Bemerkenswert

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!

Hallo,

ich habe sicherlich viele nervige und schlechte Charaktereigenschaften. So bin ich rechthaberisch, ein Controlfreak, ich bin super sensibel (was auch nicht immer gut sein muss) und mich Chaot zu nennen, wäre noch reichlich untertrieben und eine Beleidigung für alle normalen Chaoten auf dieser Welt, die wenigstens manchmal noch den Überblick haben. Aber ich bin spontan und wenn ich etwas machen möchte, dann denke ich nicht lange nach, ich tue es einfach. Und so habe ich beschlossen zu bloggen, ohne zu wissen wie das geht, ohne zu wissen, ob es jemals jemand lesen wird, fuck, sogar ohne zu wissen, ob ich überhaupt die notwendigen Einstellungen gewählt habe, Freigaben erteilt habe, Vorkehrungen getroffen habe, DAMIT es jemand lesen kann! Aber ich habs getan. Ich blogge. Hoffentlich. Unwissend, ob es jemals jemand lesen wird. Denn was erdreiste ich mich, zu glauben etwas wichtiges mitzuteilen zu haben?

Keine Ahnung. Vielleicht befinde ich mich gerade in einer unerfreulichen Situation. Vielleicht bin ich ein wenig überfordert mit meiner Vollzeitarbeit, mit dem Mutterdasein, mit dem Schmerz über die Tatsache, dass es mit lebenslanger Familie, Liebe und Geborgenheit dann doch nichts geworden ist. Vielleicht hasse ich das Gefühl irgendwie gescheitert zu sein, Menschen weh getan zu haben, die das nicht verdient haben. Vielleicht hasse ich es abgestempelt zu werden, weil mein Kind im Wechselmodell lebt. Vielleicht hasse ich es, mir in ihrer Abwesenheit wieder so etwas wie ein Leben aufgebaut zu haben. Vielleicht hasse ich es noch mehr, dass ich das alles so sehr hasse, vielleicht möchte ich endlich wieder etwas genießen, es mir wert sein etwas genießen zu dürfen und mich selbst endlich wieder lieben, egal ob ich gescheitert bin, oder nicht. Und vielleicht geht es anderen Mamas, oder auch den Herren der Schöpfung ebenso. Fühlt euch also umarmt, ihr seid nicht allein. Ihr könnt still mitlesen, ihr könnt kommentieren. Vielleicht bringts ja irgendwem was. Idealerweise mir selbst zumindest. In diesem Sinne: eine gute Nacht und vielleicht bis bald.

thejupiable

Über den Wolken…muss die Freiheit gar grenzenlos sein.

Ich sende jetzt mal einen Hilfeschrei hinaus in die virtuelle Welt und weiß nicht mal, was genau ich mir für mich selbst und für alle anderen da draußen wünsche. Dass ich kein feedback bekomme, oder dass es jemandem so geht, wie mir die letzten Tage. Heute ist es eskaliert. Im Auto habe ich meine Tochter so dermaßen zusammen geschrien und von der verbalen Entgleisung, dass ich sie am Straßenrand absetze und jmd. Anderes sie mitnehmen und großziehen darf, bis hin zu der Todsünde, dass ich sie bei ihrem Vater absetze und sie nie wieder zu mir zu kommen braucht, war alles dabei. Und sie hat geweint und zwar sehr. Und ich hab mich gehasst und zwar ebenfalls sehr. Die Woche ist die Hölle. Bin ich die Einzige, der es so geht? Meine Herren, habt ihr glückliche ausgeglichene Kinder zu Hause, spielt ihr den ganzen Tag Familienspiele und habt euch lieb? Ich liebe meine Tochter. Mehr als alles andere auf der Welt. Aber seit ca. 3 Tagen ist sie zum abgewöhnen, man kann es nicht beschönigend ausdrücken. Sie macht nicht mit, blockiert, ist vorlaut, unverschämt und frech. Ich erkenne mein Kind kaum noch und frage mich, was zum Teufel mit meiner Tochter los ist. Sie schreit rum, ist total übermütig und zappelig auf der einen Seite und träge und quengelig auf der anderen Seite. Es ist so nervig, es macht einfach keinen Spaß und diese dreisten, frechen Sprüche und das provokante Grinsen, wenn ich sie um was bitte und sie macht weiter und ignoriert mich, machen mich fertig und überfordern mich. Ich schimpfe, bin gereizt. Was ist mit meinem Kind, was ist mit uns passiert? Das sollte Urlaub werden, zusammen spielen, entspannen, glücklich sein. Stattdessen war sie direkt zu Anfang der Woche mal wieder richtig krank und den 01.01.2019 haben wir mit 41 Grad Fieber in der Kinderklinik verbracht. Bis auf heute konnten wir also kaum raus, fieberfrei ist sie seit gestern. Sie muss zu Hause sitzen, ohne ihre Kindergartenfreunde, hat im Gegensatz zu sonst extreme Probleme sich selbst zu beschäftigen. Klar, vielleicht ist sie einfach noch nicht richtig fit. Ich spiele natürlich mit ihr, aber die Art, wie extrem sie klammert und 24/7 Aufmerksamkeit und Zuwendung will, überfordert mich schlichtweg. Sie ist fies zu meinem Freund, die beiden haben die letzten beiden Tage kaum zusammen gespielt, da sie mit ihrer provokanten Art nur drauf aus ist, jeden zur Weißglut zu bringen. Wir können uns kaum unterhalten, sie kommt sofort angerannt, brüllt dazwischen.

Wird sie irgendwann angebrüllt, weint sie. Man soll Kinder lieben, wenn sie es am wenigsten verdienen, denn sind sie wütend und sauer, zickig und gemein, dann brauchen sie wie jeder Mensch auf der Welt die Liebe am meisten. Ich weiß das alles. Und doch gerate ich die letzten Tage an meine Grenzen. Das Wetter ist ein kalter Haufen Sch…und es ist ne Qual vor die Tür zu gehen. Nichts kann man machen. Ich selbst finde kaum Motivation mich zu beschäftigen. Wie konnte ich dann heute so streng zu meinem Kind sein? Ich hab mich natürlich entschuldigt, ihr erklärt, dass ich nicht weiß, warum sie so drauf ist und dass ich langsam Angst hab, dass mir demnächst irgendwann mal die Hand ausrutscht. Ob ihr der Kindergarten, der Turnraum fehlt? Ob sie Papa vermisst? Alles mit ja beantwortet. Warum sie nichts von dem tut, worum ich sie bitte. Warum sie anfängt zu lachen und sagt „nein, mach ich nicht.“ Schulterzucken. Sie mag es nicht, wenn ich schimpfe, dann ist sie traurig. Das hat sie nochmal betont. Einsicht hat sie aber nicht, oder Verständnis, dass ihr Verhalten eine solche Reaktion nach sich zieht. Und ich bin wirklich sehr enttäuscht. Ich hab mich auf diese Woche gefreut. Stattdessen freue ich mich fast schon wieder aufs Arbeiten. Und ich fühle mich wie die größte Rabenmutter der Welt. Nichts ist so wie es sein soll. Wir sind alle genervt voneinander und ich schäme mich fast für mein Kind, frage mich, ob ich sie schlecht erzogen hab und hab gleichzeitig Angst, dass sie jetzt irgendeine hyperaktive Störung entwickelt. Woher kommt dieses Verhalten? Ist was passiert, hab ich was übersehen? Zwischen Sorgen, Ängsten und Vorwürfen gefangen, sitze ich also hier und denke mir resignierend und müde: „Morgen is Sonntag. Nur noch zwei Tage…“ Wie traurig.

Wenn das eigene Kind krank ist…

Geht’s eigentlich nur mir so, dass ich so verdammt mit leide, wenn meine Tochter krank ist? Zumindest aktuell sollte ich mich langsam fast daran gewöhnt haben und dennoch habe ich mich heute Nacht vor Panik fast ohnmächtig am Boden liegend gesehen, während ich den Spuckeimer meiner Tochter ausspülen wollte. Warum? Weil ich mir einbildete, Blut im Erbrochenen gesehen zu haben. Oder vielleicht auch, weil wir seit 22 Uhr versucht haben zu schlafen und sie dank 41 Grad Fieber, das sich auch mit Medikamenten kaum runter kühlen ließ, halluziniert hatte und sich selbst und mich so immer wieder alle paar Minuten aus dem Schlaf gerissen hatte. Schreiend, brüllend und schimpfend und ich jedes Mal dem Herzinfarkt nahe. Die Zeit wollte einfach nicht voranschreiten, die Nacht nicht vorübergehen. Und ich war so verdammt müde und den Tränen der Verzweiflung nahe.

Warum kann man nicht sachlich bleiben? Hohes Fieber ist doof, ja. Aber so lange sie noch die Kraft hat so zu brüllen und brav trinkt, wird sie es aller Voraussicht nach überleben. Das wäre ein sachlicher Gedanke gewesen. Doch das eigene Mutterherz verhindert scheinbar zumindest bei mir, dass man so denkt. Immer wieder steigt Panik in einem auf. Das Kind redete von merkwürdigen bösen Autos mit großen Augen, die im Zimmer herumfahren und die auf Mamas Schulter sitzen würden. Um 3 Uhr nachts flehte ich meine Tochter dann trotz allem leicht genervt an:

„Bitte hör endlich auf ohne Unterbrechung zu reden, ich kann nicht mehr. Es ist mitten in der Nacht. Versuch doch wenigstens zur Ruhe zu kommen. Schließ einfach deine Augen und versuche dich zu erholen und zu beruhigen.“

„Ich kann nicht schlafen Mama, weil wenn ich meine Augen schließe kommen sofort diese verrückten schnellen Bilder von all den Sachen. Siehst du das denn nicht? Warum sind diese gruseligen Autos im Zimmer. Ich will hier nicht bleiben.“

„Oh mann, was redet das Kind? Das ist nicht gut…das ist nicht gut!“

Und da war sie wieder, die Panik. Selbst als endlich ein Zäpfchen angeschlagen hatte und plötzlich ein patschnasses Kind mit 37 Grad Körpertemperatur, sich unwohl fühlend wegen der ganzen Nässe, neben einem aufgewacht und dann nach der großen Putze- und Spuckerei endlich erschöpft eingeschlafen war, lag ich daneben noch wach und hab auf eine alberne Art und Weise Wache gehalten. Atmete die Tochter regelmäßig? Spuckte sie vielleicht gleich wieder?

„Um Himmels Willen, nachher werd´ ich noch angespuckt, wenn ich nicht vorbereitet bin.“

Das ist die leidvolle Erfahrung, die aus den eigenen Gedanken spricht. Schön, wenn´s anders wäre. Ist es aber nicht.

Haben die Väter das eigentlich auch, frag ich mich müde? Leiden die auch so mit? Oder nehmen die es doch irgendwie gelassener?

Ich hoffe jedenfalls wirklich, dass unsere DauerkrankwirnehmenallesmitwasgehtausdemKindergartenundüberhaupt-Phase jetzt nach einem harten Jahre 2018 bald mal endet. Denn meine Nerven sind so langsam echt am Ende.

Ich lausche nun einen Tag später alle paar Minuten ungläubig dem momentan still schlafenden Zwerg nebenan, der ohne Medikamente mit nur noch 38.5 Temperatur eingeschlafen ist. Zu einfach erscheint mir das. Wir werden sehen, was die Nacht bringt. Düstere Vorahnungen planen mich.

 

Still und heimlich…

Alles von Bedeutung passiert still und heimlich.

Nichts Wichtiges zerbricht schrill und laut.

Und ist einem der Lärm und der Streit auch peinlich,

erst wenns ruhig wird, ists wirklich versaut.

Schönes verschwindet lautlos,

Trauer ummantelt still,

Beziehungen zerbreche leise,

auch wenn es keiner will.

Menschen gehen nie plötzlich, aber irgendwann,

einfach weil vieles passiert und man nicht mehr kann.

Alles von Bedeutung passiert still und heimlich.

Die Frau im Spiegel

Die Frau im Spiegel war nicht dieselbe, die sie einmal war.

Die Frau im Spiegel sah die Dinge meist nicht mehr klar.

Die Frau im Spiegel sah alles durch den Schleier der Trauer.

Die Frau im Spiegel baute um sich herum eine Mauer. 

Die Frau im Spiegel war die, die Welt hatte verbannt,

da keiner auf der Welt sie mehr verstand.

Die Frau im Spiegel war die, die sich selbst so sehr hasste,

weil sie wusste, dass sie zu nichts und niemandem mehr passte.

Die Frau im Spiegel war die, die von den Männern gefunden worden war.

Und seitdem war die Frau, sie war gar nicht mehr da.

Die Männer waren gekommen und hatten sie zerstört.

Die Frau im Spiegel war gegangen und niemand hatte es gehört.

Die Männer waren groß gewesen, schwer und gemein,

und ihr Schrei damals, der ging sicher durch Mark und Bein.

Doch niemand war gekommen und hatte sie gerettet.

Die Nacht war dunkel gewesen, der Park in Nebel eingebettet.

Die rote Farbe auf dem weißen Schnee, 

die Erniedrigung war groß, die Wunden taten weh.

Die körperlichen Wunden, sie waren schnell verheilt,

doch die Seele war kaputt, das Herz, es war zerteilt.

Die Frau im Spiegel blickte müde hinaus in die Welt,

und betete ganz heimlich, dass der Schleier wieder fällt. 

Der Schleier des Grauens, der Angst und der Trauer,

die Hoffnung die zersplittern ließ die große, feste Mauer.

Die Frau im Spiegel murmelte sarkastisch:

„Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Der Rest war eh schon tot.

 

 

Du hast den Begriff Liebe neu definiert und ich danke dir auf ewig dafür!

Mein geliebtes Kind,

als ich den positiven Schwangerschaftstest in meinen Händen hielt, musste ich ein wenig erstaunt lachen, denn das war ja doch sehr schnell gegangen. Ich hatte keine Ahnung, was es bedeuten würde schwanger zu sein, mit dir. Und so hast du in weiser Voraussicht mir neun Monate Zeit gelassen, es zu verstehen und zu lernen, wie es ist, wie es sich anfühlt, wenn neues Leben in einem entsteht. Das erste Mal als ich dich plötzlich gespürt habe, habe ich mich erschrocken. Es war so verrückt, wie wenn ein durchgeknallter Schmetterling im Bauch wohnt und ich hatte kurz irgendwie Panik. Dann begann ich es lustig zu finden und je mehr du gewachsen bist und immer mehr zu einem Menschen wurdest, desto schöner war es, wenn du aufgewacht bist und dich bemerkbar gemacht hast. Es war schön nie mehr, nichtmal für eine Sekunde, alleine zu sein. Wenn ich mich erschrocken hab, hast du es auch getan und wild gezappelt, wenn ich mich gefreut hab, warst du die Erste, die sofort mit Luftsprünge gemacht hat. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und auch hier hast du mich perfekt auf die erste Zeit mit dir vorbereitet, in der ich auch kaum eine Sekunde allein sein konnte. Als du auf die Welt kamst, hast dir soviel Zeit gelassen, wie du wolltest und danach erstmal deinem Ärger lautstark Luft gemacht, wie heute auch noch. Ich werde nie vergessen, wie gut du gerochen hast. Nach den leckersten Gummibärchen der Welt. Du warst sofort hellwach und sehr aktiv. Du warst so aktiv, dass du die Wickelunterlage nach vier Monaten vor Freude kaputt gestrampelt hast, was mir niemand geglaubt hat. Ich habe heute noch immer das Gefühl, dass ich vor dir nur auf Sparflamme gelebt habe. Die Tiefe der Emotionen, die möglich ist, die habe ich erst durch dich gelernt. Du hast den Begriff Liebe neu definiert. Was ich vorher für Liebe gehalten habe, war nichts dagegen, was ich seit dir fühle. Wegen dir fühle ich alles echter und anders. Du bringst mich sooft zum lachen, egal ob ich gerade traurig, oder enttäuscht bin. Die Art wie du die Welt siehst, gibt mir in schwachen Momenten stets Hoffnung und deine Existenz immer die Kraft, die ich zum weitermachen brauche. Du hast alle Gefühle der Welt neu definiert und ich danke dir dafür auf ewig. Du bist meine große Liebe, mein Kind. Deine Mama

Im Fitnessstudio

Meine Herren…Fitnessstudios sind anstrengend, oder? Für uns Frauen mit riesem Druck perfekt zu sein ohnehin. Kennt ihr das auch, dass ihr euch dann doch mal etwas mehr umschaut, als es nötig ist? Schnell mal abchecken,wer da ist, sich ärgern über die hübscheren Beine, obwohl man doch schon ne Weile trainiert und sich anschließend so richtig ärgern, dass man sich überhaupt ärgert. Was soll der Scheiß? Wie alt bin ich denn? Ich hab ein Kind. Meine Herren…Und dann gibts ja auch noch diese lustigen Situationen, die man immer wieder erlebt. Ganz seltsame Männer, die schlimmstenfalls so schreien, als ob sie gerade draufgehen und bestenfalls, als ob sie gerade bei was völlig anderem sind, als trainieren. Und jetzt fängts noch an mit den Selfies vorm Spiegel. Ich rolle genervt die Augen. Ein zweites Mal dann, wenn ich sehe, dass die 6 kg Hanteln alle in Benutzung sind. Mist. So ein Mist. Wer nutzt sie gerade? Ein Mädel, teilweise so stark geschminkt, dass ich mich spontan frage, was passiert wenn die schwitzt, läuft ihr dann das halbe Gesicht während des Trainings weg? Ich muss kurz lachen, weil ich mir vorstellen, wie sie auf dem Laufband schreiend versucht ihr Gesicht wieder einzufangen und schüttel über meinen Humor selbst den Kopf. Und dann gibts js auch noch die, die halb nackt im Studio rumlaufen. Mit Sport BH, ziemlich geilem Sixpack- Bauch und hautenger Hose. Aber halt schon ziemlich nackt. Schon wieder läuft so eine an mir vorbei. Ich ärger mich. Worüber eigentlich? Ich hab zwar nicht so ein Sixpack, aber sonst…kann sie außerdem doch machen, wie sie will. Okay weiter im Text…es nähert sich mir eine Frau, die komplett nackt aussieht. Ich schwöre. Und glotze. Vermutlich ziemlich doof, aber ich bin damit nicht allein. Sie kommt näher und ich merke, dass es eine Art hautfarbener Anzug ist. Ganz eng und nunja. Wie ne zweite Haut. Ich muss zugeben, dass ich etwas irritiert bin, aber versuche weiter meine Bizeps-Übungen zu machen. Sie spitzt ihre Lippen, nimmt sich ne 4 kg Hantel, die Beine breit gemacht und angestrengt stöhnend schiebt sie sich die Hantel immer wieder zwischen die Beine und weg. Ich hab mich fast am Isotonic-Drink verschluckt und die Kerle ließen fast ihre ohnehin viel zu schweren Gewichte fallen. Seltsam. Ich ertrage das nur, indem ich die Musik in den Ohren voll aufdrehe und den Blick abwende. Ich kann sowieso nur trainieren, wenn ich mir Musik in die Ohren stecke. Entweder faster harder scooter beim cardio. Oder chopin mariage d’amour beim Krafttraining. Beides in Endlosschleife.Ich weiß. Seltsame Songwahl. So blende ich die teilweise merkwürdigen Gegebenheiten in meiner Umgebung einfach komplett aus. Nachdem ich mich also nach der „ich machs mir im Ganzkörperanzug mit ner Hantel-Frau“ das ganze Training über gefragt hab, warum ich dort hingehe und mir das antue, bin ich später in der Kabine einer redseligen, ziemlich alten Frau begegnet. Sie hat mich zugetextet, ob ich nicht kalt habe, wenn ich meine Dehnübungen auf dem Boden mache und dass der Boden außerdem doch total schmutzig ist und ich wenigstens die von ihr mitgebrachte Frischhaltefolie unterlegen soll. Die benutzt sie für alles hier als Unterlage. „Na super. Noch so ne Irre.“ dacht ich mir und hab dankend abgelehnt. Sie hat mich weiter zugetextet. Dass sie seit 50 Jahren trainiert. Dass sie weiß, sie hat Falten, aber das is ok, sie hat keine Probleme mit ihrem Alter. Dass sie so einen Tick mit der Folie entwickelt hat, dass sie die außerhalb immer unterlegen muss, bevor sie sich setzt. Aber dass dass schon passt. Jeder hat ja seine Macken. „Klar. Völlig normal mit Frischhaltefolie durch die Gegend zu laufen“ dacht ich mir insgeheim, aber ich hab nur wortkarg vor mich hingebrummt und wollte nach Hause. „Wieso stresst mich meine Umgebung so?“ hab ich mich gefragt. Dass es ja cool ist, wie selbstverständlich ich mich gerad ausziehe. Manche machen einen riesen Terz damit niemand den völlig nackten Zustand sieht. Gut, dass sie keine Probleme mit ihrem Hintern und ihren Falten hat. „Dafür ne Menge anderer Probleme…!“ hab ich mir insgeheim gedacht und versucht das Gespräch völlig auszublenden. Hat eine Weile funktioniert. Als ich fast angezogen war und gerade den Schal um den Hals gemacht habe, schaute ich mal hoch. „Ich bin froh, dass wir uns getroffen haben. Heute war ein blöder Tag. Niemand Nettes dabei. Und noch so ne Komische, die im Hantelbereich masturbiert hat. (Ich musste laut lachen). Ich hab mir gedacht, dass es dann halt so is. Aber is schon schade, weil zu Hause is ja auch nicht lauter, ne? Und dann treff ich dich hier in der Kabine und der Tag war gerettet. Danke!“ Ich hab mich gefühlt, als ob mir ins Gesicht geschlagen worden wäre. Ich hatte es verpasst. Die Stelle, an der ich hätte merken sollen, dass das einfach nur ne liebe, leicht einsame und etwas durchgeknallte, alte Frau war. Ich hatte es auch verpasst, mich einfach nett zu unterhalten, sie überhaupt zu bemerken. Ob sie mir einigermaßen normal vorgekommen wäre, wie sie da vermutlich mit Frischhaltefolie auf der Beinpresse gesessen hat, wage ich zu bezweifeln, aber was ist schon normal. Ich hatte nicht mal gemerkt, das jemand jenseits der 25 mit voller Kleidung im Fitnessstudio anwesend ist. Weil ich mich so hatte stressen lassen von den anderen, die mir ja nix weiter getan haben und vielleicht auf ihre Art genau so einsam waren, wie die alte Dame, es nur etwas anders kommuniziert haben. Nächstes Mal mach ichs anders. Ich schreibe der lustigen Lady ne whatsapp (wir haben nämlich Nummern ausgetauscht) und gehe mit ihr trainieren. Wir sollten uns auf das konzentrieren, das uns verbindet, nicht auf das, was uns unterscheidet. So denk ich mir. 🙂

Ein Beziehungsreim von daheim!

Wildes Reimen ist nicht gesund, es schmerzt der Kopf und auch der Mund.

Doch Denken tut auf Dauer auch gut, ich werd vllt. schlauer, drum find ich jetzt Mut:

Es war einmal ein Ehepaar, das war sein ganzes Leben füreinander da.

Da war viel Harmonie, da war viel Lachen und noch sehr viele andere ähnliche Sachen.

Es wurde lange nie gefragt, was sein Geheimnis sei, denn die Frau sah aus wie gepellt aus dem Ei.

Und der Mann war Unternehmer, verdiente viel Geld. Klug und kreativ, war klar, dass das auch der Frau gefällt.

Viele waren neidisch, denn in deren Augen, hatte das Paar alles und sie wollten es kaum glauben.

Was sie alle nicht wussten: auch das Paar hatte viele Gründe zum frusten.

Die Frau wollte nie einen Mann mit viel Geld. Mehr einen Familienvater, der verspricht, was er hält.

Doch ihr Mann war impotent, konnte ihr keine Kinder schenken, sie selbst konnte sich durch ihre Arbeit ablenken.

Der Schmerz, er war eine Weile immer da, ständiger Begleiter, dem Paar so nah.

Sie begannen sich andere Ziele zu setzen: fleißig arbeiten, viel Zeit zu zweit, nur wenig hetzen.

Eine schöne Wohnung, ein lieber Hund, sehr viel zusammen lachen und sie blieben lange gesund.

So machten sie es mit jedem Tiefschlag, er verbündete sie, machte sie zusammen sehr stark.

Die Jahre vergingen, die Schönheit dahin, das Alter kam, das Gedächtnis ging.

Die Frau wurde dement und der Mann wurde gefragt, wieso er sein Leben, seine Frau noch so sehr mag.

Denn er pflegte sie liebevoll, behandelte sie stets mit Respekt. Sie schien ihm nicht lästig, er fand sie perfekt.

So fiel ihm die Antwort stets leicht und nicht schwer und die Antwort kam auch nicht von ungefähr:

„Wenn du wirklich liebst, bedenke stets, was du gibst. Denke an das was ihr wart, an all das Gute, denn Liebe ist zart.

Glaube an euch, wisse zu jedem Moment, dass Krisen nicht nur kommen, sondern auch gehen zu End.

Gib niemals auf, sieh nicht, was euch unterschiedlich macht. Freu dich zu Hauf, über das, was euer Feuer stets entfacht.

Behandle deine Liebe mit Respekt und Verständnis, sei der beste Freund, hab stets von allem Kenntnis.

Doch das Wichtigste zum Schluss, was du nie darfst vergessen:

Kaputte Dinge einfach wegzuwerfen ist immer sehr vermessen.

Denn fast alles auf der Welt kann man wieder reparieren.

Man muss nur viel Zeit und Geduld investieren.“

🙂