und dann treff ich dich hier in der Kabine und der Tag war gerettet. Danke!“ Ich hab mich gefühlt, als ob mir ins Gesicht geschlagen worden wäre. Ich hatte es verpasst. Die Stelle, an der ich hätte merken sollen, dass das einfach nur ne liebe, leicht einsame und etwas durchgeknallte, alte Frau war. Ich hatte es auch verpasst, mich einfach nett zu unterhalten, sie überhaupt zu bemerken. Ob sie mir einigermaßen normal vorgekommen wäre, wie sie da vermutlich mit Frischhaltefolie auf der Beinpresse gesessen hat, wage ich zu bezweifeln, aber was ist schon normal. Ich hatte nicht mal gemerkt, das jemand jenseits der 25 mit voller Kleidung im Fitnessstudio anwesend ist. Weil ich mich so hatte stressen lassen von den anderen, die mir ja nix weiter getan haben und vielleicht auf ihre Art genau so einsam waren, wie die alte Dame, es nur etwas anders kommuniziert haben. Nächstes Mal mach ichs anders. Ich schreibe der lustigen Lady ne whatsapp (wir haben nämlich Nummern ausgetauscht) und gehe mit ihr trainieren. Wir sollten uns auf das konzentrieren, das uns verbindet, nicht auf das, was uns unterscheidet. So denk ich mir. 🙂

Ein Beziehungsreim von daheim!

Wildes Reimen ist nicht gesund, es schmerzt der Kopf und auch der Mund.

Doch Denken tut auf Dauer auch gut, ich werd vllt. schlauer, drum find ich jetzt Mut:

Es war einmal ein Ehepaar, das war sein ganzes Leben füreinander da.

Da war viel Harmonie, da war viel Lachen und noch sehr viele andere ähnliche Sachen.

Es wurde lange nie gefragt, was sein Geheimnis sei, denn die Frau sah aus wie gepellt aus dem Ei.

Und der Mann war Unternehmer, verdiente viel Geld. Klug und kreativ, war klar, dass das auch der Frau gefällt.

Viele waren neidisch, denn in deren Augen, hatte das Paar alles und sie wollten es kaum glauben.

Was sie alle nicht wussten: auch das Paar hatte viele Gründe zum frusten.

Die Frau wollte nie einen Mann mit viel Geld. Mehr einen Familienvater, der verspricht, was er hält.

Doch ihr Mann war impotent, konnte ihr keine Kinder schenken, sie selbst konnte sich durch ihre Arbeit ablenken.

Der Schmerz, er war eine Weile immer da, ständiger Begleiter, dem Paar so nah.

Sie begannen sich andere Ziele zu setzen: fleißig arbeiten, viel Zeit zu zweit, nur wenig hetzen.

Eine schöne Wohnung, ein lieber Hund, sehr viel zusammen lachen und sie blieben lange gesund.

So machten sie es mit jedem Tiefschlag, er verbündete sie, machte sie zusammen sehr stark.

Die Jahre vergingen, die Schönheit dahin, das Alter kam, das Gedächtnis ging.

Die Frau wurde dement und der Mann wurde gefragt, wieso er sein Leben, seine Frau noch so sehr mag.

Denn er pflegte sie liebevoll, behandelte sie stets mit Respekt. Sie schien ihm nicht lästig, er fand sie perfekt.

So fiel ihm die Antwort stets leicht und nicht schwer und die Antwort kam auch nicht von ungefähr:

„Wenn du wirklich liebst, bedenke stets, was du gibst. Denke an das was ihr wart, an all das Gute, denn Liebe ist zart.

Glaube an euch, wisse zu jedem Moment, dass Krisen nicht nur kommen, sondern auch gehen zu End.

Gib niemals auf, sieh nicht, was euch unterschiedlich macht. Freu dich zu Hauf, über das, was euer Feuer stets entfacht.

Behandle deine Liebe mit Respekt und Verständnis, sei der beste Freund, hab stets von allem Kenntnis.

Doch das Wichtigste zum Schluss, was du nie darfst vergessen:

Kaputte Dinge einfach wegzuwerfen ist immer sehr vermessen.

Denn fast alles auf der Welt kann man wieder reparieren.

Man muss nur viel Zeit und Geduld investieren.“

🙂

Die Notwendigkeit von Ritualen in unser aller Leben…

Als ich heute früh zu einem ungünstigen Zeitpunkt wach geworden bin und nicht mehr einschlafen konnte (mein Wecker klingelt um 6 Uhr, wach wurde ich um 4:52 Uhr und JA, das hat sich heute im Laufe des Tages bemerkbar gemacht), war mein Bett und vor allem meine „Bärendecke“ aufeinmal so verdammt gemütlich, dass ich nichts anderes tun konnte, als vor Freude fröhlich zu quietschen. Sehr zum Leidwesen meines Freundes, der mich kleinlaut darauf aufmerksam machte, dass es noch früh ist und andere versuchen zu schlafen. Ich muss zugeben, ich war ein wenig gekränkt, denn ich hatte mich doch nur über die Existenz meiner Bärendecke gefreut. Die Bärendecke ist eine schöne, schwere, warme, braune Flauschdecke, die in der Tat das Gefühl in einem erweckt, von einem Braunbär herzlich umarmt zu werden. Von einem netten, gut gelaunten Braunbär natürlich, der einem positiv gegenüber eingestellt ist. Die Bärendecke wurde mir von meiner Arbeitskollegin damals anlässlich meiner Trennung gespendet, wie viele andere Dinge von ihr und anderen wundervollen Arbeitskollegen und alles hat inzwischen seinen festen Platz. Die Bärendecke wurde irgendwann fester Bestandteil an kalten Wintertagen und gehört nun dazu, zum Zuhause. Jeder kennt sie, jeder nimmt sie sich, wenn er kalt hat. Denn es gibt nichts, was die Bärendecke nicht wieder hinbekäme. Soweit die Theorie. Was ist mit der Bärendecke? Wieso macht sie, wieso machen Rituale so glücklich? Als ich noch ein Kind war, da hab ich es immer geliebt mit meinen Eltern am Wochenende zu frühstücken. Unter der Woche war viel los und es ging uns damals auch nicht so gut wie heute. Am Wochenende morgens und besonders auch abends haben wir uns Mühe gegeben. Es gab Brötchen, Wurst und Käse haben wir schön angerichtet und wir haben lange zusammen gesessen. Ich hab mich manchmal schon Tage vorher darauf gefreut. Jeder von uns hat solche Rituale und sie alle werden von uns so geliebt, weil sie uns zeigen wo wir hin gehören. Sie geben uns Sicherheit. Ob wir nun erwachsen sind, oder noch Kinder. Meine Tochter möchte immer die gleichen Einschlaflieder, zwei an der Zahl, vorgesungen bekommen. Egal wo wir sind, das gehört dazu. Und sie fühlt sich wohl und sicher. Meine tolle Bärendecke hält mich warm und ich weiß ich bin zu Hause. Und ich glaube abgesehen von der Sicherheit, die uns unsere Rituale geben, in einer großen weiten Welt, abgesehen davon, dass sie uns zeigen wer wir sind, so zeigen sie uns auch wer die Anderen sind. Mein Vater hat sich immer gefreut, wenn draußen der Wind weht und der Regen tobt und wir haben zu Hause im Trockenen und Warmen unter Decken gesessen. Er is schier durchgedreht vor Freude und ich hab mir vor allem das gemerkt. Meine ehemalige Chefin hat mal erzählt, dass sie sich immer daran erinnert, dass sie als Kind geföhnt wurde von ihrer Mutter, schon im Bett liegend und es geliebt hat, dann lecker duftend einzuschlafen. Ich hab vieles über meine damalige Chefin vergessen. Aber das hab ich mir gemerkt. Denn es ist auch eine Art seinem Gegenüber wirklich näher zu kommen. Es wirklich kennenzulernen, jenseits der Maske, die jeder von uns mehr oder weniger freiwillig wie automatisch aufsetzt, wenn er das Haus verlässt. Als ich noch klein war, hat es mich manchmal fertig gemacht, wie sehr die Menschen sich aneinander reiben, wie sehr sie gegeneinander kämpfen und wie sehr man sich darauf konzentriert, was einen unterscheidet, statt darauf was einen verbindet. Ich hab davon geträumt, dass man sich innerhalb von wenigen Sekunden wirklich kennenlernen kann. Der Gedanke war sich gegenseitig die Hände zu reichen und die Augen zu schließen. In den folgenden wenigen Minuten wäre dann in meiner kindlichen Vorstellung vor dem geistigen Auge des jeweils Anderen einenArt Kurzfilm abgelaufen. Mit allen prägenden traurigen und schönen Schlüsselmomenten des bisherigen Lebens, die einen zu dem gemacht haben, was man ist. Mit der Besonderheit dass das Gegenüber auch die Gefühle und Gedanken in dem Moment so empfunden hätte, als ob es die eigenen gewesen wären. Auf diese Art, so war meine Idee, hätte man innerhalb von kürzester Zeit jemanden komplett kennenlernen können. Man hätte gewusst, warum jmd. gerade genervt ist, warum jmd. kühl wirkt, oder gemein ist. Mit der Zeit musste ich lernen, dass das Kennenlernen von Menschen schwieriger ist. Und meine Vorstellung wohl immer ein Traum bleiben wird. Aber vllt können wir uns von unseren Ritualen erzählen? Oder uns still an unsere Kindheitserlebnisse erinnern? Vllt. können wir etwas offener und liebevoller auf neue Menschen zugehen? Nur so ein Gedanke während ich unter der Bärendecke liege und schreibe, statt zu schlafen. Damit höre ich aber jetzt auf. 🙂 Gute Nacht

Ich brauche euch…

Liebe Mama, lieber Papa,

wenn ich morgens spielen will, oder mir sehr viel Zeit lasse mit allem, obwohl wir uns anziehen müssen, um zum Kindergarten zu gehen, dann ist das ein Zeichen, dass ich gerne mit dir zu Hause bleiben möchte. Auch wenn ich den Kindergarten liebe, dich liebe ich einfach mehr. Auch wenn es mich freut, wenn wir dort ankommen, weil ich meine Freunde sehe und dann garnicht mehr weiß, warum ich morgens nicht ganz schnell los gelaufen bin, die Vorstellung, dass es so lange dauert, bis du mich wieder abholst, die macht mir manchmal einfach kurz Angst. Ist es nicht schön und richtig, dass ich es zu Hause mit euch am Schönsten finde?

Wenn wir auf dem Wege zum Auto, oder in ein Geschäft, oder sonstwohin sind und du hast es eilig, weil du dir so viel vorgenommen hast, das du erledigen willst, dann stresst du mich damit sehr und du machst mich wütend. Denn ich sehe die Welt anders, als du. Ich entdecke sie noch. Ich sehe noch überall kleine Wunder. Jedes Blatt, jeder Stein ist ein Geheimnis für mich, das ich untersuchen muss. Wenn du mir dafür die Zeit nimmst, fühle ich mich unverstanden und unwichtig. Du lässt mich nicht Kind sein und verlangst von mir Dinge, die ich nicht leisten kann und ich fühle mich damit wie ein Versager. Das ist, wie wenn man dir sagen würde: „Los, flieg jetzt einfach.“ So ist es, wenn du sinngemäß sagst: „Los, funktionier jetzt einfach, wie ein erwachsener Mensch.“

Ich bin ein Kind, kein kleiner Erwachsener. Wenn ich unbedingt mein Lieblingskuscheltier überall hin mitnehmen will, dann weil mein Zuhause mein sicherer Hafen ist und das Kuscheltier, das mit wandert ist ein Stück zu Hause, das immer bei mir ist. Jede Trennung von euch, egal wie aufregend die Dinge sind, die ich in eurer Abwesenheit erlebe, ist auch irgendwie anstrengend für mich.

Ich brauche keine tausend Kuscheltiere, zwanzig Puppen und soviel Spielzeug, dass ich mich über nichts mehr richtig freuen kann, weil ich lerne, dass alles ersetzbar ist. Ich brauch mein einzigartiges Kuscheltier, meine Lieblingspuppe. Ich brauche keine Kinderschminke und kein Kinderhandy. Das Schönste und Beste, das Einzige, das ich am Ende wirklich brauche, ist Zeit von euch. Zeit, die ihr mir spendet. In der ihr mit mir spielt, mit mir bastelt, mit mir malt. In der ihr mit mir kuschelt. In der ihr mit mir lacht und mit mir Witze macht. Denn dann bin ich glücklich, dann bin ich Kind. Ich brauche nicht mehr und erst recht nicht zuviel davon. Ich brauche euch und eure Aufmerksamkeit.

Euer Kind

Ich ließ mich dazu hinreißen…

Ich ließ mich dazu hinreißen, zu versuchen dich zu verstehen.

Ich wollte viel zu lange auf keinem Fall weggehen.

Ich versuchte viel zu sehr, dir endlich zu gefallen.

Dass du mir vertraust, doch du hattest deine Krallen.

Du hast mich sehr verletzt, nicht gut von mir gedacht.

Es hat mich sehr entsetzt, viele Zweifel in mir selbst entfacht.

Hätte ich nur auf mein Herz gehört, stattdessen hattest du mich komplett zerstört.

Doch daraus hatte ich viel gelernt und von meinem damaligen Ich bin ich nun weit entfernt.

Niemals mehr würde ich mich so verbiegen, das nächste Mal würde ich einfach nur lieben.

Lieben ohne Angst, das war mein großes Ziel, doch musste ich schnell lernen, es war kein Kinderspiel.

Denn zu tief waren die zahlreichen Wunden, obwohl ich nur kurz war an dich gebunden.

Dein Stachel saß tief, ließ mich lange sehr leiden, den Kontakt zu sämtlichen Männern meiden.

Doch dann traf ich den einen Mann, der mich tatsächlich wieder heilen kann.

Den einen, der zunächst als Freund bei mir blieb, geduldig war und fast immer lieb.

Den einen, der meine Launen stets ertrug, mir Zeit und Abstand stets gab genug, so lange bis ich wusste ganz klar:

Die Liebe, sie war endlich wieder da.

Ich ließ mich dazu hinreißen, wieder zu lieben und diesmal ist das Glück auch mit mir geblieben.

Ich ließ mich dazu hinreißen, es nochmal zu leben und der Mann an meiner Seite hat alles dafür gegeben.

Ich danke ihm von Herzen und er sollte wissen, ich möchte ihn niemals im Leben mehr missen.

Danke! 🙂

Die Weihnachtszeit

Ich muss sagen, ich habe ein sehr zwiegespaltenes Verhältnis zur Weihnachtszeit. Für kitschige Gedanken über eine gewisse Dankbarkeit dafür, wen und was man in seinem Leben hat, bin ich sehr empfänglich. Auch die Idee sich zurückzulehnen, Zeit mit den wichtigen Menschen in seinem Leben zu verbringen und vllt. denen, die man liebt, eine kleine Freude mit etwas machen zu können, das ihnen ein Lächeln auf die Lippen zaubert, gefällt mir sehr. Wenn sich dann noch der Geruch von Glühwein, heißer Schokolade und Weihnachtsgebäck unter meiner Nase ausbreitet, fange ich vermutlich vor Rührseligkeit an zu flennen und halte mich für den glücklichsten Menschen auf der Welt. Einfach weil ich an Weihnachten nicht allein sein muss.

Nun bin ich neuerdings mit einem absoluten Weihnachtshasser zusammen und wenn man meine letzten Zeilen gelesen hat, fragt man sich vllt. wie ich das dann aushalte, so als Weihnachtsliebhaber. Ganz einfach: die Gründe, warum ihm das Fest so zuwider ist, kann ich absolut verstehen und ich teile sie! Fürs viel zu viele Menschen ist Weihnachten inzwischen nur noch absolut gehetzt durch die Gegend eilen, die Wohnung für den lieben Gott und den hohen Besuch super sauber putzen, ein Fünfgänge Menü zaubern und jede Menge Geschenke abzuliefern, um allen Wünschen ausreichend nachkommen zu können.

Und der Spaß fängt ja schon viel früher an: kurz vor Weihnachten gehen offensichtlich zweidrittel der Menschen innerhalb der EU davon aus, dass die Lebensmittelversorgung auf unserem Planeten am letztmöglichen Einkaufstag vor den Feiertagen für immer endet. Es wird eingekauft, als obs kein Morgen gäbe und wer am Ende nicht mindestens eindrittel wegwerfen muss, hat was falsch gemacht. Ebenso bei den Geschenken: hab ich jemanden lieb? Dann muss ich ein teures Geschenk kaufen und zwar davon reichlich. Hab ich ein Kind lieb? Dann gilt das gerade Gesagte, mit der Maßgabe, dass der Geschenkeberg größer sein muss, als letztes Jahr, sonst riskiert man einen wütenden Schreikrampf des verzogenen Rotzbengels,weil nicht alles nach seinen Vorstellungen gelaufen ist. Ich kann garnicht sagen, wie traurig ich eine solche Entwicklung finde, da sie absolut nichts mehr mit den Gedanken von Weihnachten, mit dem Fest selbst, zu tun haben. Ich bin überzeugte Atheistin, also lasse ich mich an dieser Stelle gerne von den Katholiken belehren, sollte ich falsch liegen. Aber soweit ich weiß, soll Weihnachten das Fest der Dankbarkeit, der Liebe, der Besinnlichkeit sein. Es soll absolut nicht das Schenken von materiellen Dingen im Vordergrund stehen, sondern es geht wirklich darum, sich glücklich zu schätzen, für die immateriellen Schätzen, die man hat. Und deshalb liebe ich meinen Freund vermutlich noch ein klein wenig mejr, als vorher, dafür, dass er Weihnachten hasst, dafür dass er aus Prinzip nichts schenkt und nichts geschenkt bekommen will. Denn seine Gedanken gehen in die richtige Richtung. Ich werde es mir nicht nehmen lassen, ihm ein kleines Spaßgeschenk zu schenken und meiner Tochter, sowie meiner Familie mit Kleinigkeiten eine hoffentlich große Freude zu machen. Ich werde es mir nicht nehmen lassen, mit meiner Mama ein Essen zu kochen, das viel zu spät erst fertig ist (15 Uhr oder später) und bei dem sicher Schweinefilet serviert werden muss, weil mein Vater dafür töten würde. Während also der Großteil der Familie langsam den Hungertod stirbt und sich wie jedes Jahr fragt, ob das noch was wird mit dem Essen, während meine Mutter und ich in der Küche kichernd Sekt schlürfen und mein Onkel die neuste wii installiert und ausprobiert, werde ich es mir nicht nehmen lassen, das zu genießen und mich zu freuen. Denn meine Familie macht das garnicht so falsch. Bei uns stehen Geschenke sicher nicht im Vordergrund und auch das perfekt geputzte Haus nicht. Aber wir genießen es, Zeit zusammen zu verbringen und zu faulenzen. Ich weiß nicht, wie viele Weihnachten mir mit meiner Familie in dieser Konstellation noch geschenkt werden, da meine Großeltern schon älter sind und man nie weiß, wie viel Zeit man noch hat. Aber ich werde es genießen. Und ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, meinen Freund davon zu überzeugen das auch zu tun. Und jeden Anderen auf der Welt auch. Scheißt auf den Kommerz. Wenn eure Kinder hier bereits den Schwerpunkt setzen, wirds ohnehin Zeit. Tut stattdessen was Gutes. Lasst die Liebe ins Haus, schreibt jedem eine schöne Weihnachtskarte am besten abends vorm Schlafengehen und seid dankbar. 🙂 Eine schöne besinnliche Weihnachtszeit!